Face Music - Archaelogy - Eurasia & Central Asia


Archäologische Funde der Steppenkulturen - aus dem eurasischen und zentralasiatischen Raum




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P & C December 1998
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- last update 11-2014



Eisenzeit – 1200 bis 1000 v. Chr.

in German
Die Eisenzeit ist in der einfachen Gliederung des Dreiperiodensystems nach der Steinzeit und der Bronzezeit üblicherweise die dritte grosse, nach dem verwendeten Material zur Werkzeugherstellung benannte Periode der Ur- und Frühgeschichte. In dieser Zeit begann man, Eisen für Werkzeuge und Waffen zu verwenden. Auf die Eisenzeit folgen – je nach Kulturkreis – die Antike oder frühgeschichtliche Kultur.
Das Einsetzen schriftlicher Überlieferung definiert den Beginn der Frühgeschichte. So zählt der Anfang der Eisenverhüttung und -bear-beitung in manchen Regionen zur Urgeschichte (z. B. Mittel- und Nordeuropa) und in manchen zur Frühgeschichte (Mittelmeerraum, Vorderer Orient, China und Indien).

Die Hethiter (Kleinasien) kannten die Verarbeitung dieses Metalls zu einer Zeit, als es in anderen Regionen der Welt noch unbekannt war. Mit dem Ende des hethitischen Reiches endet auch das Monopol dieses Reiches auf die Verhüttung von Eisen, die dort seit dem 17. Jahrhundert v. Chr. belegt ist. Nach dem 12. Jahrhundert breitete sich diese Technik über den Vorderen Orient und den Mittelmeerraum aus.
- weitere Informationen zu den Stämmen siehe „Geschichte der Reiternomaden


Das Altai-Sayan Hochland und das Minusinsk Becken in Zentralasien grenzen an den eurasischen Steppengürtel, der von Nomadenstämmen besiedelt wurde. In dieser ebenen Landschaft mit Flüssen und grossen Weiden und einem kontinentalen Klima herrschten optimale Bedingungen für die Viehzucht. Seit Beginn der frühen Eisenzeit und der Bronzezeit haben Nomaden diese Steppen (Grasland), zwischen der Pannonischen Tiefebene in Ungarn (auch Pannonisches Becken oder Karpatenbecken genannt) und dem Gelben Meer (China), besiedelt (siehe Steppenkarte). Diese Steppenvölker hatten keine eigene Schrift, weshalb Informationen zu diesen Kulturen aus archäologischen Untersuchungen abgeleitet werden müssen.

Ende des ersten Jahrtausends v. Chr. haben Veränderungen in einheitlichen Bestattungsformen stattgefunden, die wahrscheinlich auf Zuwanderungen aus anderen Kulturen zurückzuführen sind. Aufgrund archäologischer und anthropologischer Daten hatte eine kulturelle und ethnische Vermischung stattgefunden. Zuwanderungen in den mittleren Jenissei Raum (Minusinsk Becken und heutiges Tuwa) haben neue Formen in Kleidung, Schmuck und Werkzeug gebracht. Vermutlich sind Stämme aus dem Westen in den damaligen Siedlungsraum der Hsiung-nu und Ruan Ruan (1) eingedrungen. Es ist möglich, dass diese neuen Stämme vom Süden einbrachen und Stämme, die seit langem dort siedelten, unterwandert haben. Es treten erstmals Kollektivbestattungen in Erscheinung. Ein aus der späten Tagar Kultur (2) entdeckter Friedhof enthielt mehr als 100 Skelette in derselben Grube, von denen viele unvollständig waren, aber alle gleichzeitig bestattet worden sein müssen (Massengrab). In Ausgrabungen wurden Leichenbearbeitungen entdeckt, in denen getrennte Teile nachträglich begraben wurden. Es wurden eine Art von Schädeltrepanationen (Schädelöffnungen) gefunden, die der späten Tagar Kultur am Kysyl-Kul aus dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. zugeordnet werden können. Grosse Löcher im Scheitelbein in Schädeln deuten auf eine Manipulation hin, die wahrscheinlich nach dem Tod vorgenommen wurde. Nachträglich wurden im Gehirn Weichteile entfernt - in Verbindung mit einer Form von Totenmaskenherstellung. Solche "trepanierte" Schädel (Schädelöffnungen) wurden mit Lehm gefüllt, anschliessend mit Gips beschichtet und wieder bedeckt. Rituale solcher Trepanationen waren im zentralasiatischen Raum verbreiteter Kult. Vielleicht waren gemeinsame spirituelle Überzeugungen und Ritualpraktiken für solche Kulte Ende des ersten Jahrtausends v. Chr. charakteristisch. Es scheint wahrscheinlich, dass die Stämme, die solche Riten praktiziert haben, einem gleichen genetischen Ursprung entstammen - wie in Grabbeigaben, Leichen und Schädeltrepanationen gefunden wurde. Solche uralten Bräuche haben zumindest einen Bezug zur Bronzezeit gehabt und reichen bis in die eurasischen Steppen hinein, in denen gleiche rituelle Verhalten in Bestattungen vorkamen, wo man solche Schädeltrepanationen mit Weichteilentfernung, Totenmaskenherstellung und Trennung von Körperteilen praktiziert hatte. Es ist durchaus möglich, dass ähnliche Weltbildvorstellungen und die Idee des Weiterlebens nach dem Tod solche Begräbnistraditionen in den Steppen förderten. Wie in südlichen und westlichen Regionen in Sibirien gefunden wurde, waren in der nordwestlichen Mongolei und in Zentralkasachstan offensichtlich Beziehungen bis ins Minusinsk Becken vorhanden, wo eine solche einzigartige Begräbnistechnik schon sehr früh praktiziert worden war, einschliesslich einer Trepanation von Schädeln mit Gipsmaskenherstellung und Einbalsamierung, wie dies heute noch teilweise in Kulturen in Urstämmen weiterlebt. Man denkt nicht, dass solche Praktiken aus medizinischen Gründen entstanden sind.
  • (1) Rouran (Ruan Ruan – Juan Juan – Quryqan)
    Vergleichbare vorgeschichtliche Funde, die um den Baikalsee zutage kamen, können wahrscheinlich den Vorfahren der Jakuten zugeschrieben werden, den Quryqan (Ruan Ruan – Juan Juan), die zeitgleich mit den Hsiung-nu im Altai siedelten.
  • (2) Tagar cultur vom 9. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr.
  • Hsiung-nu - Xiongnu: vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n. Chr.

    - weitere Informationen zu den Stämmen siehe „Geschichte der Reiternomaden


Aus Knochen von menschlichen Schädeln wurden Amulette hergestellt, wie aus Funden im Nordwesten der Mongolei, in Tuwa, Zentralkasachstan und rund um den Altai ersichtlich ist. Schädeltrepanationen waren damals üblich und wurden praktiziert. Eine weit verbreitete Tradition innerhalb von Nomadengemeinschaften ist der Totenkult mit Grabbeigaben. Es entstand eine materielle Beziehung der Nachkommen zu Verstorbenen (Ahnenkult). Teile des Schädeldaches wurden zu Amuletten verarbeitet und zum Andenken ihrer Verstorbenen getragen oder anderweitig in Gedenken der Toten aufbewahrt. Dies war primär ein Ritual von hoher Bedeutung, wo Schädel im Zusammenhang mit Ahnenkult ebenfalls verwurzelt waren, wo eine Tradition mit Totenmasken, Einbalsamierung und Mumifizierung praktiziert wurde. Schädel dienten für Rituale solcher Totenkulte oder zur Einschüchterung besiegter Feinde. Ebenfalls waren Enthauptungen und anschliessend Totenschädelrepräsentationen Beweis eines Sieges über den Feind. Solche Trepanationen wurden in der Saglynskaya Kultur in Tuwa und in der Pazyryk Kultur (1) im Hochaltai gefunden und können zweifellos als eine Sequenz in Ritualen mit Einbalsamierung interpretiert werden. Die im mongolischen Ulaangom trepanierten Schädel und Beispiele aus Zentral-Kasachstan waren entweder intravital (an Lebenden) oder postmortal (an Toten) vorgenommen worden. Das Schmücken von präparierten Schädeln war auch eine beliebte Grabbeigabe, wie Funde im Alten Orient, in der Ukraine und in Kalmükien (am Kaspischen Meer) aufzeigen. Methoden solcher Trepanationen waren Schaben, Stechen, Bohren oder Schneiden von rechteckigen kreuzenden Einschnitten. Die Schabetechnik war wohl eine der häufigsten Methoden und wurde bereits im alten Ägypten bis zur Renaissance in Italien praktiziert. Die Bohr- und Schneide-Technik hat man in Peru gefunden. Eine Methode, bei der vier gerade Schnitte gemacht wurden, war auch in der Jungsteinzeit in Frankreich, in der Eisenzeit im Raum Palästinas und Afrikas bekannt und ist derzeit noch in Kenia aktuell. Celesius hat solche Schädelbearbeitungen aus römischer Zeit beschrieben. Man hat diese Technik von den Arabern übernommen, wobei sie sich bis ins hohe Mittelalter zum Standard entwickelten.. (siehe Schädel 1 + 2).
  • (1) Pazyryk Kultur vom 6. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr.

Eine Verarbeitung und Mumifizierung der Toten scheint ein weit verbreitetes Phänomen in Südsibirien während der späten Vorgeschichte zu sein. Mumifizierte Leichen wurden in Bestattungen in der Pazyryk Kultur des Hochaltai gefunden. Beweise für Bestattungen aus der letzten Phase der Tagar Kultur und im Minusinsk Becken sind als solche identifiziert worden. Verschiedene Formen einer Mumifizierung mit Praktiken einer sekundären Bestattung in Südsibirien und in einer späteren Phase der Skythenzeit wurden praktiziert. Der Begriff Skythen World wurde von einer Gruppe von Archäologen geprägt, womit Kulturen aus dem 7. bis 2. Jahrhundert v. Chr. bezeichnet wurden; dabei handelt es sich um Stämme, die sich vorwiegend in Steppen, Wald-Steppen, auf Hügeln und in Bergtälern aufhielten. Bei Funden in der Ukraine, Sibirien, Zentralkasachstan, in der Mongolei und im nördlichen Teil von China hat man ähnliche Grubenkonstruktionen mit Grabbeigaben entdeckt.
  • Skythen – (Saken - Sauromaten - Massageten): vom 8. bis 3. Jahrhunder n. Chr.

    - weitere Informationen zu den Stämmen siehe „Geschichte der Reiternomaden

Die Kultur einer solchen skythischen Welt ist auch die Uyuk Kultur in Tuwa, nach dem Uyuk Fluss benannt, wo erste wissenschaftliche Ausgrabungen in Grabhügeln ausgewertet wurden, auf dem Weg zwischen Abakan und Kyzil. Kunsthandwerke aus dieser Skythenzeit in Grabstätten zeigen, dass hier in dieser Hochland-Steppe eine Weidewirtschaft auf einer semi-nomadischen Basis mit Winter- und Sommerweiden praktiziert wurde (Alpenwirtschaft). Die Lebensgrundlagen wurden mit Jagen und Sammeln ergänzt. Eine wichtige Rolle hat der Kampf (Krieg) innerhalb von Gemeinschaften gespielt, wie eine grosse Vielfalt von Waffen als Grabbeigabe verrät. Die Uyuk Kultur wurde von zwei anderen Kulturen aus dieser Skythenepoche, die Pazyryk Kultur im Westen und die Tagar Kultur im Norden, begleitet. Diese Gräberfelder wurden von Stämmen, die hier siedelten, über mehrere Generationen genutzt. Erste Bestattungen stammen aus der Bronzezeit, während neuere Bestattungen bis ins 18. Jahrhundert n. Chr. datiert werden können. Eine Mehrzahl der Bestattungen gehören einer skythischen Zeit an, ihr grösster Anteil stammt aus dem 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. Funde können einer Hunno-Sarmatischen Zeit im 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. zugeordnet werden. Mumifizierte Leichen wurden in Bestattungen in der Uyuk Kultur, der Pazyryk Kultur im Hochaltai und der Tagar Kultur im Minusinsk Becken gefunden. Die Archäologen haben diese der Skythischen Kultur (Epoche) zugeordnet. Dabei handelt es sich um eine Kultur, die der eurasischen Steppen- und halbnomaden Kultur ähnlich war, in spirituellen Weltanschauungen und wirtschaftlichen Praktiken (Viehzucht und Ackerbau). In dieser skythischen Welt waren Waffen, Pferdegeschirr und Kunsthandwerk im „Animal Style“ (1) (Tierstil) geprägt. Andere Komponenten wie Behausung, Bestattung, Keramik, Gegenstände des täglichen Gebrauchs und Schmuck zeigten unwesentliche Unterschiede. Folglich darf man nicht von einer einzigen skythischen Kultur reden, sondern man muss sich Unterschiede vorstellen, da eine Verwandtschaft zu den „eurasischen“ Stämmen gegeben war. Benachbarte Stämme waren ebenfalls in ähnliche materielle und spirituelle Weltanschauungen eingebunden, hatten aber eine regionale Originalität beibehalten. Man sollte hier eher von einer skythischen Epoche sprechen. Diese Stämme siedelten in dieser eurasischen Steppenzone in einer relativ eintönigen und waldlosen Landschaft, deren ökologischen Grundlagen sich glichen, sei es in den entfernten Steppen in Ungarn im Westen oder den Ebenen in der Mongolei im Osten. Dieses Grasland hatte seine Grenzen im Norden zu den osteuropäischen Wäldern und der sibirischen Taiga. Weiter östlich grenzten diese Steppen an das Kaspische Meer, den Aral-See und an die Kasachische Sandwüste. Eine südöstliche Grenze bildeten der Pamir und das Altai-Sayan Gebirge. Darüber hinaus war diese skythische Welt nicht ein zentralasiatischer Staat sondern vielmehr eine lose Konföderation von nomadisierenden Stämmen und deren Clans.
- (1) mehr Informationen zum Animal-Style (Tierstil) und Motive des frühen Schamanismus und zu Felszeichnungen und Motive des frühen Schamanismus
  • Hsiung-nu – Xiongnu – 3. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n. Chr.
  • Skythen (Saken – Sauromatem – Massageten): 8. bis 3. Jahrhundert v. Chr.
  • Tagar Kultur vom 9. bis 6. Jahrhundert v. Chr.
  • Pazyryk Kultur vom 6. bis 2. Jahrhundert v. Chr.
  • Hunno-Sarmaten Periode (Tashtyk): 1. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.
  • Sarmaten – Sauromaten: 6. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n. Chr.

    - weitere Informationen zu den Stämmen siehe „Geschichte der Reiternomaden

In dieser Zeit erscheinen auch andere Stämme, die dieser skythischen Epoche angehören, Saka genannt, die unterschiedlicher genetischer Herkunft sind und seit der Bronzezeit diese weiten eurasischen Steppen bewohnten. Sie siedelten vorab in der Wolga-Ural-Region und in den Halbwüsten im Süden zum Aralsee. Sie sprachen eine Indo-iranische Sprache und haben in der Steppenzone einen starken Einfluss ausgeübt. Ihre Stämme betrieben eine gemischte Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht. Sie haben sich mit Jagen, Sammeln und Angeln zusätzlich ernährt, Haustiere gezüchtet und Pflanzen gesetzt, die mit einfachen Bewässerungsanlagen unterhalten wurden. Viehzucht und Ackerbau waren in diesem Zeitraum die wichtigste Volkswirtschaft. Ähnlichkeiten zwischen einer materiellen und spirituellen Weltanschauung konnten beobachtet werden. Aufgrund vergleichbarer ökologischer Bedingungen mit anderen Regionen war ihr Standort wirtschaftlich sehr fortschrittlich entwickelt. Dank günstiger topographischer Gegebenheiten, ohne starke Hindernisse, was eine direkte Interaktion zwischen benachbarten Stämmen förderte.
Aus der Bronzezeit wurden Werkzeug, Arbeitsgerät und dekorativ verarbeitete Objekte aus Stein, Knochen, Holz und Bronze gefunden, die Formen gleichend dem Animal Style. Diese Objekte dienten in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends v. Chr. der Steppenbevölkerung für eine traditionellen Lebensform und ökologische Grundlage. Bestimmte Elemente einer materiellen Kultur, die für Steppenbewohner damals charakteristisch war. Ähnlichkeiten in Funden aus verschiedenen Regionen in Grabstätten, wie im Gebirgsrand um den Kaukasus, in südlichen Gebieten der Republik Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan, veranlasste eine Reihe von Archäologen und Anthropologen, eine Migrationstheorie zu bekräftigen: ein Auftreten von langen Wanderungen Richtung Süden von Menschen aus den eurasischen Steppen, Zentralasien, Nordindien und der iranischen Hochebene im späten zweiten Jahrtausend v. Chr. Früheste Funde von Pferdegeschirr aus dieser Zeit zeigen, dass zumindest in der späten Bronzezeit die Steppenbewohner das Reiten praktizierten und somit beträchtliche Entfernungen durchlaufen konnten. Die Bevölkerung war auf nomadisches Leben mit Herdenwanderungen im 8. bis 7. Jahrhundert v. Chr. spezialisiert.
Bestattungen auf dem Friedhof (Gräberfelder) von Aymyrlyg in Tuwa, Süd-Sibirien, zeigen deutlich Schnittmarken in Skelettresten als Folge einer Praxis von Entfleischungen (Entfernung von Weichteilen, Organen etc.) und Zerstückelungen in Überresten von Skeletten, die wohl in keinem Zusammenhang mit dem Konsum von Leichen stehen dürfen (kein Kannibalismus). Die Verarbeitung und Mumifizierung der Toten scheint ein weit verbreitetes Phänomen im südsibirischen Raum gewesen zu sein. Man vermutet, dass der Brauch mit einer Tradition mit dem Beginn des Baues von Grabkammern entstand, die eine Mumifizierung erforderlich machten, um den Körper während der Bauzeit des Gewölbes in seiner Form mit einer Konservierung zu erhalten. Sobald das Gehirn und Weichteile entfernt waren, wurden der Schädel und der Körper der Leiche mit Erde, Tannennadeln und Lärchenzapfen gefüllt.
In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurden Leichen durch Puppen ersetzt, die mit Gras gefüllt waren und die man auch bekleidet hatte. In einigen Fällen wurden diese Leichendarstellungen mit chinesischer Seide bestickt. Der Kopf war aus Leder, mit einer Totenmaske aufgesetzt, die auf der Oberfläche bemalt wurde. Der Leichenbrand des Verstorbenen wurde in die Puppe eingelegt. Die Korjaken (1) in Sibirien haben eine Puppe des Toten aus getrocknetem Gras gefertigt, die an der Stelle des Verstorbenen in das Haus gestellt wurde. Das Ziel war, die Kala (einen bösen Geist) zu besänftigen, um die Seele bei der Wanderung nicht zu behindern. Ein ähnlicher Brauch war bei den Samojeden (2) und Ostjaken (Chanten – 3) vorhanden, wo die Frau eine Figur (Puppe) herstellte, aus Teilen des Bootes, den Skiern etc., die dem Toten gehörten. Die Figur wurde bekleidet und geschmückt, wie auch Verstorbene. Puppen wurden so behandelt und sechs Monate lang nach dessen Tod aufbewahrt. Die Jakuten kannten solche Puppen (4), in denen Geister gefangen gehalten wurden oder Seelen von Verstorbenen wohnen.
  • (1) Vor Ankunft der Russen lebten die Korjaken in patriarchal strukturierten Grossfamilien. Es gab sowohl nomadische, rentierzüchtende Gruppen als auch sesshafte Gruppen, die von der Jagd und vom Walfang lebten. Sie sind ein Volk auf der Halbinsel Kamtschatka im äussersten Osten Russlands.
  • (2) Der Begriff Samojedische Völker (Samodi-Völker, Samojeden, Samojadj) fasst jene Völker, Bevölkerungen oder Menschengruppen zusammen, die in der Geschichte und in der Gegenwart samojedische Sprachen verwendeten. Fasst man sie mit den sprachlich verwandten Finno-ugrischen Völkern zusammen, so ist auch von Uralischen Völkern oder der Uralischen Völkerfamilie die Rede. Zu den samojedischen Völkern gehören Nenzen (Jurak-Samojeden, Juraken), Enzen, Nganasanen (Tawgi-Samojeden), Selkupen. Letztere bilden den Rest der Süd-Samojeden, die bis ins 19. Jahrhundert in Teilen Mittel- und Süd-Sibiriens lebten. Auch Teile der Vorfahren der Kamassiner und anderer sibirischer Turkvölker waren mit den Samojeden verwandt. Eine im 19. Jahrhundert ausgestorbene samojedische Ethnie waren die Matoren (Motoren). Die Nenzen leben auf der Halbinsel Jamal und im Nordosten im europäischen Russland. Zu den Nganasanen oder Tawgi- und Awam Samojeden gehören nur etwa tausend Menschen. Sie leben zwischen dem unteren Jenissei und der Chatangabucht auf der Taimyrhalbinsel.
  • (3) Die finno-ugrische Ethnie der Chanten (alter Name „Ostjaken“) spricht eine zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen gehörende ugrische Sprache, das in vier Dialekte unterteilte Chantische. Gemeinsam mit den Mansen werden sie als Ob-Ugrier bezeichnet und bilden die indigene Bevölkerung ihrer Region. Sprachlich sind sie die nächsten lebenden Verwandten der Ungaren. Die ursprünglichen Pferdezüchter vom oberen Irtysch wurden zu Jägern und Rentierzüchtern und kamen im 11. Jahrhundert mit Russen in Kontakt. Im 16. Jahrhundert kamen sie unter russische Herrschaft. Erst im 18. Jahrhundert setzte die Chantianisierung der Chanten ein. Ihre kulturelle Existenz ist durch die Ölindustrie des Gebietes bedroht..

    - mehr Informationen zu den Sämi siehe unter Fenno-Skandinavien oder Fennoskandinavien (Lappland)

    - mehr Informationen zu den Indigenen Völker Sibiriens - siehe Karte: "Indigenous People of Siberia"
    - Arbeit zu den Ureinwohnern, kleine Völker Sibiriens folgt – zur Zeit in Arbeit!

  • (4) Auch im Menschen leben zwei Geister (Seelen), der eine davon bewirkt die physischen Vorgänge, der andere die psychischen. Letzterer verwandelt sich nach dem Tode in den Geist des Todes. Um sich vor seinen Nachstellungen zu sichern, schnitzt man aus Holz menschenähnliche Figuren, in die der Schamane die Totenseele hinein zaubert, und verpackt sie in ein Birkenrindentäschchen. Man hängt dieses sodann in einer Ecke des Hauses auf und bringt ihnen Opfer dar. Auch die Figur einer ehemaligen Schamanin „Makyny-Kysa-Tynyraxtax Kägäi“, die seit ihrem Tode die Rolle einer Art Furie spielt, wird häufig dargestellt. Man schnitzt sie in Holz und bekleidet sie mit Pelz. Wenn auch der Schamane ihren Geist in diese Puppe gebannt hat, so bleibt es doch gefährlich, dieses Idol zu berühren, das man nach Norden gerichtet auf den Balken über den Kamin zu stellen pflegt. Es könnte plötzlich der Zorn dieses Wesens, das man nun nicht bei seinem Namen nennen darf, dieser Puppe „Kys-Tangara“, „jungfräuliche Göttin“, ausbrechen und Unheil verrichten. Über den Geist, der in jedem Ding steckt, erzählen sich die Jakuten ferner, dass er sich im Schatten zeigt, den er wirft.

    - weitere Informationen zum Schamanismus –
    Schamanismus (Tengerismus) in der Mongolei
    - weitere Informationen zum Schamanismus – Religion der Urvölker Sibiriens

    - weitere Informationen unter: Ornamente der Jakuten


In chinesischen Chroniken wird beschrieben, dass die Türken im 6. bis 8. Jahrhundert n. Chr. saisonale Bestattungen praktizierten. Da man die im Frühjahr oder Sommer Verstorbenen erst im Herbst in Friedhöfen beisetzte, sobald sich die Blätter an Bäumen und Pflanzen gelb färbten und zu fallen begannen. Herbst wird auch mit „fallen“ bezeichnet. Man hat Verstorbene mit dem Sterben in der Natur endgültig begraben. Wer im Spätherbst, Winter, oder wenn die Blätter sich zu öffnen beginnen, "starb“, musste bis zum nächsten Herbst warten. Leichen von Personen, die während des Winters starben, wurden vorübergehend zur Konservierung im Schnee begraben, ohne eine künstliche Verarbeitung; wobei sie hier relativ im nicht zersetzten und noch intakten Zustand begraben waren und so aufbewahrt wurden. Eine Verarbeitung der Leichen wurde jedoch im Frühjahr vorgenommen und auch derer, die im späteren Frühjahr bis zum Frühherbst starben. In diesen Berggebieten war es erforderlich, Leichen zwischenzeitlich bis zu deren endgültigen Beerdigung zu präparieren, um diese vor einer natürlichen Zersetzung bei dieser sommerlichen Hitze zu bewahren. Es entwickelte sich eine Bearbeitung mit der Entfernung von Weichteilen und Zerstückelung von Leichen, um diese sicher in einem Tuch, Sack oder Lederbeutel aufzubewahren, bis zur endgültigen Bestattung, wenn die Gruppen im Herbst zur Überwinterung zum wichtigsten Stammesfriedhof Aymyrlyg zurückkehrten.
Die Aufbewahrung und Erhaltung der zerlegten Körper und Knochen vor deren endgültigen Beerdigung hatte auch die folgende Bedeutung, Leichen von Stammesangehörigen in deren angestammten Gräbern zu den Seelen der Ahnen beizusetzen. Hier spielte vielleicht die spirituelle, religiöse Tradition eine bedeutende Rolle, wo dieser Kult während der skythischen Periode praktiziert wurde, im Gedanken einer Erhaltung der menschlichen Form für ein Überleben nach deren Tod. Dies erzählten Nachkommen, wie in ethnographischen Berichten notiert wurde, von Stämmen in der östlichen Taiga, wo ein Glaube vorhanden war, dass zwei Seelen im Menschen leben und dass eine Seele im Skelett bleibt. Diese Vorstellung begründet solche Bestattungspraktiken, um die Seele des Verstorbenen in dessen Leiche zu bewahren. Diese Beschreibungen galten zur skythischen Zeit und hatten eine direkte Parallele zu frühen Phasen für eine Mumifizierung der Leichen im Minusinsker Becken geführt. Es ist also wahrscheinlich, dass die Praxis der sekundären Bestattung und Mumifizierung, die für alle semi-nomadische Stämme der südlichen sibirischen Regionen galt, zumindest während der skythischen Epoche angewandt wurde. Diese Praxis hatte in der nachfolgenden Hunno-Sarmatischen Zeit (Tashtyk) keine Bedeutung mehr.
Beschreibungen in griechischen Quellen betreffend Nomadenstämme haben ergeben, dass an der unteren Wolga und dem südlichen Ural im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. Sauromaten siedelten. Ebenfalls in der Nähe des Schwarzen und des Asowschen Meers, auch am unteren Don nach einer Invasion von Stämmen der Sarmaten. Als Sauromaten wurden verschiedene ethnische Gruppen bezeichnet, Nachkommen von Steppennomaden aus der Bronzezeit, die mit Planwagen und Herden im wesentlichen Raum siedelten. Sie bewohnten die östlichen Steppen des Don und des linken Ufers der Wolga und im südlichen Ural im 8. bis 7. Jahrhundert v. Chr. In archäologischen Funden an der unteren Wolga und dem südlichen Ural wurden Grabbeilagen mit Kunsthandwerk, Keramik, Pfeilspitzen, Dolchen und Schwertern (1) gefunden. Diese zeigen, dass diese nicht als eine einzige Kultur aufgefasst werden darf, da solche nomadische Grabstätten am Don bis zum Ural als sauromatische Kultur in Aufzeichnungen beschrieben wurden. Man war vorerst davon ausgegangen, dass die Sarmaten von den Sauromaten abstammen. Funde datiert vom 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. in der unteren Wolga und dem südlichen Ural wurden bisher einer Sarmatischen Kulturperiode zugeordnet und unterschieden sich von einer skythischen Kultur im eurasischen Steppenraum (der Saka aus dem Aralsee Raum) kaum, nur in lokalen Varianten (Ursprung). Die Völker des Nordens haben schwere Köcher hergestellt, während die südlichen leichte und elegante dreilappige Pfeilspitzen verwendeten. Typisch für die erste Gruppe sind die diametralen schweren Pfeilspitzen mit Stiften, die nicht in der unteren Wolga gefunden wurden. Eine Lokalisierung von mobilen Opfertischen aus Stein und den massiven Pfeilspitzen bestätigt eine Existenz eines autonomen Samara-Ural Siedlungsraumes mit Kunsthandwerk im Animal Style. Das Feuerritual in Leichenhallen (Friedhöfen) war in beiden Regionen charakteristisch. Eine Ausrichtung der Verstorbenen im Grab war die Rückenlage, mit dem Kopf nach Westen gerichtet. Die Bestattungsstrukturen von mehreren Hügeln im Süden sind einzigartig. Sie haben Kammergräber aus Holz mit runden oder rechteckigen Konstruktionen unterhalb von Hügeln, die Spuren eines Leichenschmauses auf dem alten Boden oder in den Dromos (Korridor zur Leichenhalle) erkennen liessen. Manchmal war ein Reitpferd oder Wächter beigesetzt, die den Verstorbenen begleiteten. Begräbnisse waren kollektiv (Massengrab) und wurden manchmal mehrmals verwendet. Erdhügel waren charakteristisch, obwohl einige teilweise aus Stein gebaut waren. Die südlichen im Ural gefunden Bestattungen hatten Pferde- sowie Schafknochen als Grabbeilagen, während in der unteren Wolga Schafknochen verbreiteter waren. Alle Keramiktypen sind mit flachem Boden. Der Ton der Töpfe an der unteren Wolga war gröber. Fast alle Töpfe sind einseitig, oft asymmetrisch mit unebenen Rändern und Böden. Sie haben dicke Wände und besonders schwere massive Böden. Kombinationen von verschiedenen Ornamenten auf einem einzigen Topf waren eher selten. Die beliebtesten Formen sind einfache Fingernagelornamente. Im südlichen Ural können zwei Gruppen von Töpfen erkannt werden. Töpfe mit Rundboden stellen die erste Gruppe dar. Diese wurden selten in der skythischen Zeitperiode (6. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) gefunden, weil ein Rundboden-Gefäss ein Zeichen der anschliessenden Frühsarmatischen Keramik im südlichen Ural darstellte. Das gleiche Ornament wurde nicht auf dem südlichen Ural-Typ gefunden, wie solche in der unteren Wolga-Region. Damit wird bestätigt, dass die Keramik aus dem Ural einzigartig in ihrer Ornamentik war. Einfachere Ornamentik prägten die Wolga Keramikgefässe mit Nagelabdrücken, Fingern etc., mit einfachen Mustern verziert. Die Ural-Töpferei kannte bereits eine vielfältigere Form, und sie sind aufwändiger verziert. Deren Muster sind gestempelt mit Fischgrät-Muster, gepressten U-förmigen Motiven, Bögen und Dreiecke und ungleichmässig verschlungenen geometrischen Figuren. Pfeilspitzen waren schmaler und länger. Solche Änderungen in einer Ornamentik können durchwegs durch eine Wanderung in den Westen zwischen dem südlichen Ural bis zur unteren Wolga ausgelöst worden sein. Schwerter mit zoomorphen Motiven mit tierähnlichen oder Greifvogelkopfpaaren am Knauf wurden gefunden (Knauf dient als Abschluss des Schwertes; er hält Griff und Klinge zusammen); weiters Schwerter mit Pferdeköpfen mit Gussornamentik, in denen zwei gegenüberliegende Raubvögel mit Spiralschnäbel einen Griff bilden. Schwerter und Dolche waren in zwei Arten vertreten. Eine grössere Reihe von Schwertern gehörte zur Gruppe, die in der europäischen skythischen Kultur verwendet wurde. Sie waren auch sehr beliebt im südlichen Ural, doch aber nicht so weit verbreitet, wie Funde in der unteren Wolga zeigten. Sie zeigen sich analog zu zahlreichen Schwertern und Dolchen, die in Sibirien und Zentralasien gefunden wurden. Eine andere Art von Schwertern aus dem südlichen Ural hat charakteristische Eigenschaften, die in Regionen im Osten vorkamen und nicht in der unteren Wolga Region zu finden waren. Tierähnliche Motive waren nicht in der unteren Wolga und dem südlichen Ural vorhanden. Markante Merkmale der Motive der unteren Wolga in der Ornamentik waren komplizierte geometrische Muster in Verbindung mit zoomorphen Darstellungen. Das Bild von einem Wolf war im südlichen Ural am meisten verbreitet, wo eine dekorative Kunst mit Einfachheit der Technik und grösseren und weniger komplizierten Konstruktionen vorkamen, wobei die Einheit der Oberflächengestaltung und Ausdruckskraft mit Konturen gekennzeichnet war. Während an der unteren Wolga bevorzugt eine Keilschnitzerei gegeben war, sind im südlichen Ural Kunstobjekte in gegossener Bronze kennzeichnend (siehe Zeichnungen – 1).
Kurgane waren nicht nur funktionierende Friedhöfe (Leichenhallen), sondern sie hatten auch komplexe architektonische Strukturen, in denen künstlerische und kosmologische Ideen einer Gesellschaft widerspiegelten. Es war eine Vielfalt an Konstruktionen und inneren Ausstattungen mit Grabbeigaben dieser Bewohner in den Steppen und Waldsteppenzone zu erkennen. Dies könnte darauf hinweisen, dass auch Nomaden solide Winterhäuser an geschützten Orten hatten, wo das Wetter weniger starken Einfluss bewirkte. Archäologen, die auf solche eurasischen Kurgane innerhalb der Eisenzeit gestossen sind, haben herausgefunden, dass grosse Kurgane meist auf höheren Punkten in der Landschaft auf Hügeln gebaut wurden und weithin sichtbar waren. Dieses System von Standorten könnte eine Rolle gespielt und als Markierungspunkte und Orientierung für Nomadenstämme gedient haben.
Die Kasachen und Kirgisen begruben ihre Toten nur in der Nähe ihrer Winterweiden. Die Tuviner begruben ihre Verstorbenen im Bereich von mystischen Orten, denn sie glaubten an eine traditionell verwurzelte Seelenwanderung (Weiterleben nach dem Tode). Daher wurden Clanmitglieder nur in eigenen Friedhöfen, die (im Winter oder Sommer) innerhalb der Clangebiete gebaut wurden, begraben. Im südlichen Ural weisen Denkmäler oder Grabstätten auf eine unterschiedliche spirituelle Orientierung hin. Ein Denken an Sicherheit muss von den ostsibirischen Völkern übernommen worden sein. Bilder mit kämpfenden Tieren mit langen Nasen und freiliegenden Zähnen repräsentieren ein Wolfsmotiv in seiner detaillierten Darstellung, die im gesamten Asienraum dominierend war. Steinplatten zur Kennzeichnung von Gräbern war eine Besonderheit im südlichen Ural, sie sind 3-4 Meter hoch mit zoomorphen Darstellungen (Götter in Tierform). Zeichnungen mit wilden Bergziegen (Argali) im südlichen Ural sind jenen ähnlich, die im zentraleurasischen Raum in der Minusinsk Steppe (Minusinsk Becken) gefunden wurden. Leichenhallenrituale hatten offenbar grossen Einfluss und ihren Ursprung im Osten. Ähnliche diagonal radial ausgerichtete Holzkonstruktionen auf Hügeln wurden südlich des Aralsees und in der westlichen Mongolei gefunden: eine Reihe von birnenförmigen Keramikgefässen mit einem sanft geschwungenem Profil und einem abgerundeten Boden. Auch Behälter mit einem zylindrischen Auslauf sind beobachtet worden. Grabbeigaben und Begräbnisstätten glichen sich in den östlichen und südlichen Seiten im Altaigebirge. Im Issyk Kul Kurgan in Kasachstan und den Pazyryk Kurganen im hohen Altai wurden Pfeilspitzen mit Haken gefunden; diese waren charakteristisch für die östlichen Stämme, sie waren auch typisch im Ural. Diese Spitzen waren in Bronze und Eisen gegossen. In Kasachstan, dem Altai und im südlichen Sibirien waren runde Gürtelschnallen mit rechteckigen oder trapezförmigen Rahmen und einem starren Hakenverschluss überwiegend. Schnallen mit zoomorphen Darstellungen in der gleichen Art waren in Grabkammern dieser Regionen charakteristisch. Unter dem Kunsthandwerk im südlichen Ural sind eine Reihe solcher Verschlüsse mit zoomorphen Darstellungen gefunden worden: Wie ein stehendes Kamel, zwei kämpfende Kamele, eine Kampfszenen mit Raubtieren (ein Raubtier reisst ein anderes Tier auseinander) und heraldische Schildkröten und Greifen.

  • Die Sargat-Stämme im Wald-Steppenraum
    – Bewohner mit Siedlungen und Viehzucht
    - Transural zwischen dem 7. Jahrhundert v. Chr. und dem 13. Jahrhundert n. Chr.
    - Ural und Irtysch zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr.

Viehzüchter siedelten im Transural zwischen dem 7. Jahrhundert v. Chr. und dem 13. Jahrhundert n. Chr. Über diesen Zeitraum haben sich die Lebensgrundlagen laufend verändert, einschliesslich des Baus ihrer Wohnhäuser, ihrer Vorratsgruben, Kamine, Gegenstände des täglichen Gebrauchs und der Keramik. Birkenzweige und Stämme wurden zum Feuern verwendet, Kiefernstämme dienten in der Regel für den Gebäudebau. Es ist möglich, dass früheste Bestattungen parallel mit ersten Gebäuden und Festungen entstanden. Das Klima war kontinental und instabil (variierte stark). Im Sommer waren die Temperaturen hoch und die Niederschlagsmenge gering. Der Winter war sehr kalt, mit arktischen Winden. Knochenfunde von Haustieren oder gejagten wilden Tieren neben Samen von Pflanzen haben über ihre damalige Ernährung Aufschluss gegeben. Rind und Pferd wurden als Haustiere gehalten. Es wurden wenige Schafknochen gefunden, dafür viele Hundeknochen und sogar vollständige Skelette und Schädel von Menschen. Darunter auch Knochen vom Kamel, Elch, Rotwild, Wildschwein, Bär, Fuchs und Biber. Die Siedlungen waren in günstigen geographischen und strategischen Lagen errichtet worden, nahe an Flüssen, auf Erhöhungen, in grossen Flusstälern und an Seen, was den Bewohner eine Kontrolle über ihr Territorium erlaubte. Kleine Festungen mit Wassergräben oder einfache Gräben wurden angelegt und provisorische Lagerplätze gehalten. Grosse Siedlungen waren befestigt (Zitadellen), mit einem weiten, offenen bewohnten Platz, um den zahlreiche Häuser aneinander gebaut wurden. Die Sargat Bevölkerung im Wald-Steppenbereich war in erster Linie auf Viehzucht ausgerichtet und betrieb saisonal Jagd. Diese Menschen lebten vorwiegend mit Haustieren, darunter Pferde, Rinder und Schafe und Hunde. Pferd, Rind und Schaf wurden während dem Leichenschmaus in grossen Mengen verzerrt. Grabstätten fand man in zwei Typen: solche mit geraden senkrechten Wänden und andere mit Leisten verkleidet. In einigen Gruben gab es Hinweise auf Holzsäulen aus Kiefern zur Unterstützung einer oberen Abdeckung. Die Grabkammern glichen einem Totenhaus. Bestattungen von Männern brachten deutlich zum Ausdruck, dass hier Krieger, mit Waffen begleitet, beerdigt wurden. Frauen hatten vermehrt ornamentierten Schmuck, darunter Perlen und Ohrringe, sowie Werkzeuge für die Textilverarbeitung und verschiedene Gefässe, einschliesslich Bronzekessel, beigelegt und waren mit Steinplatten und Bauholz abgedeckt begraben. Feuer scheint in Bestattungszeremonien eine wichtige Rolle gespielt zu haben.
Im südlichen Ural stieß man auf Einzel- und Kollektiv-Einäscherungen, mit Leichenhallen auf alten Bestattungsplätzen. Eine sich abwechselnde Grabstellenerkennung innerhalb der Stämme waren bemerkenswert, ein Ring aus Steinen gebildet, umgeben von Felsen oder mit massivem Grabstein in der Mitte des Hügels. Radial angeordnete Blöcke orientierten sich an der Mitte des Hügels und lassen eine Einmaligkeit solcher Bestattungsstätten erkennen. In anderen Grabstätten wurden die Verstorbenen in einer diagonalen Position direkt auf die Erde gelegt, daneben gab es Priesterinnen-Bestattungen. Hierbei handelt es sich um jene Kriegerpriesterinnen, die mit Waffen und religiösen Requisiten bestattet wurden. In Kurganen (Gräbern) fand man häufig Motive, die östlichen Stämmen angehören, und wahrscheinlich importiertes gefertigtes Kunsthandwerk. Parallele hat man auch aus dem Nahen Osten und dem Achämenidenreich (dem Iran) gefunden (Altpersien). Goldkanne, graviertes Silber mit Griffen mit Bergziegen (Argali) und Rinder-Darstellungen. Dabei handelt es sich um kleine "phönizische" Glasgefässe und eine Art von nahöstlichen Gefässen aus rotem Lehm. Eines der im südlichen Ural gefundenen Kurgane enthielt ein aus Alabaster geformtes ägyptisches Gefäss mit Hieroglyphen und Keilschrift in vier Sprachen, die „Artaxerxes, dem Grossen des Pharao" gewidmet waren (465-424 v. Chr.).
Die Existenz von komplexen Grabbauten mit verschiedenen Kammern für Vorräte, Reitpferde und bewachenden Krieger deutet auf eine höhere sozial entwickelte Schicht zwischen den südlichen Uralstämmen und der unteren Wolga Bevölkerung hin. Darüber hinaus haben einige Forscher angenommen, dass ein klimatisches und geografisches Umfeld solche Formen unterstützte und Hügelgräber mit Aufschüttungen entstanden, vorab im südlicheren Ural. Ähnliche Grabstätten wurden auch in der Uralsteppe und weiter östlich in Waldsteppen gefunden. Die südlichen Ural Völker waren in ihrer materiellen Kultur allgemein reicher und vielfältiger ausgestattet und hatten Kontakte zu östlichen Kulturen, zu Nomadenstämmen aus Zentralasien. Die südliche Ural-Bevölkerung besass eine eigenständigere und komplexere Einheit und wurde zu einem Schmelztiegel an Einflüssen aus anderen Regionen. Sie haben in dieser Samara-Ural Region während der skythischen Epoche im späten 5. Jahrhundert v. Chr. eine neue Kulturform entwickelt. Einflüsse von sauromatischen Stämmen wurden erkannt. Ähnlich gefundenes Kunsthandwerk aus der unteren Wolga dürfte bereits aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. durch Migration in diese Region gekommen sein.
Es wurden Töpfereien und Keramiken gefunden, deren Ornamente mit morphologischen Motiven (Pflanzen) dekoriert waren. Ein Stil mit Pflanzendarstellungen auf Materialien aus der Eisenzeit spielte im Transural eine wichtige Rolle. Im Hinblick auf eine geographische Verteilung dieser Keramikwaren waren die am Osthang des Ural-Gebirges und in der Waldsteppenzone durch eine grosse Vielfalt von traditionellen Mustern geprägt. Darüber hinaus sind mehrere Stufen einer Entwicklung in diesem Töpferhandwerk sichtbar. Die Motive der alten Bevölkerung, die das Gebiet vom Transural bewohnten, hatten bis zum oberen Irtysch einen engen Zusammenhang mit einer Sarmatenkultur. Wahrscheinlich dürfen sie einer ugrischen Herkunft zugeordnet werden, einer Bevölkerung, die ursprünglich am oberen Irtysch siedelte. Es gab eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen der transuralischen Eisenzeitkeramik und der am oberen Irtysch, wie in der Technik ihrer Herstellung, Formen und Dekoration in Funden festgestellt wurde. Keramische Gefässe mit vertikal-ellipsenartigen, kugelförmigen oder horizontal-ellipsenartigen Formen wurden gefunden, die einen runden oder leicht geschärften Boden aufwiesen. In der Regel war ein Hals klar erkennbar. Eine Mehrzahl der Gefässe wurde von Hand gefertigt, mittels einer Bandflechttechnik und in offenem Feuer gebrannt. Normalerweise befinden sich die Verzierungen um den Nacken, Hals und Schulter der Gefässe. Töpferware war mit konsequent angebrachten dekorativen Ornamenten mit wenigen Variationen von Mustern oder mit einfachen Kombinationen verziert. Wie Keramiksammlungen im Vergleich zu westlichen Gebieten aufzeigten, waren deren Verzierungen eindeutig durch Stempeln oder mittels Ritztechnik gefertigt. Gefundene Töpfe aus Siedlungen im östlichen Bereich unterschieden sich gegenüber solchen aus der westlichen Region, wo eine Ritztechnik oder ein Keilschnitt in der Ornamentik vorherrscht. Die Keilschnitttechnik gilt als die früheste Form von Dekorationen und dürfte in der Bronzezeit überwiegend Tradition gewesen sein. Keilschnittverzierungen verschwanden und wurden durch Ritztechnik abgelöst, sowohl am Tobol als auch im Isset Flussraum, und haben diese frühere Keilschnitttechnik abgelöst. Diese Ritztechnik wurde zu einem späteren Zeitpunkt mit der Stempeltechnik kombiniert, die Grundlagen für solche Kamm-Ornamente bildeten.

- Informationen zu: Ornamente der Jakuten

Eurasische Steppenvölker besiedelten einen grossen Teil der Waldsteppenzone zwischen dem Ural und dem Irtysch im 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. Dabei handelte es sich um Siedlungen, sowohl befestigte als auch offene. Man hat zahlreiche Kurgane, Grabhügel und Friedhofkomplexe (Leichenhallen) gefunden. Innerhalb der Kurgane konnten zwei getrennte Eliten auf Grund des Wohlstandes in Grabbeilagen erkannt werden, wie Beigaben von Zepter, Keulen und Stäbe – die "königliche" oder herrschende Elite – Beigaben, die für ihre politische Macht massgebend waren. Eine Krieger-Elite mit Waffen in ihren Gräbern: Bogen, Pfeile und Dolche etc. Im Rahmen ihrer Grabhügel haben die Sargatstämme gezielt Objekte und Personen, die nicht nur ihre sozialen Beziehungen reflektierten sondern auch Einblicke in ihre rituellen Lebensformen gaben, geöffnet. Die Sargat-Kultur war eine nördliche Variante der semi-nomadischen eurasischen Steppenvölker. Gefunden wurden Kurgane mit Kunsthandwerk, deren Herkunft auf das Schwarze Meer, Zentralasien, die Taiga und die Steppen zurückgeht und ein Indiz für umfangreiche Handelsbeziehungen darstellt. Ein Einfluss von aussen war daran zu erkennen, dass der Transural als nördlichste Peripherie der Seidenstrasse galt. Grabbeigaben bestätigen, dass eine Elite durch Handel Zugang zu wertvollen Materialien und Kunsthandwerk hatte. Unter Einfluss aus dem Süden entwickelte sich im 7. Jahrhundert v. Chr. eine nomadische Wirtschaft mit zunehmender Herdenwanderung und dem Eindringen einer Gruppe von Sakastämmen aus dem Osten. Kleinere Kurgane mit zentralen Bestattungen wurden gefunden, die entweder auf der Oberfläche mit Spuren eines Brandes oder mit flachen Gruben angelegt waren. Diese Gräber waren gesockelt, mit Klettblecheinlagen eines östlichen Typs, und enthielten bronzene Pfeilspitzen. Nomadische Praktiken waren in Beerdigungsriten zu erkennen, die zwischen den verschiedenen Stämmen in Kasachstan, dem südlichen Ural und in Osteuropa gefunden wurden.
In der späten prähistorischen Zeit (um 1.000 BC) wurden die vorangehend beschriebenen Steppen von Kulturen mit verschiedenen sozialen Ebenen und wirtschaftlichen Orientierungen besiedelt. Diese bestanden aus Nomaden, Halbnomaden, Hirten, Spezialisten in Metallverarbeitung, Jäger und Fischer. Sie besassen unterschiedliche Sprachen und können einer proto-iranischen oder proto-ugrischen Sprachfamilie zugeteilt werden. Im Vergleich mit der Bevölkerung, die einen Kern in dieser eurasischen Steppe in der Frühzeit besetzten, Stämme, die diese grossen Flächen besiedelten, muss angenommen werden, dass sie weniger Kontakt mit Siedlern in Waldsteppenzonen hatten und sich deshalb sprachlich weniger mit diesen verständigen konnten. Trotz Einfluss von aussen konnte sich in der Tobol-Irtysch Waldsteppenregion ein kulturell und wirtschaftlich eigenständiges System entwickeln, deren Einfluss sich in die Steppen in Mittelasien und Kasachstan ausdehnte. Lokale Clans haben mit dem nahen asiatischen Staatenbund und den nomadischen eurasischen Steppenkonföderationen Beziehungen unterhalten. Ein Handel mit Kunsthandwerk und ein kultureller Austausch in Ritualen haben Einfluss hinterlassen. Solche Verbindungen haben Eigenständigkeiten innerhalb dieser skythischen Kultur-Zone unter den Saka-, Sauromatischen Stämmen und der Sargat Bevölkerung nicht geschadet. Kunsthandwerk aus Bronze in den Uigarak Friedhof-Komplexen in Khorezm aus früher Saka Zeit wurden auch im Pamir-Gebirge und dem Fergana-Tal gefunden. Kleine runde Bronzeplaquetten mit Schlaufen auf der Rückseite mit Lederriemen waren in Grabbeilagen enthalten und sind mit denen der Saka Grabstätten an der unteren Syr Darya (Fluss) Region identisch. Pfeilspitzen – eines sogenannten "prä-skythischen Typs" – waren auch in der Wolga Steppen Region, am unteren Don und im westlichen Zentralasien, vor allem rund um die Aralsee-Region, verbreitet. Kleine Ton-Lampen sind typisch für die Friedhöfe der Eisenzeit im Transural. Die Ikonographie einer frontal stehenden menschlichen Figur ist sehr typisch für die gegossene Kulai Bronze mit Funden aus Verhüttungsstätten in der Taiga im westlichen Sibirien, wo eine grosse Bevölkerungsgruppe, Kulai genannt, gefunden wurde. In diesem Bereich waren Vogelmotive sehr beliebt und manchmal in eingerahmten Bildern dargestellt.
Hirten weideten ihre Rinderherden und Schafe am Talgar (Fluss), der im hohen Tien Shan-Gebirge entspringt: in einem alpinen Umfeld zwischen 2200 und 2890 Metern über dem Meer mit Kräutergräsern und Wildblumen von Juni bis Anfang September (saisonale Alpenweiden). Die Lebensgrundlagen bestanden aus Viehzucht, Jagd und Fischfang. Es wurde jedoch kein Ackerbau in höheren Regionen gepflegt. Archäologen fanden in dieser Region in Grabanlagen und Siedlungen in Ausgrabungen, datiert aus der späten Bronzezeit und der frühen Eisenzeit, Formen einer Landnutzung mit Siedlungen, die eine Agrar- und Weidewirtschaft in unteren Talgar Tälern pflegten. Diese Siedlungen befanden sich 20 Kilometer östlich von Alma Ata (Almaty), der ehemaligen Hauptstadt von Kasachstan. Das Talgar Tal wird durch das Schmelzwasser von den Gletschern des Tien Shan-Gebirges gespeist und ist sehr fruchtbar. In Feldern wurden beim Pflügen Bruchstücke von zerstörten Kurganen entdeckt: Kunsthandwerk wie Keramikscherben und Schleifsteine. Tierknochen und Keramik lassen auf Siedlungsplätze vermuten. Diese Region war eine dicht besiedelte Oase während des ersten Jahrtausends v. Chr. und in der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. Diese hohe Dichte an Standorten lässt auf eine Hierarchie von Clan-Typen (Sippen) mit Dörfern, Weilern und kleinen saisonal genutzten Lagern schliessen. Die Siedlungen scheinen alle eine südöstliche Ausrichtung zu haben; möglicherweise nach der frühen Morgensonne gerichtet. Es wurde ein Komplex mit Steinmauern und Scherben an der Oberfläche sowie Keramik, Mahlsteinen und Tierknochen gefunden, der aus der Zeit stammen dürfte, in welcher hier Sakastämme siedelten. Die Gräber auf der anderen Seite auf halbtrockenem flachem Boden wurden entfernt. Hier entstanden Terrassen neben kleineren Bächen, wie Hochlandterrassen; niedrige Kämme und Sättel wurden ebenfalls bewirtschaftet.
Diese eurasische Steppenkultur kann in eine östliche und westliche unterteilt werden, wo komplexe Grabkonstruktionen und Denkmäler identifiziert wurden. An der unteren Wolga Region waren solche an einer Skythenepoche am Schwarzen Meer orientiert und eng mit dem nördlichen Kaukasus verbunden. Zoomorphe Darstellungen auf runden Plaquetten mit gerippten Kanten und auf länglichen rhombusförmigen Stirnblättchen wurden gefunden.
Charakteristische Darstellungen eines Hirschkopfs mit verzweigtem Geweih auf Blättchen und von Wildschweinköpfen dürfen einen direkten Bezug zur skythischen Epoche und dem Animal Style haben. In Bronze gegossene Raubtiere gelten entweder als griechische Applikationen aus dem Norden des Schwarzen Meeres oder lokal als von der griechisch-skythischen Kunst beeinflusste Motive. Typischerweise hatten die Skythen ähnliche Schuppenpanzer (Kettenhemd) und Bronzehelme. Beinahe alle gefundenen Spiegel an der unteren Wolga gehören zu Typen, die bei den Skythen ebenfalls beliebt waren. Kontakte zum nördlichen Kaukasus waren wahrscheinlich zwischen der unteren Wolga und dem nördlichen Kaukasus vorhanden. Einflüsse in Hinblick auf Schwertformen waren zu erkennen. In Funden aus dem rechten Ufer der Wolga und in den Kalmücken-Steppen hat man eben solche dreilappigen und vierlappigen Pfeilspitzen, aus Knochen geschnitzt, gefunden, ebenso polierte Gefässe aus der unteren Wolga. Bestattungen waren ähnlich solchen im nördlichen Kaukasus. Kontakte zwischen den beiden Regionen werden durch gefundene goldene Ohrringe verstärkt. Kunsthandwerk wie lange und kurze Schwerter, Pfeilspitzen, Keramik, Perlen-, Bronze-Spiegel und Fibeln wurden auch in sarmatischen Gräbern gefunden. Vorläufige Analysen dieser Ausgrabungen zeigen, dass Sarmatenstämme Kontakte nach aussen und untereinander hielten.
Die frühe Eisenzeit in den Steppen zwischen Wolga und Don Fluss deckt sich mit der Geschichte der Sauromatischen und Sarmatenzeit aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Ein Teil der Grabbeigaben waren Schafbeine mit Schulter und Keramikformen, die in der Kuban-Region (Fluss am nördlichen Kaukasus) in ländlichen Zentren hergestellt wurden. Sie wiesen grün-glasiertem Alabaster und zwei Henkel auf. Dieser Schliff war auch im nördlichen Mesopotamien bekannt. Ausgrabungen zeigen Möglichkeiten von Verwandtschaften mit glasierter Keramik, deren Produktionsstätte im Hoheitsgebiet der Medier oder in Armenien entstand. Eine solche Keramik mit einer grün-blauen Glasur in den Steppen hat sich Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. übertragen. Dies bestätigt, dass Handelsrouten von Medien über den Kaukasus zu den Steppen einer sarmatischen Bevölkerung bestanden, die durch die Aorsi (Sarmatenföderation) kontrolliert wurden. Eine andere Möglichkeit war, dass die Sarmaten während militärischer Überfälle über den Kaukasus in den Raum der Medier und Armenier solche Kenntnisse mit diesem Schliff erhalten haben. Tactius Flavius und andere Autoren beschrieben solche Überfälle. Auch haben Einwanderungen von Nomaden aus dem Osten neue Wellen ausgelöst. Dabei handelte es sich wahrscheinlich die Alanen und Messageten, wie antike Autoren berichten. Eine Kontinuität von Bestattungsriten und einer materiellen Kultur zeigen, dass wahrscheinlich immer noch die gleiche Bevölkerung in dieser Region lebte und zusammen mit Zugewanderten nebeneinander siedelte. Das Kunsthandwerk und die Siedlungen einer sarmatischen Kultur erstrecken sich Tausende von Kilometern und waren mit dem westlichen Sibirien bis in die Donau untereinander verbunden.
Meinungen von Archäologen zufolge wird das Problem durch Zusammenführung zweier Hypothesen gelöst, so etwa durch Analysen von Daten aus lokalen Funden zur frühen Bevölkerung und einer späteren Veränderungen durch Zuwanderungen. Der Beginn der Eisenzeit ist mit der Verteilung von Eisen in ganz Südosteuropa verbunden und endet mit der hunnischen Invasion zur Schwarzmeer Küste um 375 n. Chr. Die Stämme hatten Verbindungen mit China im Osten über Handel mit westlichen römischen Provinzen. Der Einfluss chinesischer Tradition, wie ähnliche Schwerter mit langen Henkeln und rautenförmigen Griffen aus Eisen und Bronze zeigen, war während der Han-Dynastie verbreitet. Wir wissen, dass während des 2. Jahrhunderts v. Chr. eine Mobilität der Nomaden im eurasischen Steppengürtel mit Herden und Planwagen über riesige Gebiete von China bis zum Schwarzen Meer bestand. Ein starker Reitervölkerstaat der Hsiung-nu bestand nördlich der Grossen Mauer Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. Stämme wurden nach Westen aus dem Raum der heutigen Mongolei verdrängt, vor allem zwischen dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. Dies waren nomadisierende Stämme, die durch Umzug in die Gebiete ihrer oft feindlichen Nachbarn eindrangen. Solche Ereignisse verursachten Kettenreaktionen innerhalb von Gruppen von Vertriebenen durch Unterwanderung oder durch Eroberungen anderer Stammesgebiete. Die chinesischen Historiker Sem Tzan und Ban Gu (früheste Han-Dynastie) beschrieben solche Ereignisse, die im zentralasiatischen Raum stattfanden, während im antiken Europa ebenfalls Autoren ähnliche Ereignisse in Osteuropa beschrieben. Strabo war ein griechischer Geschichtsschreiber und Geograph, der auf grosse kulturelle Veränderungen in Steppenregionen hinwies. Er beschreibt neue Zusammenschlüsse von nomadischen Stämmen wie die Roxolanen (1), Siraces (2) und Aorsen (3). Strabo bemerkt, dass die Aorsen, die in der Don-Fluss-Region siedelten, schon früh solche sarmatischen Bestattungen am Ufer des Aksai praktizierten. Der Fluss liegt im Südosten der Osteuropäischen Ebene, am rechten Ufer des Don. Gefundene abgerundete Eisengürtelschnallen mit einem Gitterornament zeigen auch eine Verbindung zum Orient zwischen Stämmen in der Wolga-Don-Region. Ähnliche Klammern, aus der Zeit um das 2. Jahrhundert v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr., gehörten zum Kunsthandwerk der Ordos Stämme (4), einem Gebiet, das heute im chinesischen Territorium liegt, und deren Kunst auch in Sibirien verbreitet war.
  • (1) Die Roxolanen waren ein sarmatischer Stamm, der zwischen dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. westlich des südrussischen Raumes und dem Don im ukrainischen Steppenland beheimatet war.
  • (2) Die Siraces waren Nachbarn, die später Feinde der Aorsi wurden. Sie wanderten aus dem Kaspischen Meer bis zum Schwarzen Meer. Im späten 4. Jahrhundert v. Chr. hatten sie Gebiete zwischen den Bergen des Kaukasus zur Kuban Region und dem Don besetzt. Sie waren der erste sarmatische Stamm, der Kontakt mit hellenischen Gruppen an der Küste des Schwarzen Meeres unterhielt.
  • (3) Die Aorsen waren der grösste Stamm in einer Konföderation der Sarmaten.
  • (4) Das Ordos-Plateau ist eine Steppen- und Wüstenlandschaft im autonomen Gebiet der Inneren Mongolei im Norden der Volksrepublik China. Früher hiess die Region auch He-tau und später He-nan („Land südlich des Flusses“). Die Hochebene hat eine durchschnittliche Höhe von 1.200 m ü. Meer.

  • Hsiung-nu - Xiongnu: 3. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhunder n. Chr.
  • Huns - 4. Jahrundert bis 6. Jahhundert n. Chr.

    - weitere Informationen zu den Stämmen siehe „Geschichte der Reiternomaden

Die meisten Informationen sind in Werken von Herodot (484 bis 430/424 v. Chr.), Hippokrates (460-377 v. Chr.), Deodor dem Sizilianer (90-21 v. Chr.) und Strabo (64/63 v. Chr. - 23/24 n. Chr.) beschrieben.

Diese Stämme waren typische Nomaden mit Zelten und reisten mit Wagen ganzjahreszeitlich mit Viehherden, Schaf und Pferd innerhalb dieser Steppen von Weide zu Weide. Die Namen dieser frühen Eisenzeitnomaden sind in diesen antiken griechischen Erzählungen erwähnt. "
Sauromatische" und "Sarmaten" waren kollektive Bezeichnungen für diese unabhängigen Völker mit ähnlichen kulturellen Merkmalen des Nomaden-Daseins. Sie hatten eine ähnliche politische Organisation und nahezu identische Bestattungsriten. Griechische und römische Autoren erwähnen Yaziks, Roxolanen, Siraces, Aorsen und Alanen als unabhängige Stämme der Sarmaten. Die Begriffe "sauromatische Kultur" und "sarmatische Kultur" haben sich in der europäischen archäologischen Namensgebung durchgesetzt.

Herodot und Darius beschreiben erste Invasionen in die nördliche Schwarzmeer-Region während der skythischen-persischen Kriege um 512 v. Chr. Herodot bezeichnete eine sauromatische Völkerschaft, die östlich des Don siedelte, und eine Skythenbevölkerung, die westlich des Don wohnte. Entdeckungen in sauromatischen Kurganen, datiert um 600 v. Chr., bestätigen solche Angaben von Herodot.
  • Skythen (Saka – Sauromaten – Massageten): vom 8. bis 3. Jahrhundert v. Chr.
  • Sarmaten – Sauromaten: vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundertt n. Chr.

    - weitere Informationen zu den Stämmen siehe „Geschichte der Reiternomaden

Es wurden Kultstätten aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. in der Aral-Kaspischen Region, im heutigen Kasachstan, entdeckt. Analysen solcher heiligen Stätten zeigen, dass sie einen einzigartigen Komplex dieser Art im gesamten eurasischen Steppenraum bilden, der bis dato gefunden wurde. Sie haben Gemeinsamkeiten mit anthropomorphen Statuen in Stein, Steinstatuen und Opferplätzen mit dem Hauptmerkmal eines runden kultischen Baus, und sie weisen Parallelen mit solchen zoroastrischen Dakhma Bauten (Turm der Stille mit Skeletten) auf, obwohl hier keine Spur von menschlichen Knochen oder Bestattungen vorhanden war. Es wird vermutet, dass diese Skulpturen verstorbene Vorfahren repräsentieren (siehe Skulpturen). Die Entdeckung von grossen monolithischen Altären, bekannt als "Opfer-Tische", lassen vermuten, dass möglicherweise diese mit einem Kult mit Feuer und Flüssigkeiten verbunden waren. Es wurden Tamgas (1) auf mehreren Skulpturen gefunden, die den Sarmaten und Massageten zugeordnet werden können. (Massageten waren ein nordiranisches Reitervolk). Funde haben ergeben, dass seit Jahrtausenden nomadische und semi-nomadische Stämme regelmässig diesen Steppenkorridor mit Herden durchwanderten. Dagegen blieben die felsigen und sandigen Wüsten zwischen dem Kaspischen-Meer und der Aral-See wie ein "weißer Fleck" auf der archäologischen Landkarte. Dieser Korridor war wegen seiner strategischen Lage von grosser Bedeutung, es waren die kürzesten und direktesten Wege aus dem Norden zur Wolga, dem Ural und dem nördlichen Kasachstan nach Süden zu den fruchtbaren Oasen von Khorezm und Baktria-Margiana. Darüber hinaus waren diese Wüsten auch mit dem iranischen und afghanischen Plateau verbunden.
  • (1) Tamga ist ein türkisch-mongolisches Wort, das Zeichen bedeutet: Zeichen für Eigentum, Besitz, Marke oder Siegel. Wie auch Stammeszeichen, Clanzeichen usw.

Wir wissen, dass im Mittelalter eine der grossen Handelsrouten die Seidenstrasse am Aral-Kaspischen Meer ihren "Korridor" hatte und wahrscheinlich dieser Weg von Ost nach West schon viel früher benutzt wurde. Archäologische Forscher haben in der Aral-kaspischen Region Funde aus der Jungsteinzeit erkennen können. Historische Quellen beschreiben, dass Nomadenstämme Zentralasiens und Stämme in der kasachischen Steppe eine wichtige Rolle beim Austausch solcher Handelswaren mit Karawanen gespielt haben. Diese Routen wurden später nach dem Zusammenbruch der Reiche der Achämeniden (1) und Alexander dem Grossen im ersten Jahrtausend v. Chr. weiterhin genutzt.
  • (1) Das Achämenidenreich (auch als Altpersisches Reich bezeichnet) war das erste persische Grossreich. Es erstreckte sich vom späten 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 4. Jahrhundert v. Chr. über die Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak, Afghanistan, Usbekistan, Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel und Ägypten. Das Achämenidenreich expandierte erstmals 550 v. Chr. unter Kyros II. durch die Annexion des Mederreiches. Unter den Nachfolgern erfolgte die Fortsetzung bis zur späteren grössten Ausdehnung, die ihren Höhepunkt um 500 v. Chr. erreichte und zu dieser Zeit auch Teile der Staaten Libyen, Griechenland, Bulgarien, Pakistan sowie Gebiete im Kaukasus, Sudan und Zentralasien umfasste. Im Jahr 330 v. Chr. beendete Alexander der Grosse die Herrschaft der Achämeniden.

Archäologen haben heilige Stätten im Ustjurt Plateau (siehe Karte) und in der Aral-kaspischen Region, zwischen Kasachstan und Usbekistan, entdeckt: diese lagen auf Hügeln oder hügelförmigen Böschungen mit bis zu 35 Steinen mit anthropomorphen Statuen, runden und rechteckigen steinernen Altären und Dutzenden von kleinen Steinen, die auf Opfer-Gedenkstätten hindeuten. Früher dachte man, dass die Stämme der Sarmaten, Saka und Massageten, die in der westlichen asiatischen Steppen siedelten, nur mit einem "Animal Style" vertraut waren. Ihre kultischen Bauten haben aber Parallelen mit zoroastrischen Dakhma Bauten (Türmen) aufgewiesen, obwohl hier keine menschliche Knochen oder Spuren von Bestattungen gefunden wurden. Aufgrund der Skulpturen wurde klar, dass es sich bei diesen Gruppen von Statuen um Ahnen oder Götter handeln musste (siehe Skulpturen). Die Statuen waren ziemlich geschickt gefertigt und lassen erkennen, dass damals Steinmetze gute "Steinbearbeitungsfähigkeiten“ besassen. Die Präzision, mit welcher sie in Stein gehauen und bis ins kleinste Detail ausgeführt waren, ermöglichte, diese authentisch zu rekonstruieren, um dadurch das Aussehen dieser frühesten Bewohner in der Aral-kaspischen Steppe erkennen zu können. In der Regel stellt jede Skulptur einen stehenden Mann dar, der seinen rechten Arm gesenkt hält und den linken Arm an den Magen drückt. Die Gesichter sind sehr ausdrucksstark mit mandelförmigen Augen, einer klar geschnittenen Stirn zum Gesicht hin und eine längliche gerade Nase, mit einem dünnen hängendem Schnurrbart und einen kleinen Mund. Obwohl die Mehrheit der Skulpturen europäische Gesichtszüge widerspiegelt, haben andere ein breites und flaches Gesicht, keine Bärte oder ausgeprägte Wangenknochen. Dabei handelt es sich um Eigenschaften, die charakteristisch mongoloid sind. Es ist anzumerken, dass paläoanthropologische Studien gezeigt haben, dass die Völker, die in der östlichen Region am Kaspischen Meer lebten, in der frühen Eisenzeit eher einer europid-mongoloiden Mischung angehörten. Ihr Kostüm und Zubehör sind ebenfalls angedeutet: ein breiter Ledergürtel mit Metallschnalle, manchmal mit Stickereien oder Applikationen verziert. Ein zweischneidiges Schwert in einer Scheide am Gurt vorne ,durch zwei Riemen hängend, ein Köcher auf der linken Seite des Gürtels befestigt und ein Bogen, ein Typ der von den eurasischen Nomaden während der skythischen-sarmatischen Zeit verwendet wurde; weiters ein Dolch, der sowohl für Jagd als auch Kampf geeignet ist. Dies scheint eine Darstellung eines Kriegers der Ustjurt Nomaden zu sein, die hier siedelten. Schnitzereien auf Dolchen der Statuen zeigen, dass diese den "Saka-Mediane" Stämmen ähnlich waren und an der Hüfte durch einen oder zwei Riemen getragen wurden.
Eine Verlängerung am Ende der Scheide, oder ein paar Leisten auf dem unteren Teil der Hülle angebracht, verhindert das Herausfallen des Dolches. Es war dafür gesorgt, dass dieser in der Nähe der Hand des Kriegers positioniert war. Es ist bekannt, dass die Mediane Sarmaten, Saka und Massageten solche Dolche auf gleiche Weise trugen, obwohl es nicht sicher ist, wie die Skythen ihre Waffen damals trugen. Ein halbkugelförmiger Helm aus Leder hat den Kopf und den Nacken dieser Krieger-Nomaden geschützt. Objekte aus Edelmetall zeigten den hohen sozialen Status ihrer Träger. Personen der oberen Ränge (sowohl Männer als auch Frauen) trugen Goldschmuck, einschliesslich Armbänder, Ohrringe und ornamentierte Schmuckanhänger. Darüber hinaus schmückten die Nomaden ihr Pferdegeschirr mit Silber-Plaquetten und Perlen. Es wurden weiters spiralförmig ornamentierte Schmuckanhänger, Ohrringe und Armbänder mit Relief gefunden: nachgemachter Schmuck, der in nomadischen Gräbern auch in der Wolga- und Ural-Region gefunden wurde, und in Kasachstan. Es wird vermutet, dass Grabräuber diese Kunsthandwerke aus Gräbern im südlichen Sibirien und Nord-Kasachstan weitergehandelt haben. Die Sarmaten, Saka oder Massageten stellten auch solche anthropomorphen Skulpturen her, obwohl es mehrheitlich bekannt war, dass sie eher Steinstelen oder Menhire in ihren Grabstätten und mystischen Plätzen positionierten. Es scheint, dass nur ihre westlichen Nachbarn - die Skythen aus dem nördlichen Kaukasus und dem Schwarzen Meer - erstmalig solche anthropomorphen Skulpturen geschaffen hatten.
Die Skythen reproduzierten auch Bilder von stehenden männlichen Kriegern, jedoch waren ihre Waffen und Dekorationen von einer anderen Art als die auf dem Ustjurt Plateau gefundenen Skulpturen und Statuen. Die Skulpturen der Skythen erschienen im späten 7. oder frühen 6. Jahrhundert v. Chr., viel früher als die Ustjurt Skulpturen. Es scheint unwahrscheinlich, dass skythische Bildhauer die Aral-kaspische Region beeinflusst haben. Was haben diese Steinskulpturen simuliert, oder war ein heiliges Zentrum des Mikrokosmos (das Gebiet des Heiligtums) dargestellt, da zentral in jeder heilige Stätten solche Skulpturen aufgestellt wurden. Es ist bekannt, dass die östlichen und südlichen Sektoren der indo-iranischen oder indo-europäischen mythologischen Vorstellungen in der Regel einem Thema des Lebens gewidmet sind, der Regeneration, Licht und der Sonne. Eine Rekonstruktion hat ergeben, dass die Statuen dem Norden oder Westen zugewandt platziert wurden. In der indo-europäischen religiösen Vorstellungen galt diese Richtung dem Sonnenuntergang, wo sich das mythische „Land der Toten“, die Kälte und Dunkelheit befanden. Die Altartische waren so konstruiert, das eine Verwendung mit Flüssigkeit, Wasser oder Blut sowie Feuer in deren Vertiefungen mit Tierfett möglich gemacht wurde, das anschliessend gezündet wurde. Wir wissen, dass Priestern der alten indo-iranischen Kulturen solche Riten bekannt waren, die ebenfalls von den Sarmaten, Saka und Massageten praktiziert wurden – diese Rituale waren verbunden mit Mensch, Natur, Tod und Auferstehung. Man glaubte, dass Priester, mit Hilfe von Magie, eine Weltordnung, die durch den Tod einer Person oder eine grosse Katastrophe verletzt wurden, wiederherstellen konnten; Priester konnten die Götter um Hilfe bitten, im Kampf gegen imaginäre oder reale Feinde. Priester würdigten die Ahnen und Götter und haben Zeremonien veranstaltet, um die Wiedergeburt der geistigen und körperlichen Kraft der Gemeinschaft zu erhalten. Wahrscheinlich wurde deshalb diese grosse Anzahl an Skulpturen mit ähnlichen Gesichtszügen in Serien dargestellt. Dies lässt darauf schliessen, dass sie verstorbene Krieger-Vorfahren repräsentieren, die von der Stammes-Gemeinschaft geehrt wurden. Es ist auch möglich, dass jede Statue als Bewahrer der Seele für tote Krieger-Vorfahren erstellt wurde. Die Bildhauer betonten deren militärische Wichtigkeit und auch deren persönliche Eigenschaften, wie zum Beispiel das fortgeschrittene Alter. Sie waren für die Nachwelt präsent, um den Geist der Vorfahren um Hilfe zu bitten, bei den verzweifelten Kämpfen mit griechischen Mazedoniern und ihren Verbündeten in südlichen Region von Ustjurt. Die militärischen Führer eines jeden Stammes wurden als lebende Verkörperungen eines mythischen Stammes-Held-Vaters und Beschützers der Stammesgebiete geehrt. Die Statuen waren mit Waffen ausgestattet. Eine grosse Anzahl von geschnitzten Dolchen, Schwertern, Schmuckplättchen und Armbänder war identisch mit jenen der Ustjurt Statuen und wurden in sarmatischen Gräber aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Objekte und ihre Darstellungen aus Ausgrabungen haben Parallelen zu Ustjurt Statuen aufgezeigt und waren mit Funden von Kunsthandwerk aus dem eurasischen Steppen identisch. Überwiegend bestanden solche Grabanlagen im Norden des Ustjurt Plateau, im Schwarzmeer Raum, der Wolga und dem Ural entlang und im nördlichen Kasachstan sowie im Süden im Raum von Khorezm und Sogdien. Waffen, Pferdegeschirr und Hausrat wurden überall im Steppengürtel gefunden und wurden von Gruppen ethnisch unabhängig verwendet. Folglich ist es in diesem Fall nicht möglich, die Mehrheit der Fertigung dieses Kunsthandwerkes, wie auch Waffen, Schmuck, Werkzeuge und Gefässe aus Keramik, als zuverlässigen Indikatoren ethnischen Gruppen zuzuordnen. Die anthropomorphen Statuen und rechteckige Opferaltäre, diese typischem Steinskulpturen am Ustjurt Plateau, diese Heiligtümer waren nicht als Analogien zu benachbarten Nomadenkulturen zu finden. Es sind Hereossymbole aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die Verwendung von monumentalen Statuen, in Reihen angeordnet, gleicht den Supragräbern. In der Nähe von Kurganen wurden Heiligtümer in Südostanatolien gefunden. Es ist zu beachten, dass eine griechische Kultur mit ihrer monumentalen Kunst so lebhaft in Anatolien in Komplexen verkörpert war. Die Tamgas (Stammeszeichen) auf diesen anthropomorphen Statuen wurden jedoch zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt. Diese Behauptung wird auch durch die Tatsache bestätigt, dass diese vielleicht auch nur temporär einer sarmatischen Bevölkerung entstammen, die in diesem Gebiet siedelte. Aufgrund von historischen Quellen war nicht klar zu bestimmen, wer sie gewesen sein könnten. In Informationen in chinesischer und klassischen Texten über die Bewohner der eurasischen Steppen und Wüsten ist viel Widersprüchliches und auch aus anderen überlieferten oralen Quellen Stammendes vorhanden, wie Nomaden in Mittel- und Zentralasien während des zweiten Jahrtausends v. Chr. dargestellt wurden. Doch solche Texte waren wertvolle Quellen für Informationen, die mit Grabfunden verglichen werden konnten. Eine kritische Analyse der schriftlichen Quellen hat uns ermöglicht, eine während der frühen Eisenzeit im 7. bis 3. Jahrhundert v. Chr. etablierte, bewohnte Zone von Sauromaten und Sarmaten in diesen Steppen an der Wolga und im südlichen Ural, während der Saka, Massageten (Dakhi, Dai – 1), Skythen und einer Reihe von kleineren Stämme, in den Steppen und Halbwüsten am Aralsee, Kasachstan und Zentralasien zu erkennen.
  • (1) Dakhi (Dakha) oder Dai (eine Variante von Dakhi) siedelten am Aral-See und in der Ostregion am Kaspischen Meer. Einige antike Historiker verstanden unter den Dakhi-Dai ein Teil der Massageten (Dakhi-Massageten).

Alle diese Kulturen folgten einem ähnlichen Lebensstil, sie waren Krieger-Reiter, Jäger und Nomaden, die mit Herden umherzogen. Sie waren aufgrund ihrer Kriegslust und Liebe zur Freiheit gefürchtet. Archäologische Daten deuten darauf hin, dass die Mehrheit der Nomaden der eurasischen Steppen im Wesentlichen die gleichen Waffen, dekorativen Kunstformen und Haushaltsgegenstände verwendet hatten. Die zweite Hälfte des 4. und frühen 3. Jahrhundert v. Chr. war eine Zeit mit heftigen politischen und ethnisch-kulturellen Umwälzungen in der gesamten antiken Welt, eine Zeit der Auseinandersetzungen und der grossen Vermischung von europäischen und asiatischen, kulturell eigenständigen Völkern und Traditionen. Dieser Zeitraum ist auch mit dem makedonischen König Alexander der Grosse verbunden, der das Achämenidenreich (Perserreich) im Jahre 331 v.Chr. eroberte. Länder im Nahen Osten und in Zentralasien wurden unterworfen. Die Griechen kamen in den Osten nicht nur als Eroberer, sondern auch als Träger einer hellenischen Zivilisation mit einer anderen Kultur als jener des Alten Orients. Die griechische Sprache wurde die „lingua franca“ in der überregionalen Kommunikation, während in der lokalen Bevölkerung die regionale Sprache vorherrschend blieb. Ein grosser Teil der griechischen Literatur, Mythologie und Kunst wurde im Osten verbreitet. Mischehen wurden alltäglich. Griechische monumentale Kunst beeindruckt die Nomadenbevölkerung und deren Führer. Es ist durchaus möglich, dass anthropomorphe Skulpturen von hellenischen Götter und Helden Einfluss übten, sodass die Nomaden nun inspiriert waren, ihre eigenen anthropomorphen Statuen mit Vorfahren-Protektionen zu schaffen. Einige Nomadenstämme führten eine Form eines Guerillakrieges. Eine Popularisierung der Vorfahren-Heldenkulte entwickelte sich. Militärische Tapferkeit und Waffen wurden mit dem Konzept der Konsolidierung der Kräfte gefördert, um gegen die Invasoren zu kämpfen. Die extremen klimatischen Bedingungen waren nicht kompatibel mit der rasanten Entwicklung einer Viehzucht Wirtschaft, die eine Einschränkung in ihrer Entwicklung und für das Bevölkerungswachstum darstellte. Dies bewirkte ohne ernsthafte Gegner in der aralkaspischen Passage eine saisonale Wanderung auf der Suche nach neuen Weiden in der nördlichen Kaspischen Zone, dem nördlichen Kasachstan oder dem südlichen Ural. Vielleicht wanderten sie auch nach Westen zur Mangyschlak Hochebene, wo das Klima besser war und das auch mit weniger Strapazen erreicht werden konnte.
© Albi – Februar - Dezember 2011 – Revidiert von Hermelinde Steiner - November 2013
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