Face Music - History: Horsemen – Nomads
      • Geschichte der Reiternomaden




- Catalog (in stock)
- Back-Catalog
- Mail Order
- Online Order
- about Artists
- Sounds
- Workshops
- Instruments
- Projects
- History Face
- ten years 87-97
- Review Face

- Photos - Artists
- our friends
- Albis Face
- Albis - Photos
- Albis Work
- Links

- Home

- Contact

- Profil MySpace
- Profil YouTube
- Overton Network

P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016


  • Göktürken – Köktürken – Alt-Türken und Turkestan
    - 5. bis 8. Jahrhundert n. Chr.

- Landkarten:
Die Alttürken werden heute als Göktürken bzw. als Köktürken bezeichnet. Das Reich bestand von 552 bis 742 n. Chr. als Verbindung nomadischer Stämme mit einer ca. 50-jährigen Unterbrechung zwischen dem ersten und dem zweiten Reich, in der die von Chinesen als „t‘u-chüeh“ (Türk) bezeichneten Reichsgründer von China während der Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Chr.) abhängig waren. Das Reich erstreckte sich zeitweise vom Kaspischen Meer bis zur Mandschurei und war der erste Staat in der Geschichte der zentralasiatischen Nomadenstaaten, dessen Amtssprache Alttürkisch war, wie man in den Orchon-Runen, Aufzeichnungen auf Grabstelen zu Ehren seiner Herrscher, gefunden hat,.

- Landkarten:

Bevor der Stamm der Türk sein erstes Reich gründen konnte, wurden die Steppen- und Wüstenregionen Zentralasiens von verschiedenen nomadischen und sesshaften Völkern bewohnt. Am einflussreichsten war das sesshafte Volk der iranischen Sogder, die den Handel über die Seidenstrasse dominierten. Dieses Volk wird mit den ebenfalls iranischsprachigen, aber nomadischen Skythen in Verbindung gebracht. Die Skythen waren das erste Nomadenvolk Zentralasiens, das die Verarbeitung von Eisenerz kannte. Die Skythen waren aber nicht nur ein Krieger- sondern auch ein Handelsvolk, das zeitweise die osteuropäischen Steppengebiete beherrschte und teilweise mit dem Byzantinischen Reich und Persien in Verbindung stand..

- Land
karten:

Die Han-Chinesen nahmen aber diese nördlich ihrer Grenzen lebenden Stämme erst wahr, als diese begannen, regelmäßig in ihren Herrschaftsraum einzufallen. Diese Steppennomaden waren eine Föderation von verschiedenen Stämmen, unter denen auch zahlreiche türksprachige waren. Vor allem die Hsiung nu fanden Eingang in die chinesischen Chroniken, weil die Han ihnen damals Tribute zahlen mussten.

- Landkarte: Han-Dynastie

Vorgeschichte

Turkestan wurde im Verlauf seiner langen Geschichte mehrmals umkämpft. Es war somit Teil von verschiedenen Nomadenreichen. Ein grosser Teil gehörte um 174 v. Chr. zur Stammesföderation der Hsiung nu. In dieser Region siedelten aber auch iranischsprachige Völker wie die Gutäer (Synonym für Wanderndes Bergvolk), die ursprünglich in den Tälern des Zagros-Gebirges ihre Heimat hatten. Sie waren auch verwandt mit den Kutschi, den Gründern des Kushan-Reiches. Weite Teile gehörten zeitweise zum Persischen Reich (Achämenidenreich) und zum Reich Alexanders des Grossen.

Das heutige Turkestan war von Iranisch sprechenden Völkern besiedelt und als Turan bekannt. Es berührte im Süden auch persisches Gebiet. In der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert n. Chr. wurde die Region von den Mongolen beherrscht und war in Europa als „Grosse Tatarei“ bekannt. Diese „Turanische Senke“ oder „Turanisches Tiefland“ machte einen Teil des damaligen westlichen Göktürkenreiches aus. Die Bezeichnung „Turkestan“ wird mit dem Begriff „Heimat der Türken“ (also mit dem „Stammland der Turkvölker“) gleichgesetzt. Historisch gesehen ist diese Gleichsetzung jedoch falsch, da die eigentliche „Urheimat“ der Turkvölker weiter im Osten, in der heutigen Mongolei lag.

Im 4. und frühen 5. Jahrhundert n. Chr. wurde ein Teil Turkestans von den Ruan Ruan (Shou-shan, Shuan-Shuan oder Juan Juan = chin. „wimmelndes Gewürm“) beherrscht, die ebenfalls eine Stammesförderation mit verschiedenen Nomadenvölkern darstellten, die fast alle Alttürkisch und Altmongolisch sprechenden Nomaden umfasste. Einer dieser Stämme waren die Türk (von den Chinesen t‘u-chüeh genannt), deren ursprüngliche Heimat sich in den Regionen um den Altai befand. Die Ruan Ruan herrschten damals auch im Raum der heutigen Mongolei. Von ihnen wird angenommen, dass sie auch altaiischen Ursprungs sind. Ihre Stammesföderation wurde unter Yujiulü Mokolü („Kahlkopf“, regierte 277 bis 307 n. Chr.) im 3. Jahrhundert n. Chr. gebildet und dehnte sich unter She-lüan (Kütelbüri, 394 bis 410 n. Chr.) ca. 402 n. Chr. über die gesamten Gebiete nördlich der Gobi aus. Die Ruan Ruan bedrohten mehrmals die Grenze Chinas und verloren 429 n. Chr. den erbitterten Machtkampf mit den Tabgatschen der Wei-Dynastie. Hier wird der Stamm der Türk erstmals in chinesischen Chroniken erwähnt, da sie als Waffenschmiede und Vasallen der Ruan Ruan bekannt wurden. Sie waren auch zeitweise die Oberherren der Hephtaliten (Weissen Hunnen) und Awaren in Mittelasien (Transoxanien). Zwischen 520 und 552 n. Chr. entstanden Bruderkriege innerhalb der Föderation, die diese schwächten.


- Landkarten:

- mehr Informationen siehe: Hsiung-nu, Hunnen, Awaren and Perser

  • Die Tabgatsch werden im Allgemeinen als eine Untergruppe der mongolisch dominierten Xanbei bezeichnet. Sie waren eine der bedeutendsten Stammeskonföderationen, die nach dem Zusammenbruch des Hsung-nu-Reiches (Xiongnu) entstanden war. Um 260 n. Chr. gelangten sie im Norden von Shansi, nördlich der Grossen Mauer, an die Macht. Die Mehrheit der Stämme, in deren Hand die politische Macht lag, war türkisch. Ein Teil waren Mongolisch sowie Tungusisch sprechende Stämme (Ewenen, Ewenken und Manschu) und indogermanische Stämme. Ihre Macht erstreckte sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. von Shansi und Hopeh bis zum Gelben Fluss. Hier gründeten sie die nördliche Wei-Dynastie. Ihre Herrscher waren überwiegend buddhistisch. Nach einer Teilung der Nord-Wei in Ost-Wei (Tung-Wei) und West-Wei (Hsi-Wei) wurden die Tabgatsch Teil der chinesischen Geschichte.

Ein weit verbreiteter Abstammungsmythos aller Türkstämme laut chinesischen Schriften betrachtet eine Wölfin als deren Vorfahren. Diese hatte einst einen Jungen gerettet, der der einzige Überlebende seines Stammes war. Aus der Vereinigung mit der Wölfin (Asena) gingen der Legende nach zehn Jungen hervor. Die Zahl Zehn wird auch mit der Stammesföderation der On-Ok in Verbindung gebracht, einem jener zehn Stämme, aus denen das westliche Göktürkenreich entstanden war (Arsena-Legende).

Die politische Struktur der Göktürken war weit komplexer als die einer einfachen Stammesdemokratie. Um eine Schicht militärischer Führer sammelten sich junge Männer, die unter der Führung eines Kagans Beutezüge unternahmen. Ein für heilig gehaltener „Hakan“ war der religiöse, geistliche und legitime Führer eines Verbandes. Die Macht in dieser Gesellschaft wurde von einer Art von Kriegerklasse getragen. Wie auch in anderen nomadischen Gesellschaften existierten Spuren älterer sozialer Formen. Clane existierten somit weiter, und die Frau spielte eine bedeutendere Rolle, übernahm mehr Führungsaufgaben als in der islamischen Welt.

Göktürkenzeit

Im 6. Jahrhundert n. Chr. fielen dann die Türk in Turkestan ein und errichteten in diesem Gebiet ihr westliches Teil-Khanat, dass sich bis zum Jahr 742/5 n. Chr. halten konnte. Sie waren ursprünglich im Ost-Turkestan und Altai ansässig und übernahmen die Tradition und Verwaltungstechnik ihrer Vorgänger. Die Stämme der Türk waren geschickte Eisenschmiede und kontrollierten einen wirtschaftlich strategischen Punkt, die Kreuzung zweier Handelswege: Der eine führte am Altai vorbei und verband das Orchon-Tal im Osten mit dem Ili-Tal im Westen, der andere führte vom oberen Jenissei nach Süden zum Altai und Tienshan. Sie standen vorerst noch unter der Hoheit der Ruan Ruan (der altaiischen Grosskonföderation). 520 n. Chr. kam es zum Thronstreit bei den Ruan Ruan, der dazu führte, dass ein Teil Zuflucht bei den Chinesen in der Inneren Mongolei suchte. Auch Angriffe der Gaoche, eines Turkstamms der Dingling, der ursprünglich an der Lena und am Baikalsee siedelte, fanden statt. Nun suchte man Unterstützung bei den Nachbarn den Hephtaliten (Weissen Hunnen). Unter neuerlichen Streitigkeiten der Ruan-Ruan-Stämme versuchten die Gaoche 546 n. Chr. erneut, sich von einer Oberherrschaft zu befreien. Die Türk benachrichtigten den Ruan-Ruan-Anführer und verhinderten somit einen Erfolg der Gaoche. Danach forderte Bumin, der damalige Führer der Türk, den Ruan-Ruan-Herrscher auf, ihm eine seiner Töchter zur Frau zu geben, was dieser allerdings ablehnte. Bumin fasste dies vermutlich als Beleidigung auf, heiratete eine Prinzessin der West-Wei (eines Nachfolgestaats der Nord-Wei, die wiederum Nachfolger der Tabgatsch waren) und revoltierte gegen die Ruan Ruan. 552 n.Chr. schlug Bumin das Herrscherhaus der Ruan Ruan vernichtend, schaffte somit die Voraussetzung zur Gründung eines neuen Reiches und wurde zum ersten regierenden Khan ernannt. Sein Reich bestand von 552 bis 742 n. Chr.

Göktürken – das Ostreich

Das Göktürkenreich wurde sehr bald nach seiner Gründung in zwei Verwaltungseinheiten unterteilt. Der Westteil unterstand politisch dem Ostteil. Im Süden des Ostreiches befanden sich zunächst noch die chinesischen Dynastien, die nördlichen Qi und die nördlichen Zhou, die die Wei-Dynastie der Toba ablösten. Diese Dynastien waren aus einer Spaltung der Tabgatsch hervorgegangen und tributpflichtig, aber weiterhin in gegenseitige Kämpfe verwickelt, bedeuteten also keine Gefahr. Im Osten siedelten die Kitan, ein mongolischer Stamm aus der heutigen Mandschurei. Sie führten verschiedene Kämpfe mit den Göktürken und Tang-Chinesen (um 560, 696/7, 733/5 n. Chr.). Im Norden siedelten weiterhin Kirgisen. Sie stammten wohl ursprünglich aus dem südlichen Altaigebirge (wurden bereits Ende des 3. Jahrhundert v. Chr. von den benachbarten Chinesen erwähnt). Der Göktürken-Khan Muhan verheiratete eine seiner Töchter an die Nord-Zhou und schaffte sich damit die Hände für eine weitere Bekämpfung der Kitan und Kirgisen frei. Die Kitan besiegte Muhan im Jahr 560 n. Chr. Mit Einsetzen einer Religionsverfolgung im Jahr der Nord-Zhou 574 n. Chr unter Kaiser Wu-ti flüchtete der buddhistische Mönch Jinagupta. Er folgte einer Einladung des damaligen Türk-Herrschers Taspar und gründete eine erste buddhistische Gemeinde. Zur Regierungszeit Taspars war das Ostreich nach innen wie nach assen stabil. Nach Taspars Tod im Jahr 581 n. Chr. und dem Machtantritt seines Bruders Nivar zerbrach die Macht des ersten Göktürkenreichs aufgrund von Rivalitäten zwischen dem Ost- und dem Westreich. Zwischen 582 und 584 n.Chr. löste sich der Westteil unter dem Yabghu Tardu aus der Vorherrschaft des Ostteils. Tardu war zu seinem Schritt wohl durch den chinesischen Kaiser Wen ermuntert worden. Dieser hatte weite Teile Nordchinas in der Sui-Dynastie vereinigt und sah in der Schwächung der Türken eine wichtige Bedingung für das eigene Überleben. Anfänglich gingen beide Teile des türkischen Khaganats ein Bündnis mit China ein, doch nach der Vernichtung des Nord-Zhou-Reiches durch Kaiser Wen waren einige an den Hof des Khans in das osttürkische Reich geflohen und versuchten die Türken zu überreden, ihnen bei der Rückeroberung ihrer Macht in Nordchina zu helfen. Doch die Sui versuchten das Ost- und das Westtürkische Reich weiterhin gegeneinander und auch gegen die verbliebenen Tabgatsch aufzuhetzen. Somit erreichten Auseinandersetzungen bei den Osttürken ein solches Ausmass, dass Nivar Khan, der von 581 bis 587 n.Chr. regierte, die Macht von zweien seiner Vettern streitig gemacht wurde. Im Westen des osttürkischen Reichs kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Weststämmen, im Osten zu erneuten Kämpfen mit den Kitan. Nach Schwächung des östlichen Khaganats unterstützten die Chinesen nun Nivar Khan, damit Tardu im Westen nach Schwächung des Ostteils ihnen nicht zu stark werden und ein neues gesamttürkisches Reich wieder aufbauen konnte. Nivars Nachfolger war ab 587 Mu-ho-tua (laut chinesischer Überlieferung). Er tötete seinen Rivalen, starb aber selbst im Jahr seines Regierungsantritts. Auch sein Nachfolger T’u-lan, der von 587 bis 600 n. Chr. regierte, war mit einem Rivalen (namens T’u-lin) konfrontiert, der von China unterstützt wurde. Die Chinesen nahmen den unterlegenen T’u-lin und seine Anhänger auf, da diese Lostrennung T’u-lins und seiner Anhänger vom osttürkischen Reich eine mehrjährige Spaltung des osttürkischen Reichs zur Folge hatte. Im Jahr 600 n. Chr. gelangte T’u-lin an die Macht über das gesamte osttürkische Reich. Unter seinem Sohn Shih-pi 609 bis 619 n. Chr. kam es zur kurzlebigen Wiedererstarkung des osttürkischen Reichs. Die Sui-Dynastie war mittlerweile selbst in Streitigkeiten verwickelt und sah sich erneut einer osttürkischen Gefahr ausgesetzt. 624 n. Chr. kam es zu einem neuen Angriff der Osttürken gegen die Chinesen unter dem neuen Khan Hsieh-li. In China hatte mittlerweile die Tang-Dynastie die Macht an sich gerissen, die den Angriff Hsieh-lis erfolgreich abwehrte. Schon sechs Jahre später griff Hsieh-li erneut China an. Die Tang-Dynastie war unter Kaiser T’ai-tsung mittlerweile allerdings sehr stark geworden. Hsieh-li musste sich 630 n.Chr. nach seinem erfolglosen Angriff endgültig den Chinesen unterwerfen. Doch bereits 657 n. Chr. errichtete das China der Tang-Dynastie in der südlichen Region des westlichen Göktürkenreiches seine Provinz der „vier Garnisonen“. Die Tang nannten dieses unterworfene Gebiet schliesslich „westliches Territorium“. Noch mehrmals gehörte das von Tang-China unterworfene Gebiet im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. zu tibetanischen Reichen. Nach dem Untergang des Göktürkenreiches (742/5 n. Chr.) wurden auf dessen Gebiet verschiedene turkstämmige Nachfolgereiche gegründet. So entstanden auf dem Gebiet des ehemaligen Ostkhanats (östliches Turkestan und eigentliche Mongolei) das Reich der Uiguren, das bis 840 n. Chr. Bestand hatte. Es wurde schliesslich von den Kirgisen unterworfen. Im ehemaligen Westkhanat wurden unter anderem die Reiche der Kiptschaken und der Seldschuken gegründet, deren Einflussbereich sich schließlich bis Europa und Vorderasien erstrecken sollte. Aber auch die Reiche der Chasaren und der Oghusen hatten in Turkestan eine ihrer Wurzeln.

- Landkarten:

  • Die Kitan waren ein Volk aus der heutigen Mandschurei, das schon im 6. Jahrhundert n. Chr. existierte. Sie führten verschiedene Kämpfe mit den Göktürken und dem Tang-China (560, 696/7, 733/5 n. Chr.). Ihr Führer Yelü Abaoji startete 924 n. Chr. auch eine Offensive nach Westen, besiegte dabei die Kirgisen in der Mongolei, schwenkte dann nach Kansu um, um die Uiguren, Tanguten und Tuyuhun dort zu unterwerfen. Abaojis Sohn Yelü Deguang griff in Nordchina die Liang-Dynastie an. Unter der Liang- und der darauffolgenden späten Jin-Herrschaft wurden Städte bis zum Amur-Fluss gegründet. Man betrieb Ackerbau, züchtete Pferde, besass Eisengiessereien und Webereien. Die Kitan benutzten auch zwei von der Chinesischen beeinflusste Schriften (um 920 n. Chr. – Khitan script), die hauptsächlich aus Logogrammen (ein Zeichen steht für ein Wort) bestehende Grossschrift und eine sich später entwickelnde Kleinschrift. Letztere enthält auch Phonogramme (ein Zeichen steht für einen Laut) und ist deshalb für die altaiische Sprachforschung als früheste überlieferte Form der mongolischen Sprachen von Interesse. Beide Schriften beeinflussten später die Entwicklung der Schriften der tungusischen Jurchen, Vorläufer der Mandschus und Xibe, die während der Qing-Dynastie unter Einfluss der Mongolen standen und später von den Han assimiliert wurden.
    In der Zeit von etwa 1116 n. Chr. (Einnahme von Liaoyang) bis 1125 n. Chr. (Gefangennahme des Kaisers wurde das Liang-Reich von seinen früheren Vasallen, den ebenfalls aus der Mandschurei stammenden Jurchen (Späte Jin-Dynastie) übernommen. Einige der Kitan flohen westwärts (zum Teil durch Südsibirien) und gründeten um 1130 als Kara Kitai unter dem Fürsten Yelü Dashi ein neues Reich, das sie von 1128 bis 1218 n. Chr. entscheidend mitgestalteten. Dieses Reich behauptete seine Existenz durch den Sieg über den Sultan der Seldschuken, Sandschar an der Katwan-Steppe nahe Samarkand 1141 n. Chr. Es bestand bis zur Mongoleninvasion 1217/18 n. Chr. Direkte Nachfahren der Kitan in China sind die mongolischsprachigen Daur.
  • Daur – Dahur: Sie waren während der Qing-Dynastie umgezogen, lebten ursprünglich in Transbaikalien am oberen Amur und der inneren Mongolei. Die Daur waren streng hierarchisch in Clans strukturiert. Bei der Heirat zog der Bräutigam zur Familie der Braut und hatte keinen Besitzesanspruch. Jede Familie hatte ihren eigenen Schamanen. Die Mongolisch sprachigen Daur sind ebenfalls direkte Nachfahren der Kitan in China in der Region Sinkiang und in Pakistan.

    - Landkarten:

  • Jin Dynastie (1115-1234)
  • Liao-Dynastie
  • Liao Dynastie - Western Xia
  • Liao Dynastie - Uyghurs & Karluks
  • 3rd Ming and Manchu-Quing Empire (1760)
  • Great Qing Dynastie (1644-1912)

    -
    mehr Informationen siehe: Uiguren and Tanguten

  • Das Turkvolk der Kiptschaken (auch Kumanen genannt), stammte als Zweig der Kimak ursprünglich vom Fluss Irtysch. Ihre Sprache war Kiptschakisch. Im 7. Jahrhundert n. Chr. wurden sie von den Turkut nach Westen abgedrängt, wanderten unter Bolus Khan in das Land an der Wolga und in die Steppengebiete der Ukraine ein, wo sie die dort ansässigen Petschenegen bis über die Donau verdrängten und 1071 n. Chr. erstmals in Ungarn einfielen. Sie führten mehrere Kriege gegen die Kiewer Rus, lebten halbnomadisch und betrieben auch kleinere Handelsstädte. Die Kiptschaken hatten meist mehrere Fürsten. Nach Niederlagen am Don 1111 und 1116 mussten sie zu den Georgiern fliehen. Dort begründeten sie mit einer Heirat die künftige kiptschakisch-georgische Allianz. Nach dem Tod des Kiewer Grossfürsten Wladimir Monomach 1125 n. Chr. kehrten sie zurück. 1154 n. Chr. wurde ihre Herrschaft neu begründet, Scharukan (das heutige Charkiw) entwickelte sich zum Machtzentrum.

Um 1223 n. Chr. drangen die Mongolen in den südrussischen Steppen ein, und mit ihnen die verbündeten Turkotataren. Diese hatten eine zustande gekommene russisch-kiptschakische Allianz an der Kalka geschlagen. Bald darauf besiegten die Mongolen den Kumanen-Khan Kuthan (Kötöny, Kotjan) erneut. 1223 hatte eine Delegation kumanischer Muslime auch beim Kalifen in Bagdad (vergeblich) um Hilfe angesucht. Der endgültige Untergang der Kiptschaken kam mit dem Feldzug Batu-Khans 1236-39 n. Chr. Ein Teil des Volkes floh unter Kuthan Khan vor den Mongolen nach Ungarn. Ihr Siedlungsgebiet war der nördliche Teil des Gebietes zwischen Donau und Theiss einschließlich der an Körös und Maros grenzenden Gebiete. Rivalitäten mit dem alteingesessenen ungarischen bzw. deutschen Adel verschärften sich. Die Kumanen zogen in die Dobrudscha (Transdanubien – nordöstliche Zipfel der Balkanhalbinsel), wo ihnen der Bulgaren-Zar Koloman Siedlungsgebiete anbot. Im 15. Jahrhundert tauchten nochmals Kumanen als Garde von Ungarns König Sigismund auf.
Ein Teil ihres Volkes verblieb jedoch im Osten und beteiligte sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts an der Gründung des Choresmischen Reiches. Die
Choresm-Schahs waren eine muslimische Dynastie mamlukischer Abstammung in Choresmien, Transoxanien, im heutigen Pakistan und Persien (1077 bis 1231 n. Chr.).

- Landkarten:

Göktürken – das Westreich

Der erste Yabghu (Prinz) des Westreichs war Is'tämi, der von 552 bis 575 n. Chr. regierte. Ungefähr zehn Jahre nach seinem Amtsantritt kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Hephtaliten (Weissen Hunnen). In der Folge kam es zu einer Allianz zwischen dem sassanidischen Persien und den Westtürken: infolge dieser Allianz wurden die Hephtaliten von verschiedenen Seiten angegriffen und geschlagen. Anschliessend flohen sie aus dem Stammgebiet (Badachschan in Nordostafghanistan war ihr Zentrum). Darauf wurde ihr Gebiet zwischen den Türken und den Sassaniden aufgeteilt. Die Sassaniden bekamen Baktrien, das ihnen von den Türken aber wieder abgenommen wurde. Die Hinzugewinnung der hephtalitischen Gebiete bedeutete für die Türken den Zugewinn eines ausserordentlich wichtigen wirtschaftlichen Faktors: der Kontrolle über einen Teil der Seidenstraße.

-
mehr Informationen siehe: Sassaniden

  • Die Seidenstrasse führte von Kansu ca. 7000 km bis zum Schwarzen Meer. Südlich der Gobi verlief sie 2000 km bis Kumul, wo sich der Weg teilte. Einer der Wege führte nach Westen zum Tarim-Becken und zu den alten Stadtstaaten, der andere Weg führte nach Nordwesten (nördlich des Tianshan), dann nach Südwesten bis nach Samarkand, Buchara und Marw. Von Samarkand gab es Wege nach Baktrien und Indien, in die Reiche der Parther und Sassaniden, nach Anatolien und Syrien nach Chwarezm, also östlich des Kaspischen Meer, nördlich des Schwarzen Meeres, also einen Weg, der nach Byzanz führte. Auf der Seidenstrasse wurden Seide, Baumwolle, Gewürze und Drogen transportiert.
  • - Landkarten: Seidenstrasse - topographische Karte – Seidenstrassei - Routen

Der Transport von Rohseide aus China und Textilverarbeitungen aus der Seide bildeten einen wichtigen Faktor im sassanidisch-byzantinischen Handel. Allerdings waren Persien und Byzanz seit 517 n. Chr. verfeindet und hatten mehrmals Krieg geführt. Das türkische Reich spielte nun eine wichtige strategische und wirtschaftliche Rolle. 568 n. Chr. in der Sommerresidenz Is'tämis kam ein türkisch-byzantinisches Bündnis gegen das sassanidische Persien zustande. Khan Tardu zeigte sich verstimmt über ein Bündnis der Byzantiner mit den Awaren. Auseinandersetzungen mit Byzanz unter Tardu nahmen bald kriegerische Formen an, die Türken pflegten aber auch ihre Feindseligkeiten gegen die Sassaniden. Tardu stieß 588/589 n. Chr. bis nach Herat vor, konnte Herat nicht einnehmen, doch geriet das heutige Nordafghanistan mit den wichtigen Städten Kunduz und Balkh in türkische Abhängigkeit. Tardu galt als Staatsmann ohne diplomatisches Geschick. Sein Wille zur Ausdehnung seines Machtbereichs führte zu weiteren Auseinandersetzungen mit Byzanz, den Sassaniden und sogar mit dem osttürkischen Khan: 584 n. Chr. sagte er sich vom Osttürkischen Reich los und ging gegen die Osttürken ein Bündnis mit der Sui-Dynastie ein. Bei einem Aufstand der Tölis-Stämme kam Tardu ums Leben. Sein Reich wurde in weiterer Folge Opfer innerdynastischer Rivalitäten. Tardus Enkel Schih-kuei erhielt den Westen des Westtürkischen Reichs, Ch’u-lo bekam den Osten. Da Ch’u-lo ähnliche Machtbestrebungen wie Tardu zeigte, entzogen die Chinesen ihre Unterstützung, so dass sich Schih-kuei durchsetzten konnte. Schih-kueis Nachfolger T’ung schih-hu (628-630 n. Chr.) schaffte es, den Machtbereich der Türken bis über den Oxus hinaus zu erweitern. Zu dieser Zeit erstreckte sich der Westteil vom Altai über den Hindukusch bis zum Kaspischen Meer. T’ung schih-hu starb 630 n. Chr. während eines Aufstandes der Karluken. Es kam zu Machtkämpfen zwischen den zehn westtürkischen Stämmen, in deren Folge es den Chinesen 657 n. Chr. gelang, das westtürkische Gebiet auf zwei chinesische Protektorate aufzuteilen. 659 n. Chr. wurde das Westtürkische Reich von China endgültig einverleibt. Im Zuge der Auflösung des Westtürkischen Reichs wanderten verschiedene Stämme Richtung Westen – zu den bedeutendsten gehören die Chasaren.

  • Choresmien: Landschaft, die sich nordwestlich bis zum Kaspischen Meer und östlich bis zum heutigen Zentralafghanistan ausdehnte. Die Region gehörte ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. unter Kyros dem Grossen zum achämenidischen Perserreich und wurde in Satrapien, Baktrien, Sogdien, Choresmien und Parthien unterteilt. Choresmien war auch ein frühes Zentrum der zoroastrischen Religion. Im Jahr 329/328 v. Chr. erschien der choresmische König Farasman und bot Alexander dem Grossen ein Bündnis an. In der Zeit um Christi Geburt beginnt eine Münzprägung, die stark von parthischen und baktrischen Vorbildern geprägt ist. Wenig später erscheinen aber auch Inschriften auf Choresmisch, aus deren Legenden die Namen einiger Herrscher bekannt sind. Im 2. Jahrhundert n. Chr. scheint das Reich von den Kuschanen erobert worden zu sein. In der Mitte des 3. Jahrhundert n. Chr. setzt wieder eine eigene Münzprägung ein (Silber und Kupfermünzen). Es wird vermutet, dass König Vazamar das Reich von der Kuschanherrschaft befreite. Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. hatte das Reich wohl mit einfallenden Nomaden zu kämpfen, war zeitweise Teil des Sassanidenreiches und konnte sich erst im 6. Jahrhundert n. Chr. wieder erholen.
    - Archäologische Ausgrabungen haben den Nachweis einer hochentwickelten Kultur erbracht. Seit etwa dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurde die choresmische Sprache (mitteliranische Sprache) mit einer eigenen, dem Aramäischen verwandten Schrift geschrieben. Besonders die darstellende Kunst (Monumentalbauten, Malerei) zeugt von handwerklichem Können und Originalität und ist von der parthischen und der baktrischen Kunst beeinflusst. Grundlage für den Reichtum des choresmischen Reiches war die hochentwickelte Bewässerungslandwirtschaft. Neben Baumwolle und Reis, Obst und Wein wurde Getreide angebaut. 712 n. Chr. erlag Choresmien den Arabern, die den Islam einführten. Später gehörte es zum Herrschaftsgebiet der Samaniden und Ghanaviden. 1043 n. Chr. eroberten die Seldschuken das Land, das aber bald wieder selbständig wurde. Vom 11. bis 13. Jahrhundert n. Chr. war Choresmien das Zentrum des Reiches der choresmischen Schahs. Unter Ala ad-Din Mohammed (1200-1220 n. Chr.) erreichte das Land seine grösste Blüte mit einer Ausdehnung vom Kaspischen Meer bis zum Persischen Golf. Gleichzeitig erlebte die persische Kultur einen neuen Höhepunkt, der jedoch nur kurze Zeit währte, da 1220 n. Chr. die Mongolen unter Dschingis Khan das Land verwüsteten und dem Reich der Goldenen Horde einverleibten. Ende des 14. Jahrhunderts n. Chr. begann Timur Lenk seine Eroberungen. Die Hauptstadt des Landes, Konye-Urgench (Köneürgenç), wurde dabei zerstört, später wieder aufgebaut. 1511 n. Chr. entstand das Khanat Chiwa, der Nachfolgestaat Choresmiens. Sein Zentrum wurde die seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. bestehende Stadt Chiwa, die Anfang des 17. Jahrhunderts n. Chr. Hauptstadt des Landes wurde. Die alte Hauptstadt musste aufgegeben werden, da der Amudarja seinen Lauf geändert hatte. Die Bevölkerung setzte sich aus Usbeken, Turkmenen, Karakalpaken und anderen Völkern zusammen und lebte vor allem von Viehzucht, Ackerbau und Gewerbe. Seit Ende des 16. Jahrhunderts n. Chr. entwickelten sich aus dem alten Stammesadel, der ausgedehnte Ländereien besass, grosse Feudalherren.
  • Die Karakalpaken sind ein den Kasachen eng verwandtes turksprachiges Volk am südöstlichen Aralsee. Sie sind aus den Südkasachen entstanden und betreiben traditionell Ackerbau und Fischen. Die Karakalpaken gehören mehrheitlich dem sunnitischen Islam an.
  • Die Petschenegen waren eines der alten türkischen Völker. Sie stammten ursprünglich aus Westsibirien, und obschon sie wahrscheinlich oghusischer Herkunft sind (sie werden vielfach auch als Oghus-Petschenegen bezeichnet), gehörten sie seit 552 n. Chr. zu den Göktürken. Nach deren Niedergang wanderten sie weiter nach Westen. Dabei wurden sie 889 n. Chr. von den Oghusen schliesslich über die Wolga getrieben. 896 n. Chr. verbündeten sie sich mit dem bulgarischen Zar Simeon I. und schlugen die Magyaren (Ungarn) in dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres vernichtend. Nach der Niederlage zogen die Magyaren Richtung Westen, wo sie sich im oberen Theissgebiet (heutiges Ungarn) niederliessen. Die Petschenegen führten im 10. Jahrhundert n. Chr. lange Kämpfe mit den Kiewer Rus-Fürsten und den an der Wolga lebenden Chasaren. So belagerten sie 968 n. Chr. Kiew und ermordeten 972 n. Chr. den Kiewer Grossfürsten Swjatoslaw, der von einem grossen und erfolglosen Feldzug gegen Byzanz zurückkehrte. Im Jahre 1036 n. Chr. wurden sie von Swjatoslaws Enkel Jaroslaw dem Weisen schwer geschlagen und flüchteten anschliessend bis über die Donau, wo sie nun mehrfach Byzanz bedrohten. Am Höhepunkt ihrer Macht (11. Jahrhundert n. Chr.) beherrschten sie das Gebiet zwischen Talas und Donau. König Stephan I. (Ungarn) besiegte sie 1003 und 1021 n. Chr., doch ab 106 n. Chr. setzten sie sich in der Walachei fest und fielen 1067/68 n. Chr. in Ungarn ein. Nach arabischen Berichten traten erste Petschenegen ab 1009 n. Chr. zum Islam über. 1068 n. Chr. brach ein verlustreicher Bürgerkrieg zwischen der muslimischen Minderheit unter den Petschenegen und der noch heidnisch gebliebenen Mehrheit aus, in dem die Muslime siegten und danach im Bündnis mit den Seldschuken Konstantinopel angriffen. Nach einer blutigen Niederlage 1091 n. Chr. am Levunion-Gebirge zogen sich die Petschenegen hinter die Donau zurück (Walachei) bzw. lösten sich allmählich auf.

Zweites Göktürkenreich

Die Rückgewinnung der türkischen Souveränität ab 682 n. Chr. kam nach mehreren Hürden zustande: chinesische Quellen berichten von mehreren Aufständen türkischer Stämme: von Überfällen und Plünderungen, die aber immer wieder erfolgreich niedergeschlagen werden konnten. Mit Kutluk trat ein türkischer Stammesführer hervor, der sich innerhalb seiner Föderation durchsetzen konnte. Die Tang (Nachfolger der Sui-Dynastie) waren mittlerweile geschwächt; die Tibeter hatten 670 n. Chr. das Tarim-Becken in ihre Gewalt gebracht und dabei den Chinesen schwere Niederlagen zugefügt; dynastische Streitigkeiten hatten begonnen. Kutluk Ilteris, einst Söldner in chinesischen Diensten, gründete nun das zweite Göktürkenreich, das als „Karluken-Herrschaft“ bezeichnet wird und in der westlichen Geschichtsschreibung als „Reich der Ilig-Khane“ bekannt wurde. Dieses neue Türkenreich kontrollierte nach zahlreichen Kriegszügen die Steppen von der Grossen Mauer bis zu den Aussenposten der seit 705 n. Chr. nach Transoxanien vorgedrungenen Araber (zwischen den Flüssen Amudaria und Syrdarja). Das Zentrum war die Gegend des Changai-Gebirges. Zwar musste Ilteris 681 n. Chr. eine herbe Niederlage gegen die Chinesen einstecken, doch seinem persönlichen Erfolg tat dies keinen Abbruch. Ab 682 n.Chr. begann er mit 16 verbündeten Stämmen die Göktürken zu vereinen. Einen Verbündeten hatte er in Tonyukuk, der dem verwandten „Aschite-Clan“ vorstand und den er zum obersten Befehlshaber seiner Truppen ernannte. Zwischen 683 und 687 n. Chr. unterwarf Ilteris die meisten Stämme des Ostreiches, nur der Tolu-Herrscher Hushile Khagan konnte sich mit einigen Stammesangehörigen nach China flüchten.

Als Ilteris 691 n. Chr. verstarb, wurde sein Bruder Bökö (er regierte 692 bis 716 n. Chr.) auf einer Kuriltai der Stämme zum Oberhaupt des Reiches ernannt und als „Kapagan Khan“ bezeichnet. Kapagan hatte unter anderem auch eine chinesische Erziehung genossen und war dementsprechend in China als „Moch’o“ bekannt. In seiner Regierungszeit gedieh das erneuerte Göktürkenreich noch einmal. Er stand dem Reich nur als Vormund seines Neffen Kül-Tegin vor, der damals sechs Jahre alt war. Nur so lässt sich erklären, das Kapagan nicht den Khagan-Titel annahm. Ihm unterstellten sich unter anderem die Stämme der Karluken und Oghusen freiwillig, und 699 n. Chr. war das Westreich wieder mit dem Ostreich vereinigt. Aber auch nichttürkische Völker wie die Kitan wurden unterworfen. Zwar führte Kapagan ein hartes Regiment über die Völker seines Reiches. So kam es erneut 711/12 n. Chr. zu Unruhen unter den Stämmen der Basmil und der On-Ok. Doch blühte nun im Göktürkenreich der Wohlstand. Im Kampf gegen die muslimischen Araber, die ab 705 n. Chr. Mittelasien überrannten, war er weniger erfolgreich, Kül-Tegin wurde bei Buchara blutig zurückgeschlagen. Um 715 n. Chr. kam es auch zum endgültigen politischen Bruch zwischen den beiden Türkenreichen. Unter der Führung der „Karachane“ sagte sich das Westreich erneut vom Ostreich los und ging nun eigene politische Wege. Ihr erster Anführer war Sulu Khan (er regierte 717 bis 734 n. Chr.), der erneut Kämpfe gegen die Araber führte. Auch begannen die Oghusen langsam westwärts zu wandern und sich im Gebiet des ursprünglich iranischsprachigen Turkestan niederzulassen, dass zum Herrschaftsbereich der On-Ok gehörte. Auf einer Strafexpedition gegen jene Stämme, die von den Tang-Chinesen gegen ihn aufgehetzt worden waren, verlor Kapagan sein Leben: 716 n. Chr. wurde er in der heutigen Mongolei, nördlich des Flusses Tula, von Angehörigen des Bayirqu-Stammes ermordet. Mit dem plötzlichen Tode Kapagans drohten neue Wirren. Besonders tat sich da Ilteris’ Sohn Kül-Tegin hervor. Fugiuy-bogiu Kuchuk-Khan erna konnte sich 716 n. Chr. zum Herrscher der Göktürken. Doch wurde auf einem Friedens-Kuriltai nicht er oder Kül-Tegin, sondern Kutluq Bilge-Kül (ein anderer Sohn Ilteris’) zum Khagan ausgerufen. Dieser holte sich jedoch Tonyukuk und Kül-Tegin als Berater an seine Seite, womit war der Frieden im Reich wieder formal hergestellt war (mit diesem Herrscher begann auch der eigentliche politische Aufstieg der späteren Uiguren). Kutluq Bilge-Kül veränderte erfolgreich die Kriegstechnik: Die erfolgreichste Kriegstruppe stellten die berittenen Bogenschützen. Die besten Schützen durften weiße Falkenfedern an ihren Helmen tragen. Entschlossen und hoch diszipliniert griffen sie in einer Pfeilformation ihre Gegner an. Dabei trugen sie Rüstungen aus hartem Leder oder aus Metall. Kutluq Bilge-Kül warb darüber hinaus anderen Völkerschaften Söldner ab, so dass in seinen Reihen sowohl Türken als auch Nichttürken wie Mongolen, Tanguten und zahlreiche Chinesen kämpften. Kutluq Bilge-Kül dehnte ab 717 n. Chr. den Machtbereich des Göktürkenreiches immer weiter aus: Er unterwarf nun alle Gebiete bis zum Syrdaria im Westen, im Osten reichte sein Machtbereich bis in die chinesische Provinz Shandong und im Süden bis Tibet. Auch die Stämme der Tula-Region konnte er schließlich unterwerfen, was seinen Vorgängern Idat und Kapagan nicht gelungen war.

Kutluq Bilge-Küls Reich umfasste nun die Gebiete vom Schwarzen Meer bis China und vom Altai bis zum Hindukusch. Es bestand also nicht nur aus Steppe, sondern auch aus Wüste. Der Rang des Khagan hatte sich nun verändert: Ursprünglich nur ein untergeordneter Führertitel (der weit unter dem alten Titel des „Shanyu“ beziehungsweise des „Tanhu“ stand), war er nun für die späten Göktürken ein Halbgott. Sein Zelt, die Jurte, bestand aus reich bestickter roter Seide. Im Sommer zog nun der Herrscher Kutluq Bilge-Kül mit seinem Hofgefolge in die üppigen Weidegebiete des Nordens und im Herbst wieder nach Süden. 731 n. Chr. verstarb Kül-Tegin, und so stieg Tonyukuk zum alleinigen Ratgeber Kutluq Bilge-Küls auf. Diese Tatsache ist in den Inschriften des Tonyukuk belegt. Doch war Kutluq Bilge-Kül kein langes Herrscherdasein beschieden, denn bereits 734 n.Chr. wurde er vergiftet. Noch auf dem Totenbett konnte er immerhin die Hinrichtung seiner Mörder und deren Anstifter miterleben. Es waren Angehörige des Basmil-Stammes, die dadurch in Ungnade fielen. Auf der Kuiltai setzten 734 n. Chr. die Anhänger Bilge-Küls die Wahl seines Sohnes Yiran durch. Doch dieser verstarb noch im selben Jahr, so dass dessen minderjähriger Sohn Bilge Kutluq-Tengri zum Herrscher bestimmt wurde. Als dessen Vormünder wurden ihm zwei seiner Onkel zur Seite gestellt, in deren Händen die wahre Macht lag. Der „linke Schad“, Il-Itmysch Bilge-Khan, herrschte über den Westen, der „rechte Schad“, Ozmysch Khan, über die Gebiete des Ostens; das Göktürkenreich drohte erneut in zwei unabhängige Teilreiche zu zerfallen.

Als 740 n. Chr. Tang-China die Herrschaft Tengris über die Osttürken anerkannt hatte, lud dessen Mutter Pofu Il-Itmysch Bilge, den „linken Schad“ der Westtürken, zu einer Kuriltai ein. Dort kaum eingetroffen, wurde dieser von der Leibgarde der Mutter ergriffen und enthauptet. Die Westtürken unterstellten sich darauf hin Tengri, der sich nun den Namen des „Oghus Khan“ zulegte. Doch dieser Verrat der Mutter brachte eine schreckliche Folge mit sich: Der andere Onkel, Ozmysch Khan, der „linke Schad“ der Ostgebiete, sah sich mit der Namensgebung Tengris in seiner Macht bedroht, griff daher 741 n. Chr. Tengri an und ermordete ihn.
Ozmysch Khan gedachte nun, die Nachfolge Tengris anzutreten. Unter dem Namen „Wusumischi“ nahm er den Khagan-Titel an, doch er war ein unbeliebter Herrscher. Vor allem die Stämme des Westens verabscheuten ihn, und die Basmil galten als dessen ärgsten Feinde. 744 n. Chr. einten die Karluken die Stämme der Basmil und Oghusen und griffen Ozmysch an. Dieser wurde bei den Kämpfen getötet, und mit seinem Tod ging das zweite Göktürkenreich zu Ende.

Bomei-Tegin Khan, der Bruder des 744 n. Chr. ermordeten Ozmysch Khagan, versuchte zwar noch als „Bomei Khagan“ die Macht im Ostreich an sich zu reissen, doch konnte er bereits 745 n. Chr. von Angehörigen der Uiguren ermordet werden. Karluken, Oghusen und Basmil gründeten nun auf dem Boden des Ostreiches das Uigurische Reich. Erster Herrscher aus dem „Uigurengeschlecht“ war der chinesische Söldner Gulipeiluo. Dieses Reich sollte von 745 bis 840 n. Chr. bestehen. Gulipeiluo nahm nun den Titel „Kutluq Bilge-Kül Khagan“ an und machte die Stadt Kara Balgasun am oberen Orchon, das alte Ordu Balyk und spätere Karakorum, zum Zentrum seines Reiches. Die Karluken hatten schliesslich in Kuz Ordu, dem heutigen Balgasun, ihren Hauptsitz.

Die
Karluken schufen als erstes türkisches Volk in der Geschichte eine einheitliche Amtssprache, die bis zum persischen Choresmienreich ausstrahlte und heute entweder als „Karluk-Choresmisch“ oder als „Karluk-Uigurisch“ bezeichnet wird.

-
mehr Informationen siehe Oghusen

Einfall der Araber

Zwischen den Jahren 661 und 750 n.Chr. wurden weite Teile des späteren Turkestans von den Arabern zum Islam bekehrt. Es bestanden aber zu dieser Zeit auch starke christliche und buddhistische Gemeinden in der Region. Ab dem 8. Jahrhundert n. Chr. stritten sich das Grossreich Persien und China offen um das Gebiet des späteren Turkestan. Schliesslich wurde das turkestanische Gebiet zwischen beiden Kontrahenten aufgeteilt: Chinas Einflussbereich erstreckte sich in der Region vom Tarim-Becken über den Balkaschsee bis zum Ostufer des Syrdarja. Die Gebiete westlich des Syrdarja bis zur Halbinsel Mangyschlak gehörten zum Einflussbereich des Persischen Reiches.

Mongolische Zeit

Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. standen weite Teile der turkestanischen Region unter iranischer Herrschaft der Choresmischen-Schahs. Seit 1220 n. Chr. gehörten die turkestanischen Gebiete zum mongolischen Grossreich Dschingis Khans. In diesem Gebiet wurde das mongolische Teilkhanat Tschagatai gegründet, das in der Osthälfte formal als Moghulistan bis 1510 n. Chr. bestand.

Im 15. Jahrhundert wurde Turkestan an der Grenze zwischen Altai-Tienschan-Pamir in zwei Hälften geteilt. Der Westteil Turkestans fiel an den iranisierten Mongolen Timur-Lenk, während der Ostteil nun unter einheimischen Dschingisniden verblieb. Der Westteil Turkestans blieb nun bis zur russischen Eroberung unter persischem Einfluss. Nach Ende der Timuridenzeit gelangte das gesamte Turkestan nochmals unter mongolische Herrschaft, als die Oiraten ihr kurzlebiges Reich begründeten.

Zeit der chinesischen und russischen Herrschaft

Doch ab 1500 n. Chr. entstanden auf den turkestanischen Gebieten das Khanat Chiwa, Buchara und das kirgisische Khanat Koksand. In der östlichen Hälfte wurden die Khanate Kaschgar, Tufan und Khotan gegründet. Im Jahr 1759 n. Chr. eroberte das Kaiserreich China diese Gebiete und dehnte seinen Einflussbereich bis zum Balkaschsee aus. Offiziell nannte China ab 1844 n. Chr. diese Gebiete „erneut zurückgekehrtes altes Territorium“, kurz Sinkiang (Xinjiang), „neues Land“. Das östliche Turkestan wurde am 11. November 1844 n. Chr. mit der benachbarten Dsungarei zur neuen Provinz Xinjiang zusammengefasst und der chinesischen Zivilverwaltung unterstellt. Das übrige nicht unter persischen und chinesischen Einfluss stehende Gebiet wurde noch im 18. Jahrhundert n. Chr. von kasachischen Nomaden in drei Stammesföderationen (sogenannte „Horden“) und einen Kasachen-Khanat sowie in der Bökei-Horde zusammengefasst. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts n. Chr. begann das russische Zarenreich, sich auf die zentralasiatischen Steppen auszudehnen, und die kasachischen Nomaden unterstellten sich freiwillig der russischen Herrschaft. Blutige Grenzkriege zwischen Russland und China drängten diese im Wesentlichen bis auf die heutigen Grenzen zurück. Lediglich die heutige Mongolei und Tuwa sowie die Mandschurei verblieben als Provinzen bei China. Allerdings standen diese Gebiete unter starkem russischem Einfluss und galten teilweise als russisches Protektorat.

Die unter chinesischer Oberhoheit lebenden Turkvölker empfanden sich als „eine unter Fremdherrschaft“ stehende unterdrückte Volksgruppe. Sie begannen zahlreiche Aufstände gegen die chinesische Herrschaft, bei denen sie vor allem durch Kasachen aus dem russischen Teil der Region unterstützt wurden. Auch spielten einige einflussreiche Derwischorden bei diesen Unruhen eine große Rolle. In den Jahren 1917 bis 1920 befand sich in der nördlichen Steppenzone Westturkestans der Herrschaftsbereich der Alasch Orda. Als die 1936 von den Sowjets geforderte Enteignung der kasachischen Viehnomanden durchgeführt werden sollte, floh ein großer Teil der Kasachen mit ihren Herden nach China (Provinz Sinkiang) und in die Mongolei (Tannu-Urianchai).


- Landkarte: um 1900 n. Chr.

  • Turkestan ist eine trockene Gebirgsregion in Zentralasien. Es erstreckt sich vom Kaspischen Meer im Westen bis zur Wüste Gobi im Osten. Erste grosse Kulturen entwickelten in diesem Gebiet die iranischen Völker, die in den Oasen sesshaft wurden und in der Folge zahlreiche Städte gründeten. Im 7. und 8. Jahrhundert wurde ein Grossteil des turkestanischen Gebiets von frühen Turkvölkern beherrscht. Heute leben im Gebiet Turkestans verschiedene Ethnien, von denen die turksprachigen inzwischen die Mehrheit bilden. In Turkestan sind heute Turkmenen, Uiguren, Usbeken, Karakalpaken, Kasachen, Kirgisen, Tataren, Aserbaidschaner, Karäim, Krimtürken, Turk-Mescheten und Türken wohnhaft. Aber auch Chinesen und Russen finden sich dort neben den alteingesessenen iranischen Völkern der Tadschiken, Perser und Afghanen. Teilweise sind diese Völker in gewissen Regionen noch als Urbevölkerung anzusehen. Die grossen Turkvölker der Region bilden inzwischen auf dem Gebiet eigene Turkstaaten.
Februar - July 2009 – Albi - Revidiert von Hermelinde Steiner - Februar 2012
PageTop