Face Music - History: Horsemen – Nomads
      • Geschichte der Reiternomaden




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P & C December 1998
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- last update 03-2016


  • Hsiung-nu - Xiongnu
    -
    3. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n.Chr.
- Landkarten:

Die Hsiung-nu errichteten in ihrem Steppenreich zwei Dynastien (Machtzentren). Diese waren nur kurzfristig, aber für die spätere Geschichte Chinas von Bedeutung. Die erste wurde die Frühe Zhou-Dynastie (Dschou) genannt und bestand von 304 v. Chr. bis 34 n. Chr. Die zweite wurde als Späte Zhou-Dynastie bezeichnet und bestand von 52 bis 329 n. Chr. Beide Dynastien waren noch nomadisch organisiert und standen in engem Verhältnis zum damaligen China. Unter den zusammengeschlossenen Stämmen soll auch ein Stamm gewesen sein, der sich Aschina nannte („Aschina“ - Name eines damals führenden Clans der Steppennomaden) oder auch Türk (Türküt). Sie waren bei den Chinesen als Waffenschmiede bekannt. Später entstand aus dem Stamm der Türk (Türküt) im gleichen Herrschaftsbereich auch eine Stammesföderation, Xianbei genannt, die zusammen mit den Donghu (Ost Hu) herrschten, die aus dem mongolisch-mandschurischen Grenzgebiet eingewandert waren. Sie werden im 5. Jahrhundert n. Chr. erstmals in chinesischen Chroniken beschrieben. Die Xianbei sind aber von der türkischen To'pa-Dynastie der Tabgatsch (Tuoba – Tang Dynastie) unterworfen worden, die auch Teile der Stämme der südlichen Hu erobert hatten. Diese südlichen Hu werden heute als türkischer Stamm gesehen. Die To'pa-Dynastie beherrschte jene Gebiete, die später als Region Sinkiang (Xingjiang) bekannt wurde.

Hsiung-nu ist auch eine chinesische Bezeichnung für den Stammesverband mit Reiternomaden, der zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. weite Teile Zentralasiens mit ihren Bogenreitern kontrollierte. Sie gründeten das erste Steppenimperium in der Geschichte, eine Art Gegenmassnahme zu Chinas Eroberungspolitik mit ihren Wagen- und Fusstruppen. Sie herrschten im Raum der heutigen Äusseren Mongolei, in der westlichen Gool Mod Region (Fluss im mongolischen Altai) und dem nördlich gelegenen Noyon Uul (Noin Ula – aufgrund von Kurganfunden auch am Selenga Fluss). Ihre Hauptrivalen neben den Chinesen waren nomadische Stämme, wie die der Yüe-tschi (sind als skythisch einzuordnen). Sie waren eine Indoeuropäische bzw. Indogermanische Gruppe, die im Raum der heutigen chinesischen Provinz Gansu bis zum Tarimbecken siedelten und als Söldner der Chinesen galten und möglicherweise mit den Tocharern identisch sind. (Diese gehören auch zur Indogermanischen Sprachfamilie). Die Hsiung-nu wurden nach Niederlagen gegen die Chinesen und gegen benachbarte Stämme aufgesplittert und zum Teil westwärts abgedrängt. Sie werden erstmals in chinesischen Quellen im Jahr 230 v. Chr. erwähnt, auch wenn angenommen werden kann, dass sie den Chinesen bereits früher schon bekannt waren. Insbesondere dürften sie Auswirkungen auf die chinesische Kriegsführung gehabt haben, die sich während der Zeit der Streitenden Reiche entwickelt hat. Die Mobilität dieser Reitertruppen führte zum Bau der ersten grossen Mauer (zusammenhängender Verteidigungsanlagen) unter Kaiser Qin Shi Huangdi (Fürst Zhao Zheng), dem Gründer der Qin-Dynastie (221-207 v. Chr.).

Die türkischen und mongolischen Völker sehen in diesen Stämmen ihre unmittelbaren Vorfahren. In Europa wurde der Begriff Hunnen als deren Vorfahren angesehen. Doch in der neueren Forschung werden Hunnen und Hsiung-nu nicht mehr gleichgesetzt - was auch dadurch begründet wird, dass es sich bei den frühen Nomadenvölkern um Stammesföderationen handelte, die sich aus verschiedenen ethnischen und kulturellen Gruppierungen zusammenschlossen und sich je nach Situation in rudimentären Staatswesen organisierten, trennten und neu organisierten. Nach heutiger Erkenntnis spricht vieles für eine Herkunft der Hsiung-nu und Hunnen aus der heutigen Mongolei und dem angrenzenden Altai- und Sajangebirge. Doch bis heute ist unklar, ob die von den Europäern als Hunnen bezeichneten Völker ein „verlängerter Arm“ dieser Stämme waren.
  • Die chinesische Bezeichnung Hsiung-nu (Xiongnu) wird in aller Regel nur für den Staat Mao-tuns verwendet und kennzeichnet die wohl stärker alttürkisch-mongolisch geprägten Gruppen (Augenform usw.) im Osten.
  • Die Bezeichnung Hunnen kennzeichnet eher die westwärts abgedrängten Gruppen der Hsiung-nu, die stärker mit Indogermanischen Gruppen vermischt waren. Der Begriff taucht vor allem im Zusammenhang mit Attila in Europa auf.

Die Hsiung-nu sind also wie die Hunnen aus einer Verschmelzung verschiedener Altai- und Sajanvölker hervorgegangen. Sie vermischten sich über mehrere Jahrhunderte mit etlichen Indogermanischen Gruppen (Saken „Skythen“, Sarmaten, Alanen) einerseits und mongoliden Gruppen aus der Taiga sowie vertriebenen Viehzüchtern aus den chinesischen Randgebieten andererseits. Die Chieh, einer der 19 Stämme der Hsing-nu-Konföderation, wurden zum Beispiel mit ihren langen Nasen und vollen Bärten bekannt (349 v. Chr.).

Im 8. Jahrhundert v. Chr. verzeichnet man im Altai bereits Pferdegeschirr und das Fehlen von Siedlungen. Den Chinesen waren diese „Barbaren“ unter den nacheinander benutzten Sammel-Bezeichnungen – Jung, Ti und Hui oder Hiu-yun – bekannt. Die Ti werden beispielsweise in zwei Feldzügen (714 und 541 v. Chr.) als zu Fuss kämpfend beschrieben. Die Hsiung-nu – laut gängiger Überlieferung ein „Zweig“ der oben angeführten Stämme – waren überwiegend als Reiternomaden anzusehen. Doch einige von ihnen werden, wie die in Transbaikalien (Baikalseeregion) siedelnden, als sesshaft beschrieben. Als legendenhafter Stammesvater der Hsiung-nu, der Türk sowie der Hunnen gilt Chungvi Khan, der erstmals 1800 v. Chr. erwähnt wird. Im Jahre 1766 v. Chr. werden sie in den Schriften der chinesischen Xia-Dynastie erwähnt, u.a. dass Kia – das 17. Mitglied dieser Dynastie – entmachtet wurde. Laut Aufzeichnung begründete Kias Sohn Sunni mit 500 Stammesangehörigen einen eigenständige-Stamm, Hui genannt. Sunni gründete damit vielleicht den bedeutenden Tuyku-Klan, auf den sich später alle Herrscher der Hsing-nu und Hunnen berufen. Dieser war auch mit dem Aschina-Chuni Klan eng verwandt, und auf diesen lassen sich auch alle Herrscher der Göktürken zurückführen.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Hsiung-nu ein erstes Grossreich unter Tu-men und seinem Sohn Mao-tun (209. bis 174. v. Chr.) und bedrohten die Han-Chinesen. Es werden Elemente eines frühen Staates eingeführt. In bestimmten Bereichen galten einheitliche Gesetze und Strafen. Ferner führte Mao-tun eine schnell einsetzbare militärische Gefolgschaft (Ordu) ein, und es wurde eine starke Zentralverwaltung mit mehreren Rangstufen geschaffen, die unter Mao-tuns Sohn Ki-ok (Laosheng, reg. 174-161. v. Chr.) ausgebaut wurden. Letzter führte auch eine Form staatlicher Abgaben (Steuern) ein. Die Herrscher entstammten nun dem Suylyanti-Klan, einem Unterklan der Tuyku, und begründeten jene alttürkischen Traditionen, die alle nachfolgenden Steppenvölker nach ihnen für ihre "Nomadenreiche" übernahmen.

Im Zeitraum von 350 bis 290 v. Chr. entstanden Befestigungsanlagen an den Nordgrenzen zu den chinesischen Teilreichen, Vorläufer der Grossen Mauer (15./16. Jahrhundert n. Chr. unter der Ming-Dynastie). Der Zhou-König Wu-ling (325–298 v. Chr.) z.B. liess seine Truppen Reiten und Bogenschiessen üben und übernahm auch die Kleidung seiner Feinde. Im 26. Jahr seiner Regierungszeit vernichtete er die Wald-Hsiung-nu (sesshafte Nomaden). Für 318.v. Chr. wird zum ersten Mal ein historisches Dokument überliefert: Ein unterzeichneter Grenzvertrag zwischen Chinesen und Hsiung-nu. Über die Hsiung-nu liegen insbesondere durch die Schriften des ersten grossen chinesischen Historikers Sima Qian († 85 v. Chr.) detaillierte Beschreibungen vor.

Unter Ki-oks Regierung bedrohten die Hsiung-nu 166 v. Chr. Chinas Hauptstadt Chan. Um 160 v. Chr. griffen sie ihre Erzfeinde, die Yüe-tschi, an und besiegten diese endgültig. Ki-ok fand bei diesem Feldzug den Tod. Mit der Vertreibung der Yüe-tschi aus der heutigen chinesischen Provinz Gansu lösten sie eine grosse Völkerwanderung aus. Die Yüe-tschi ihrerseits liessen sich in Baktrien nieder, wo auch die mitgerissenen Saken (Teil der Skythen) verblieben. Ihre Abwanderung hatte zur Folge, dass das letzte griechische Königreich in Baktrien (das des Heliokles) zerstört wurde und die Saken anschliessend Teile Nordindiens eroberten. Von nun an übten die Hsiung-nu die unbestrittene Macht in der Mongolei und wohl auch in ganz Ostturkestan aus. Das ganze Gebiet geriet dadurch vermehrt als bisher ins Bewusstsein der Chinesen.

  • Turkestan – Land der Türken - ist eine trockene Gebirgsregion in Zentralasien und erstreckt sich vom Kaspischen Meer im Westen bis zur Wüste Gobi im Osten: Sie war ursprünglich von iranischen Völkern besiedelt und bei diesen als Turan („Turanische Senke“ oder „Turanisches Tiefland“) bekannt. In der Zeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert wurde die Region von Mongolen beherrscht und war in Europa als „Grosse Tatarei“ bekannt.

    Heute wird die Bezeichnung „Turkestan“ vielfach mit dem Begriff „Heimat der Türken“ (also mit dem Stammland der „Turkvölker“) gleichgesetzt. Historisch gesehen, ist diese Gleichsetzung jedoch falsch, da die eigentliche „Urheimat“ der Turkvölker weiter im Osten, nämlich in der heutigen Mongolei, lag. Heute leben im Gebiet Turkestans verschiedene Ethnien, von denen die Turksprachigen inzwischen die Mehrheit bilden: Turkmenen, Uiguren, Usbeken, Karakalpaken, Kasachen, Kirgisen, Tataren, Aserbaidschaner, Karäim, Krimtürken, Turk-Mescheten und Türken neben den alteingesessenen iranischen Völkern der Tadschiken, Perser und Afghanen.

Nach wiederholten Auseinandersetzungen besiegte Han-China unter Kaiser Wu-ti die Hsiung-nu und drängte diese in ihr eigentliches Stammland zurück: 119 v.Chr. erlitten sie unter Mao-tuns Enkel Yizhixie (126–114 v. Chr) eine schwere Niederlage beim späteren Urga (Örgöö, heute Ulaanbaatar) in der Mongolei, da der Chanyu (Führer, Prinz) den Chinesen unter dem Feldherrn Huo Qubing eine ungefährdete Durchquerung der Gobi nicht zugetraut hatte. Allerdings ging die chinesische Pferdezucht in diesem Krieg zugrunde, so dass den Hsiung-nu die Kontrolle der Steppe blieb (105. v. Chr. verbuchten sie wieder einen Erfolg). In diesen Auseinandersetzungen wurde auch die Kontrolle über die Seidenstrasse ein wichtiger ökonomischer Faktor für die Hsiung-nu, so dass sich die Chinesen dort ebenfalls festsetzten wollten, letzteres unter General Pan Chao der Östlichen Han-Dynastie.

Um 60 v. Chr. zerfiel die Herrschaft der Hsiung-nu durch eine Folge von Bruderkämpfen, die von China gefördert wurden, in 5 Horden. Es gelang unter Hu-han-ye (58–31 v. Chr.) noch einmal eine vorübergehende Einigung. Er ging an den Hof des Han-Kaisers, unterwarf sich und triumphierte so über seine Rivalen. Er konsolidierte mit chinesischer Hilfe seine Macht in der Mongolei (51 v. Chr.). Eine Horde unter dem Führer Chih-chih (Chih-Chih-Hunnen) blieb jedoch unabhängig und zog westwärts. Sie liessen sich in der Nachbarschaft der Alanen am Tschüi (Tschu Fluss im nördlichen Kirgisistan und südlichen Kasachstan) nieder, wo Chih-chih 35 v. Chr. von den Chinesen überrascht und getötet wurde.

Das (östliche) Hsiung-nu-Reich erneuerte sich unter Hu-han-yehs Sohn Hudur-shi-dagao, der die späten Han gegen Wang Mang unterstützte. Nach dieser kurzen Wiedererstarkung zerbrach das Reich in zwei Teile. Hudurs Sohn Pu-nu wurde nicht von allen Stämmen der Hsiung-nu als Chanyu (Führer) anerkannt. Es rebellierten acht Stämme unter ihrem Führer Khukhenye (auch als Pi bekannt) gegen Pu-nu (dieser regierte) und unterwarfen sich dem Kaiser von China. Sie wurden in die Ordos-Region umgesiedelt (Innere Mongolei). In dem Krieg der beiden Vetter hatten sich die verbliebenen (also nicht westwärts gezogenen) Hsiung-gnu in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufgespaltet. Die südlichen eroberten Luoyang (Stadt in der Provinz Henan) und gründeten dort eine Dynastie, die Frühe Zhou-Dynastie. Es entstanden in ihrem Zuge weitere kleine Dynastien (Fürstentümer). Zu dieser Zeit waren die grössten Feinde nicht mehr die Chinesen sondern die Xianbei (eine Horde aus dem mongolisch-mandschurischen Grenzgebiet) sowie eine andere Macht aus dem Norden, deren ethnische Zusammensetzung unbekannt bleibt. Die Han hetzten die benachbarten Stämme (Süd-Hsiung-nu, Sien-pi, Xianbei, Wuhuan, Wusun und Dingling) auf die nördlichen Hsiung-nu und siegten. Der Han-chinesische General Ban Chao (Han-Dynastie) eroberte während der Herrschaft des Kaisers Ming von Han (Liu Yang) Zentralasien. Die Chinesen arbeiteten dabei immer mehr mit den Xianbei zusammen.

  • Sien-pi: Das Kaiserhaus der Früheren Yan war ursprünglich eine Häuptlingsfamilie des Volkes Sien-pi zur Zeit der Westlichen Jin-Dynastie.
  • Wuhuan: Sie waren ein nomadisches Volk, das im nördlichen China (heutige Provinzen Hebei, Liaoning, Shanxi, Bezirk Beijing und Autonome Region Innere Mongolei) ansässig war.
  • Wusun: Diese waren ein Volk von Hirtennomaden ohne Städte und ohne Ackerbau. Ihr Lebensraum liegt südöstlich des Balchaschsees entlang des Flussgebietes des Ili-Flusses. Der Legende nach gründete Liejiaomi ein Königreich der Wusun.
  • Dingling: Sie lebten ursprünglich am Oberlauf des Flusses Lena, westlich des Baikalsees. Im dritten Jahrhundert vor Christus begannen sie, sich nach Westen hin auszudehnen. Sie waren Teil des Reichs der Xiongnu (Hsiung-Nu).

Im Jahr 87 n. Chr. töteten die Xianbei den Chanyu Yu-liu. In den Jahren 89 und 91 n. Chr. trugen zwei chinesische Generäle grosse Siege an den Chi-la-Bergen (Kaschgar – Taschkurgan – Sinkiang) und dem Altai davon. Sie vertrieben den geschlagenen Chanyu an den Ili und setzten seinen Bruder Youzhujian ein, der aber schon 03 n. Chr. von den Xianbei besiegt und getötet wurde. Damit begann die Vorherrschaft der Xianbei in der Steppe. Die Herrschaft der Hsiung-nu in der Mongolei erreichte um 155 n. Chr. ihr Ende. Die Herrschaft der Xianbei leitete in der Mongolei für ungefähr 250 Jahre ein Machtvakuum ein.
Als Tan-shi-huai (ca. 156–181 n. Chr.) die Xianbei zu ihrem Machthöhepunkt führte, gaben die Nord-Hsiung-nu laut chinesischen Chroniken um 158 n. Chr. Ost-Turkestan auf und liessen sich nördlich von Kangiu (d.h. nordöstlich des Aralsees) nieder. Ab 166 n. Chr. rückte Tan-shi-huai nach und erreichte den Ili.

  • Eine von Historikern geäusserte Annahme, dass aus den westwärts abrückenden Gruppen der Hsiung-nu die europäischen und asiatischen Hunnen, Attilas-Hunnen, Chioniten, Hepthaliten hervorgingen, ist nach Stand der Wissenschaft weiterhin nicht nachweisbar – die Hunnen Attilas waren vermutlich ein Konglomerat verschiedener Völkerschaften.

Die Süd-Hsiung-nu, bis dahin in einer Art Gefangenschaft an der Grossen Mauer (konkret in Shanxi) gehalten, drangen unter Hu-chu-ch'üan (195–216 n. Chr.) als Verbündete der untergehenden Han-Dynastie immer weiter nach Süden vor. Dabei gelangte um 260 n. Chr. eine weitere Stammeskonföderation, die grossteils türkischen Tabgatsch (Tuoba), im Norden von Shanxi zur Macht. Unter Liu Cong, dem Attila Chinas (gestorben 318 n. Chr.), eroberten die Süd-Hsiung-nu noch einmal die Hauptstädte Jin Chinas, wurden aber schon 352 n. Chr. von den nachdrängenden Mujung-Xianbei unter ihrem Khagan Tsun vernichtet. Die Hsiung-nu hatten sich aber mit der Zeit bedeutend verändert. Auf ihren langen Zügen hatten sie sich mit anderen – meist Indogermanischen – Völkern vermischt und begannen nun, deren Kultur zu übernehmen. Sie begannen, feste Städte zu errichten und regen Handel zu treiben. Unter anderem gründeten die Hsiung-nu die Orte Ordu Balyk und das weiter nördlichere Kara Balagasum, das alte Kuz Ordu; aber auch Städte der Seidenstrasse wie Kara Hotscho, Kaschgar und Jarkand wurden von ihnen gegründet.

Im Zuge von Ausgrabungen in Gool Mod, dem einstigen Heer- und Hauptlager der hunnischen Hsing-nu, wurde unter anderem festgestellt, dass diese eine fortgeschrittene Kultur hatten und nicht das „kulturlose Volk“ waren, wie es von den Chinesen dargestellt wurde. Man fand feine Goldschmiedearbeiten und chinesische Schlangenornamente, die die Drachen- und Tiersymbolik der Steppenvölker ablösten und die Beziehungen zu China aufzeigten. Archäologische Funde weisen auf eine ab etwa 200 v. Chr. in einem weiten Gebiet von Transbaikalien (Baikalseeregion) bis in die Innere Mongolei verbreitete Kultur hin, die die bronze- und früheisenzeitliche Plattengrabkultur ablöste. Die Bevölkerung wies, wie Knochenfunde zeigen, sowohl europide als auch mongolide Elemente auf. Wichtige Fundstätten sind die Siedlung von Iwolginskoje Gorodischtsche an der Selenga und Noin Ula in der Mongolei. Im Fundgut zeigen sich Beziehungen sowohl nach China als auch an den Oberlauf des Jenissei, zur Tes-Stufe und zur Taschyk-Kultur. Die Keramik wurde bereits auf der Töpferscheibe hergestellt und ist in dem weiten Verbreitungsraum recht einheitlich. Es finden sich hohe, schlanke Gefässe mit engem Hals, konische Schalen und tiefe Schüsseln mit senkrechtem Oberteil und ausgestrecktem, breitem Rand. Die Keramik weist Glättstreifenmusterung, geritzte Bänder und diverse Streifenmuster als Ornamentierung auf. Sie verfügten über eine fortschrittliche Bewaffnung, wobei insbesondere Kompositbögen und eiserne Schuppenpanzer zu nennen sind. Neben Waffen wurden auch verschiedene Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge, das Pferdegeschirr und Trachtschmuck aus Eisen gefertigt. Unter letzteren finden sich Gürtelschnallen, Gürtelplatten mit figuralen Darstellungen und Riemenzungen. Sie waren keineswegs überwiegend Nomaden. Insbesondere in Baikalien sind zahlreiche, sehr häufig durch Wälle befestigte proto-urbane Siedlungen bekannt. In ihnen wurden Grubenhäuser (Polusemljanki) und ebenerdige Pfostenbauten gefunden. Die Wirtschaft bestand sowohl aus Viehzucht, insbesondere die Haltung von Hund, Schaf, Ziege, Rind und Schwein, als auch aus Ackerbau.
Die letzten Funde, die den Hsiung-nu zugewiesen werden können, stammen aus der Zeit um 100 n. Chr. Bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bleibt das nördliche Gebiet weitgehend fundleer, in der inneren und äusseren Mongolei findet sich anschliessend Fundgut der Xianbei, das deutliche Beziehungen zur Kultur der Hsiung-nu aufweist.

Februar - Juli 2009 – Albi - Revidiert von Hermelinde Steiner – Jänner 2010
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