Face Music - Peoples of Siberia




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P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016



Text in German

Ureinwohner
sind Hüter einer kulturellen Vielfalt unserer Erde. Ihr Reichtum umfasst die vielen Sprachen und eigenständigen Lebensformen, zu deren Wurzeln wir noch Zugang haben, sowie ihre Lebenserfahrung und ihren Alltag, ihre Religion und ihren Umgang mit der Natur. Sie werden als Urbewohner bezeichnet, da sie ein bestimmtes Territorium bewohnen, weil sie dieses zuerst besiedelt und genutzt haben. Dort, wo sie leben, existiert noch eine reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt. Doch wie lange dies der Nachwelt erhalten bleibt, nachdem nun in ihrem Lebensraum nach Rohstoffen gesucht und nicht immer „umweltverträglich“ gefördert wird, steht in den Sternen.

Zu ihnen zählen wir die Adivasi in Indien, gefolgt von den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents, die Tuareg in der Sahara, die Pygmäen oder Buschmänner im zentralafrikanischen Regenwald, die Sanvölker im südlichen Afrika, die Penan in Malaysia, die Bergvölker in Bangladesch und Burma, die Ainu in Japan, die Maori in Neuseeland, die Aborigines in Australien, die Bewohner der pazifischen Inseln, die Inuit in Alaska, Kanada und Grönland, die Sàmi (Syrjänen) in Skandinavien und auf der russischen Kola-Halbinsel oder die kleinen Völker des hohen Nordens und fernen Ostens in Sibirien.
- mehr Informationen zu: Die südlichen VölkerDie nördlichen Völker

Raum Sibirien
Sibirien ist die Schatzkammer innerhalb der Russischen Föderation (siehe Karte). Neben Erdöl und Gas werden hier Gold, Diamanten, Silber, Kupfer und andere Rohstoffe gefördert. Es ist die Heimat einer Urbevölkerung, die sich unter arktischen und subarktischen Bedingungen aus verschiedenen Stämmen zusammensetzt, die verschiedenen Sprachfamilien angehören. Trotz geschichtlicher und sprachlicher Unterschiede gibt es eine Vielzahl von kulturellen Gemeinsamkeiten, deren Grundlagen auf geografischen und klimatischen Gegebenheiten basieren. So weisen sie eine Lebensweise als Nomaden (Haltung von Schafen, Rindern, Pferden und im hohen Norden vor allem Rentieren), Jäger, Sammler oder Fischer auf. Im Süden trifft man auf eine Vegetationszone mit einem riesigen Nadelwaldgürtel der Taiga. Diese Wälder wechseln, besonders im westlichen Sibirien, mit ausgedehnten Sumpfgebieten, während im Osten Hochgebirgsregionen vorherrschen.
Sibirien galt bis zum 17. Jahrhundert als nahezu unerforscht, dieses weite Land jenseits des Urals bis zum Ochotskischen Meer. Eine Grosslandschaft mit einer Ausdehnung ausgehend vom Ural, begrenzt im fernen Osten durch den Pazifik, im hohen Norden durch das Polarmeer und im Süden durch die Kasachische Schwelle. Trotz Eroberungen sind die ursprünglichen Kulturen im Kern erhalten geblieben.
- siehe Karte: Bering Strasse und Ochotskischen Meer
In Sibirien fliessen einige der grossen Ströme der Erde zum Nördlichen Eismeer: Ob, Jenissej, Lena und Kolyma (siehe Karte). Sie waren seit jeher Hauptverkehrsadern, sowohl während der Kolonialisierung als auch einer darauf folgenden Ausbeutung reichhaltiger Schätze, die bis heute andauert.

Tundra und Taiga
Von der Halbinsel Kola im Westen bis zur Tschuktschenhalbinsel im Osten erstreckt sich entlang des nördlichen Eismeeres eine flächenmässig riesige, aber extrem dünn besiedelte Zone. Diese Gebiete liegen hauptsächlich nördlich einer Dauerfrostgrenze des sibirischen Nordens, die sich im Ostsibirischen Hochland ziemlich weit nach Süden erstrecken. Mit dem 55. nördlichen Breitengrad entspricht dies der geographischen Breite Schleswig-Holsteins (Deutschland). An der Pazifischen Küste rechnet man das Sichote-Alin-Gebirge (1) mit; dort liegt die Treibeisgrenze im Süden an der russisch-chinesischen Grenze bei Wladiwostok. Diese Ureinwohner (oder Indigenen Völker), denen dieses riesige Gebiet vor der Kolonialisierung gehörte, bezeichnet man in Russland als "Völker des Nordens". Das Land besteht im Norden aus einer meist mehrere hundert Kilometer breiten Zone von baumloser Tundra. Nach Süden geht diese Vegetationszone in den riesigen Nadelwaldgürtel der Taiga über. Diese Wälder wechseln, besonders im westlichen Sibirien, mit ausgedehnten Sumpfgebieten, während im Osten Hochgebirgsregionen vorherrschen. An der Pazifischen Küste, mit der Halbinsel Kamtschatka, den Inseln Sachalin und Aleuten, ist die Landschaft von zahlreichen aktiven Vulkanen geprägt (siehe Karte).
  • (1) Das Gebirge erstreckt sich über etwa 1350 Kilometer in den Regionen Chabarowsk und Primorie (siehe Karte). Im Nordwesten und Norden grenzt es an den Amur und seine Mündung, im Nordosten an den Tatarensund, der das asiatische Festland von der russischen Insel Sachalin trennt. Im Osten und Süden stösst das Gebirge an das Japanische Meer. Im Westen grenzt es an das Tal des Ussuri, der im Südwesten des Gebirges entspringt, und an das Stromtal des Amur (siehe Karte).

Geschichte Sibiriens
Völker existierten in Sibirien schon vor 30.000 Jahren. Siedlungen aus einer Voreiszeit (1) fand man im Altaigebirge. Man vermutet, dass von da eine erste Besiedlung erfolgte. Am Eisrand lebten während des Paläolithikums (Altsteinzeit) Mammuts, Bisons und Nashörner. Bei archäologischen Arbeiten entdeckte man Mammutknochen, die zum Hausbau verwendet wurden. Diese Häuser hatten, ähnlich einer Jurte, eine ovale oder Halbkreisform und waren zur Hälfte in der Erde versenkt. Mit dem Aussterben der Grosssäuger veränderte sich ihre Jagdweise: der Fischfang nahm zu, Pfeil und Bogen sowie Tongeschirr wurden hergestellt. Schon damals spielten die Frauen eine wichtige Rolle im Hausalltag. Wohnstätten bestanden aus einem Raum mit zentraler Feuerstelle mit rund herum angeordneten Schlafplätzen.
  • (1) Die Voreiszeit – Sartan-Eiszeit 12.000 (13.000) bis 23.000 (25.000) Jahre vor heute, sie bedeutete das Ende der Pleistozänperiode. In allen vereisten Gebieten war es damals immer kälter geworden. Diese Epoche war der kälteste Teil der Eiszeitperiode (Sartan, spätes Valdai und spätes Wisconsin). Zahlreiche Radiokarbondaten verschiedener Gebiete Sibiriens und der ganzen Nordhemisphäre zeigen an, dass es vor 22.000-23.000 Jahren sehr kalt war. Besiedlungen in Amerika werden auf die Zeit von 13.000 bis 14.000 v. Chr. zurückgeführt. Russische Forscher erklären: "Wir haben Zeugnisse für eine Siedlung am Jana Fluss (siehe Karte) gefunden aus einer Zeit vor 27.000 v. Chr. und älter." Dabei handelt es sich um gut 800 Knochen und Knochenfragmente. Abgesehen von Mammut, Bison, Pferd und Rhinozeros fanden sich auch Knochen vom Rentier. Darüber hinaus wurden weitere Spezies gefunden: Moschus, Wolf, Polarfuchs, Braunbär, der Löwe aus der Pleistozänzeit und Vielfrass.

Während der Bronzezeit folgten erneut Wanderungen von Stämmen und territoriale Kämpfe setzten ein. Die Siedlungen wurden grösser und waren zur besseren Verteidigung meist kreisförmig angelegt. Ihre Behausungen befanden sich immer noch halb unter der Erde und boten einer Grossfamilie Platz (Sippe). Sie bestanden aus mehreren Räumen, die kreisförmig um den zentral liegenden Stall angeordnet waren. Turkvölker sind über den Altai eingewandert, und Vermischungen entstanden mit ansässigen Stämmen. Typisch für diese Turkvölker war deren hoher Stellenwert des Pferdes als ständiger Begleiter für das ganze Leben und auch nach dem Tod. In der Folge entwickelte sich diese sibirische Urbevölkerung mit zugewanderten Stämmen. Streitigkeiten unter ihnen lösten erneut Völkerwanderungen aus, und viele wurden somit aus dem Sibirischen Raum vertrieben. Im 13. Jahrhundert kam Druck durch einbrechende Mongolenstämme auf. Das Reich der Goldenen Horde wurde zu einer spätmittelalterlichen Grossmacht nach dem Mongolensturm bis ins 14. Jahrhundert, das sich von Osteuropa bis nach Westsibirien erstreckte (siehe Karte). Es zerfiel dann aber aufgrund interner Auseinandersetzungen. Nach dessen Zerfall bildeten sich das Khanat Kasan und später das Khanat Sibir im 15./16. Jahrhundert.

  • Das Khanat Kasan wurde um 1437/38 von Ulug Mehmed im Zuge des Auseinanderbrechens der Goldenen Horde gegründet. Vorher hatte in Kasan bereits ein autonomes wolgabulgarisches Fürstentum innerhalb der Horde bestanden.
  • Das Khanat Sibir war ein mongolisches Khanat um das heutige Tobolsk, nach dem das Gebiet Sibirien benannt wird. Gegründet wurde es von einem legendären Khan On, dem die Unterwerfung der Chanten und Mansen zugeschrieben wird. Das Khanat vermittelte im Pelzhandel quer durch Asien und war vom kulturellen Erbe der Goldenen Horde geprägt.

Seit dem 11. Jahrhundert bestand durch Pelzhandel Kontakt mit Händlern in Wolgorod, dem damaligen Sitz der russischen Fürsten. Im 16. Jahrhundert kam es zur militärischen Eroberung Sibiriens durch die Kaufmannsfamilie Strogoroff - mithilfe von den an den Ural geflohenen Don-Kosaken. Unter Führung von Hetman (Feldherr) Jermak Timofejew stiessen diese gemeinsam 1581-1585 in die Flusssysteme hinter dem Ural vor und unterwarfen das Khanat Sibir. Im Jahre 1639 wurden der Nordpazifik und 1645 die Amurmündung erreicht. Bis dahin hatten endlose kleine und grosse Kämpfe zwischen Stämmen und Sippen dominiert, bei denen zum Teil ganze Stammesgruppen vernichtet wurden. Die dadurch gehemmte Ausbreitung und das verlangsamte Bevölkerungswachstum einer indigenen Bevölkerung führten zu einem erleichterten Eindringen. Damit kamen neue landwirtschaftliche Anbaumethoden (auch Viehzucht), neue Bauweisen und Jagdmethoden nach Sibirien. Erste sibirische Städte trugen einen Festungscharakter und entstanden an strategisch und administrativ wichtigen Orten. Besiedelt wurden sie überwiegend vom Militär, von Abenteurern und Geistlichen. Ansonsten entwickelten sich dörfliche Strukturen um einen Markt oder Handelszentren, vorerst ohne Kirchen und administrative Einrichtungen.
Ende des 16. /17. Jahrhunderts lebten etwa 300.000 Menschen in Sibirien, wobei die Urbevölkerung schon weit in den Norden oder nach Süden gedrängt worden war.

- mehr zur Geschichte: ReiternomadenDie russische Kolonisierung Sibiriens und Eroberung Sibiriens

Ureinwohner Sibiriens
Die kulturellen Eigenarten dieser Völker entstanden aus der Notwendigkeit, unter arktischen und subarktischen Bedingungen in dünn besiedelten Gebieten zu überleben. Sie betrieben Fischfang, Jagd oder Rentierzucht. Um die Weiden nicht zu übernutzen, wechselten sie mehrmals jährlich den Weideplatz, denn Gräser wachsen in diesen kurzen Sommern wenig. Die Areale sind in der Taiga nach Gewohnheitsrecht seit jeher so geordnet, dass jeder Clan bestimmte Weiden, Jagd- und Fischgründe nutzte. Von besonderer Bedeutung sind die heiliggehaltenen Plätze, wo sich Gottheiten bestimmter Gewässer und Wälder aufhalten oder wo die Geister der Ahnen wohnen.

Die Chanten, Mansen und Nenzen bewirtschafteten Westsibirien an den Flüssen Ob und Irtysch. Traditionell lebten sie von Jagd, Fischfang und Rentierzucht. Nenzen leben auch auf der Jamal-Halbinsel (siehe Karte). Ein Grossteil lebt heute noch in Nomadenzelten oder in kleinen Dörfern in der Tundra und Taiga. Rentierzucht ist ihre wichtigste Wirtschaft. Neue Förderprojekte erschliessen bislang wenig stark industrialisierte Regionen, wie die Inseln im äussersten Nordosten. Auf der Insel Sachalin leben Angehörige der Nivchen, Nanai, Oroken, Orochen und Ewenken und auf Kamtschatka die Itelmenen. Sie leben grösstenteils als Selbstversorger, Fischer, Rentierhirten oder vom Sammeln von Wildpflanzen. Die Nivchen sind traditionell Fischer. Die Orochen waren Fischer und Jäger. Die auf Sachalin lebenden Ewenken sind heute teils sesshafte Rentierzüchter. Domestizierte Rentiere dienen als Reit- und Lasttiere, wilde werden gejagt. Sie waren einst sesshafte Fischer und Jäger. Die meisten leben heute wieder auf dem Festland, nur noch eine kleine Gruppe auf der Insel Sachalin.
Völker Sibiriens
Seit der Bronzezeit ist der Süden Sibiriens besiedelt und zeichnet sich durch hochentwickelte Kulturen aus (im Minusinsker Becken, am oberen Jenissej oder im Altaigebirge). Es folgten Wanderungen der Stämme und territoriale Auseinandersetzungen. Die aus diesen Siedlungsinseln ausgeschwärmten Gruppen entwickelten sich zu eigenen Völkern. Diese Völker weisen keine ethnische Einheit auf, sondern unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Herkunft und ihrer zugehörigen Sprachfamilie.
  • Finnisch-Ugrische
  • Samojedische
  • Jenissej
  • Tungusische
  • Mongolische
  • Turksprachige
Geprägt und assimiliert wurden diese Urvölker von eingewanderten Gruppen wie den Finno-Ugriern, den Samojeden, den Mandschu-Tungusen und später den turkischmongolischen Völker. Diese Einwanderer werden als Neosibirier bezeichnet (in der Regel mongolid geprägt) und stehen den Paläosibiriern gegenüber, die sich durch kleine, tiefliegende Augen und einen gedrungenen, stämmigen Wuchs auszeichnen. Während einer ersten Einwanderungswelle, v.a. durch tungusische Ewenken und Ewenen, wurde der Taigagürtel besetzt. Später wurden diese Völker bis an den Polarkreis gedrängt. So haben in die Baikalregion eindringende mongolische Burjaten einen Teil der Sojonen (siehe auch unter Tuwa) und hier bereits siedelndes Turkvolk assimiliert.

Die Paläosibirier (Tschuktschen, Korjaken, Itelmenen u.a.) bilden heute die „Kleinen Völker“. Die Völker Sibiriens können unterteilt werden in die „nördlichen Völker“, die heute im äussersten Norden Sibiriens siedeln, und die „südlichen Völker“, dazu gehören die Burjaten, Altaier, Jakuten und Tuwiner.

Obwohl die Einzelnen ziemlich unterschiedliche geschichtliche und sprachliche Wurzeln haben, gibt es unter ihnen eine Vielzahl kultureller Gemeinsamkeiten. So sind es eher geographische und klimatische Gegebenheiten als ethnische Abstammungen, die z. B. die Erwerbsformen bestimmten. Seefischerei, Binnenfischerei, Jagd und Rentierzucht - in unterschiedlicher Gewichtung - sind traditionelle Erwerbszweige der Völker des Nordens. Pelztierzucht kam während der Kolonialisierung durch die Russen hinzu. Landwirtschaft wird praktisch nur von denjenigen betrieben, die südlich der Dauerfrostgrenze leben, den Kareliern, Komi sowie einem Teil der Chanten und Jakuten. Die in südlichen Gebieten lebenden Jakuten und Ewenken betrieben einst Rinder- und Pferdezucht. Die Methoden der Ausübung solcher Erwerbsformen, das Fertigen von traditionellen Gerätschaften und Kunsthandwerk blieben selbstverständlich von Volk zu Volk und von Region zu Region unterschiedlich. Neuere Formen wie Malerei und Literatur entstanden erst seit der Eroberung durch die Russen.
- mehr Informationen zu: Die südlichen VölkerDie nördlichen Völker

Religionen
Eine Kolonialisierung Sibiriens im 17. Jahrhundert bot seit Einführung des Buddhismus über die Mongolen und des Islams durch Timur Lenk erstmalig eine Basis einer Missionierung unter Russisch Orthodoxen. Ein erstes Erzbistum wurde 1620 in Tobolsk jenseits des Urals gegründet.

Anfänge einer Christianisierung entstanden ab 1570. Eine erste Kirche wurde 1586 in Tjumen errichtet. Die Verbreitung des christlichen Glaubens beruhte nicht immer auf Freiwilligkeit. Es gab Zwangsbekehrungen, und die Kirche wurde vom Staat als Instrument zur Kolonialisierung eingesetzt. 1653 kam es zur Kirchenspaltung, dem Raskolniki (1). Um den orthodoxen Glauben um den Staat zu festigen, hatten Zar Alexej Michailowitsch und der Patriarch Nikon eine Kirchenreform durchgeführt, deren Grundlage eine Korrektur in der Liturgie war, die angeblich fehlerhaft übersetzt sein sollte. Obwohl es sich äusserlich nur um Lappalien handelte (Kirchenprozession gegen und nicht nach der Sonne, dreimaliges anstelle zweimaligen Halleluja-Singen, Bekreuzigen mit drei anstelle von zwei Fingern), brachten diese Korrekturen eine beträchtliche Opposition auf. Es bildete sich das Lager der Altgläubigen, die sich strikt gegen die Reformen wehrten und darüber hinaus meist auch Gegner der Zarenherrschaft an sich wurden. In den folgenden Jahren wurden viele Altgläubige verfolgt oder umgebracht. Es setzte eine Wanderungswelle der sogenannten „Raskolniki“ nach Sibirien ein.
  • (1) Altgläubige (Altorthodoxe) – Raskolniki (Abspalter)
    Unter dem sogenannten sanften Zaren Alexej Michajlowitsch (1645-1676) hatte der Patriarch Nikon (1605-1681) versucht, die Liturgie von eingedrungenen Widersprüchen zu reinigen und auf die Riten der byzantinischen Kirche zurückzugreifen, was auf heftigen Widerstand vieler Altgläubiger gestossen war. Im 17. Jahrhundert wurden diese im zaristischen Russland verfolgt und siedelten sich vor allem in den Randbereichen des Reiches oder im Ausland an. Sie drangen weit in den Sibirischen Raum ein, wo sie in Abgeschiedenheit Siedlungen erstellten.
Der Buddhismus wurde im 17./18. Jahrhundert über die mongolische Grenze nach Russland gebracht, mit dem Lamaismus und mit dem Dalai Lama als geistlichem Oberhaupt.
Religiöse Reformen im 18. Jahrhundert unter Zarin Elisabeth folgten. Sie befreite Klöster von Steuern und Abgaben und die Mönche vom Wehrdienst. Bis in die 30iger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Buddhismus in Russland toleriert. Unter Stalin kam es zu einer gezielten Verfolgung aller Glaubensanhänger: 250 Tempel und 50 Klöster wurden zerstört, und Tausende von Mönchen wurden ermordet. Die mongolische Schrift wurde verboten und 1931 durch eine lateinische und später, 1939, durch die kyrillische Schrift ersetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden zwei Klöster wieder eröffnet: 1946 das Ivolginski-Kloster bei Ulan-Ude und das Aginsk-Kloster bei Chita. Seit 1991 gibt es eine Wiedergeburt des Buddhismus in Burjatien.
  • Der Buddhismus war in Form mehrerer Schulen ins Tarim-Becken und nach China gelangt und übertraf zahlenmässig die Nestorianer und Manichäer. Man bediente sich nun buddhistischer Rituale. In der Kunst wurde beispielsweise die Lotosblume, das Symbol der Reinheit, als Basis für das Kreuz übernommen.
    Dennoch, Grundwerte
    christlichen Bekenntnisses blieben im Sinne der von Missionen der Ostsyrer bewahrt.
- Hauptpunkt des Nestorianismus in der Lehre war, dass es in Jesus Christus eine Person mit einer göttlichen Natur und eine Person mit einer menschlichen Natur gegeben habe. Jedes zugeordnete Attribut und jede Handlung des inkarnierten Christus können dabei einer dieser Personen zugeordnet werden. Beide Personen sind lediglich durch das Band der Liebe verbunden.
- Der Manichäismus war eine stark vom Gedankengut der Gnosis beeinflusste Offenbarungsreligion der Spätantike und des frühen Mittelalters. Man verlangte von Anhängern Askese und ein Bemühen um die Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt.
Der Manichäismus ist nach seinem Gründer, dem Perser Mani (216–276/277), benannt.
- mehr Informationen zum Buddhismus in der Mongolei

Glaubensmission der Christen und Islam in Zentralasien und China
Die Grenze zwischen dem Römischen oder Byzantinischen Reich und dem feindlichen Persien stellt für die Ausbreitung des Christentums nach Osten kein Hindernis dar. Das Christentum gelangte zunächst vornehmlich durch syrische und persische Kaufleute nach Osten. Das verzweigte Netz der Seidenstrasse erschloss alle wichtigen Regionen Zentralasiens nicht nur für den Warenaustausch sondern auch für die Ausbreitung der Religionen und Kulturen. Die Handelsmetropole Merw besass seit dem 4. Jahrhundert eine christliche Gemeinde und wurde bald zur Metropolie erhoben, so dass schon sehr früh ein weit östlicher Vorposten bestand. Bekehrte Sogdier halfen als Kaufleute in Merw, West- und Ostturkestan, in der Mongolei und China bei der Verbreitung des neuen Glaubens. Der Katholikos-Patriarch Timotheos I. (780-823) war von grösster Bedeutung, da er die Mission systematisch zu organisieren suchte. Er sorgte für die theologische und sprachliche Ausbildung dieser Missionare. Im 13. und 14. Jahrhundert gab es sogar in der Mandschurei bis hin zur Küste Gemeinden. Zahlreiche Textfunde (in Turfan, Dun-huang u.a.) von christlichen Gattungen geben Auskunft über Beziehungen zum Christentum in Byzanz und Ägypten. Das Syrische blieb offizielle Kirchensprache und wurde zumindest in wichtigen Liturgieteilen verwendet.

Ein Aufstieg des Islams endete mit dem Ilkhan Ghazan (1295-1304), unter dessen Herrschaft die Mongolen in Persien islamisiert wurden. Die Folgen der Schwarzen Pest und die Zerstörungswut Timurs († 1405) besiegelten Ende des 14. Jahrhunderts den raschen Untergang der Minderheitenreligionen in Zentralasien. Die
Nestorianer mussten sich ins Bergland Nordmesopotamiens zurückziehen, wo sie bis heute um ihr Überleben kämpfen.

Shamanismus
Eine wesentliche kulturelle Gemeinsamkeit ist die traditionelle Religion, die vor der russischen Kolonialisierung ausschliesslich aus Formen des schamanischen Animismus bestand, dem Glauben an eine beseelte Natur, also an die Existenz von geistlichen Wesen in allen natürlichen Objekten und Kräften. Der Mensch kann mit diesen Wesen in Kontakt treten, und sie mit ihm. Die Geister der Natur können vom Schamanen, der eine Zeit der Bewusstseinsausbildung durchlebt hat, im Trancezustand (Ekstase) bewusst aufgesucht werden, indem seine Seele den Körper zeitweilig verlässt und sich auf eine andere Wirklichkeitsebene begibt, die den gewöhnlichen Menschen weitgehend verschlossen ist. Diese Ekstase wird durch Trommeln und monotonen Sprechgesang hervorgerufen, nur in Ausnahmefällen - soweit bekannt - wurden Drogen benutzt.

Der Schamane begibt sich auf derartige Seelenreisen, um im Falle von Krankheiten oder anderen Nöten mit den Geistwesen verschiedener Wirklichkeitsebenen Abhilfe auszuhandeln, meist gegen den Preis gewisser Opfergaben. Diese Reisen können für den Schamanen gefährlich sein; nicht selten ist es geschehen, dass die Seele nicht in den Körper zurückkam, und der Schamane starb. Oft jedoch ist das Vorhaben gelungen und Nöten wurde abgeholfen oder Kranke wurden erstaunlich schnell geheilt. Dabei spielten natürlich auch Naturheilkunde, die Anwendung natürlicher Medizin und Behandlungsmethoden mit verschiedenen Kräutern, eine Rolle. Eine zentrale Wirklichkeitsebene, in der sich der Schamane auskennen muss, ist die der Schutzgeister. Das sind Wesen, meist in Tiergestalt, unter denen der Schamane Verbündete wählt, damit diese ihm bei den gefährlichen Reisen in die Welt der Toten oder gar in die der Schöpfergestalten zur Seite stehen. Die Bezahlung für diese Schutzgeister waren Opfergaben. Das Weltbild des schamanischen Animismus der nordischen Völker ist, wie auch das der amerikanischen Indianer und anderen Naturvölker, das einer ausgeprägten Balance mit der Natur. Alles, was geschieht, hat Folgen und Auswirkungen. Nur begnügt sich die Anschauung nicht damit, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung in der Ebene der mit dem Verstand erfassbaren Welt zu suchen. Durch die Praktizierung des Schamanismus, also eine Veränderung von unerwünschten Zuständen durch die aktive Beeinflussung von Geschehnissen auf anderen Wirklichkeitsebenen, waren diese Völker der modernen Ökologie einen gewaltigen Schritt voraus. Das Unverständnis der "modernen" Welt, das weitgehend auch heute noch anhält, hat einen grossen Teil dieses Wissens bereits verloren gehen lassen. Offiziell wird kein Schamanismus mit gefährlichen Seelenreisen mehr praktiziert, obwohl die Hoffnung besteht, dass diese Kunst inoffiziell überlebt hat; in welchem Grad, das bleibt ungewiss. Unter einer Vielzahl von Völkern wie z.B. Ewenken, einigen samojedischen und paläosibirischen Gruppen ist diese Naturreligion jedenfalls noch am Leben.

Eine wichtige Rolle spielten die Schamanen auch als Medizinmänner und als Bewahrer wichtiger Stammestraditionen. In der Kosmologie der Schamanen werden eine Ober-, eine Mittel- und eine Unterwelt unterschieden, die durch den Weltenbaum in Gestalt einer Lärche und den Weltenfluss verbunden sind. Der Baum dient dem Schamanen bei seiner Reise in die Ober- oder Unterwelt. Die Seelen der Stammesmitglieder reisen von der Oberwelt, dem Ort des Ursprungs, entlang des Flusses in die Mittelwelt, das Diesseits (weiter flussabwärts liegt das Reich der Toten).
- weitere Informationen zum Schamanismus: Religion der Urvölker Sibiriens
- weitere Informationen zum Schamanismus: Schmanisums (Tengerismus) in der Mongolei


Abstammung und Sprache
Zu den Völkern des Nordens gehören zwei Hauptgruppen. Die eine besteht aus den Nachkommen alteingesessener Völker, die das Land bewohnt haben, solange wir die Geschichte kennen. Wann sich die ersten Menschen in der Tschukotka niederliessen, ist nicht bekannt, doch wird aufgrund archäologischer Funde angenommen, dass die ersten Bewohner, wie auch im amerikanischen Kontinent, über die Beringbrücke eingewandert sind. Diese in die Tschukotka Eingewanderten sind daher auch mit jenen in Alaska verwandt, nicht nur hinsichtlich der gleichen geographischen Beschaffenheit, sondern auch hinsichtlich ihrer Abstammung. Dies wird durch eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit amerikanischen Eingeborenen und einigen anderen Volksstämmen bestätigt. Die Besiedlung erfolgte unter rauen Klimabedingungen. In Ostsibirien herrschte die letzte sogenannte "sartanische Eiszeit (1)“.
  • (1) Die Sartan-Eiszeit 12.000 (13.000) bis 23.000 (25.000) Jahre vor heute. Eine Besiedlung Amerikas wird auf die Zeit von 13.000 bis 14.000 v. Chr. zurückgeführt. Wissenschaftler aus Russland sagen: "Wir haben Zeugnisse für eine Siedlung am Jana Fluss (siehe Karte) gefunden: aus dem Jahr 27.000 v. Chr. und älter. Eine Mehrheit von Wissenschaftler geht davon aus, dass eine Migration in Asien von einer kleinen Bevölkerungsgruppe ausgeht, die nach der letzten Gletscherbewegung in der Beringstrasse überlebt hat, wo eine "Land Brücke" bestand. Nach der Theorie sollen diese aus gemeinsamen Vorfahren stammen, die in Asien isoliert wurden, nachdem die Gletscher geschmolzen waren - vor etwa 5000 Jahren. DNA-Studien zeigen ein Bild, dass Indianer nicht direkt von asiatischen Völkern stammen. Sie sind eine eigenständige Gruppe mit gemeinsamen Vorfahren. Aufgrund eines genetischen Markers in der DNA des modernen amerikanischen Ureinwohners, der keine biologische Funktion hat, wurden in 41 Populationen, die von Alaska bis zur Südspitze von Chile reichen, wie bei den Inuit aus Grönland, den Tschuktschen und Korjaken Anzeichen dafür gefunden. Diese fehlen aber in allen übrigen eurasischen, afrikanischen und ozeanischen Gruppen. Somit müssen Ur-Einwohner Amerikas, Inuit und solche, die westlich der Beringstrasse siedeln, von gemeinsamen Ur-Ahnen stammen, die in Asien über Tausende von Jahren isoliert waren, bevor sie in die Neue Welt zogen.

  • Native Americans und Völker des Nordens in Sibirien haben gemeinsame Vorfahren!

    Seit zwei Jahrzehnten diskutieren Forscher auf der Grundlage genetischer Daten, ob die Vorfahren der Indianer als „Emigranten“ in die Neue Welt in einer oder mehreren Wellen zugewandert sind oder ob sie von einer angestammten asiatischen Urbevölkerung oder einer Reihe von verschiedenen zugewanderten Völkern abstammen.
    Nach sorgfältigen Vergleichen von DNA-Proben moderner „Native Americans“ und „Eurasischer Gruppen“ erkennt ein internationales Team von Wissenschaftlern ohne Ausnahme, die diese Theorie belegt, dass eine angestammte Bevölkerung gemeinsame Vorfahren haben müsste. Die Forschung liefert deutliche Hinweise darauf, dass in der Regel „Native Americans“ enger zueinander stehen als zu allen bestehenden asiatischen Bevölkerungen, mit Ausnahme jener, die am Rande der Beringstrasse leben, erklärt Kari Britt Schroeder, Dozent an der „University of California“ und erster Autor dieser Studie. Diese Studie wurde in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Molecular Biology and Evolution“ veröffentlicht.
    Frühere Studien haben bereits Schlussfolgerungen unterstützt, dass Daten nicht einfach mit mehreren angestammten Bevölkerungsgruppen in Einklang gebracht werden können. Diese Arbeit knüpft an frühere Studien an, die eine einzigartige Variante (ein Allel) eines genetischen Markers in der DNA des modernen amerikanischen Ureinwohners gefunden haben. Die Synchronisierung des "9-Repeat-Allel" der Variante (die nicht eine biologische Funktion haben muss) trat bei allen 41 Bevölkerungsgruppen, die sie von Alaska bis zur Südspitze von Chile abgetastet haben, sowie bei den Inuit aus Grönland, und auch bei den Tschuktschen und Korjaken, auf. Dabei handelt es sich um Menschen, die ursprünglich aus der asiatischen (westlichen) Seite der Beringstrasse siedelten. Doch das Allel war in allen 54 eurasischen, afrikanischen und ozeanischen Gruppen, die das Team abgetastet hatte, nicht vorhanden. In diesen früheren Studien schlossen die Forscher mit ein, dass eine einfachste Erklärung für dieses Vorhandensein des „9-Repeat-Allel“ wäre, dass alle „Native Americans“, Grönländer und westlich der Bering siedelnden Völker von einer gemeinsamen Urbevölkerung stammen; sowie auch die Tatsache, dass das Allel in anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen wahrscheinlich dazu geführt hatte, dass Amerikas Vorfahren als Zugewanderte von einer Restbevölkerung aus Asien stammen – innerhalb einer Zeitspanne von Tausenden von Jahren und durch Isolierung, bevor sie in die „Neue Welt“ eingewandert sind: das heisst, für einen Zeitraum, der lange genug war, um das Allel zu behalten und sich in dieser isolierten Urbevölkerung zu verbreiten.

Alle diese Völker haben eine unterschiedliche Herkunft und gehören verschiedenen Sprachgruppen an. Einige sehr kleine Gruppen sind auch erhalten geblieben: Die Keten am mittleren Jenissei (gehören zur finno-ugrischen Sprachgruppe), die Niwchen im nördlichen Teil Sachalins und an der Amur-Mündung am Ochotskischen Meer (1) sprechen eine paläo-sibirische Sprache. Ebenfalls zu alteingesessenen Gruppen kann man die Inuit (Eskimos) und Aleuten zählen, deren Sprachen jedoch einer eigenen Sprachfamilie angehören.
  • (1) Ochotskisches Meer – Es liegt zwischen Ostsibirien im Nordwesten, Kamtschatka im Nordosten, den Kurilen im Südosten, der Insel Hokkaido im Süden sowie Sachalin im Südwesten. Die Anrainerstaaten dieses Meeres sind Japan und Russland. Der Tatarensund nördlich und die Strasse von La Pérouse südlich von Sachalin verbinden das Ochotskische Meer mit dem Japanischen Meer (siehe Karte).
Eine spezielle Stellung nimmt das Volk der Ainu auf dem südlichen Sachalin, den Kurilen-Inseln und der nördlichen Hokkaido Insel (Ezo) in Japan ein; sie gehören zum europiden Zweig, während die anderen Völker des Nordens ausschliesslich zum mongoliden gehören. Eine nicht bestätigte Tatsache besagt, dass die Ainu eine Urbevölkerung der japanischen Inseln bildeten, bevor die Japaner vom asiatischen Festland einwanderten. Ihre Sprache steht sehr isoliert. Tatsächlich gab es mehrere japanische Urvölker. Ursprünglich waren sie Jäger und Sammler, die ältesten archäologischen Funde werden auf etwa 18.000 v. Chr. (also noch ins Pleistozän Zeitalter – dies begann vor etwa 2,588 Millionen Jahren) datiert, wobei hier wiederum umstritten ist, inwieweit diese Funde der Jomon-Kultur mit den Ainu in Verbindung stehen. Auf russischem Gebiet leben heute praktisch keine Ainu mehr. Offiziell tauchten sie zuletzt in der Volkszählung von 1926 auf, als sich 32 Menschen zu diesem Volke zählten.

Die andere Hauptgruppe sind Völker, deren Ursprung im zentralen Asien liegt. Sie verdrängten bei ihren Einwanderungswellen vor und während des Mittelalters die paläosibirischen Völker, oder sie vermischten sich mit diesen und auch untereinander. Ihre Angehörigen sprechen ural-altaische Sprachen und gehören damit einer Sprachfamilie an, in die u.a. auch Mongolisch, Turkisch, Ungarisch und Finnisch eingehen. Östlich des Jenissei herrscht die altaische Sprachgruppe vor, d.h. die Turkvölker wie die Jakuten, Dolganen und - weiter südlich - die Karagassen sowie die Tungusischen Völker der Ewenken, Ewenen, Golden, Giljaken, Nanaien, Negidalen, Udegen, Orotschen, Oroken und Ultschenen. Westlich des Jenissei, bis hin zum Land der Samen im europäischen Norden, sind Völker der uralischen Sprachgruppe zu Hause, mit einem - von West nach Ost - finnischen Zweig (Samen, Karelier, Komi), einem ugrischen Zweig (Chanten, Mansen) und einem samojedischen Zweig (Nenzen, Selkupen, Enzen, Nganasanen). Die meisten dieser Völker bilden heute kleine Minderheiten in ihren alten Heimatgebieten. Ausnahmen sind die Karelier, die Komi und die Jakuten, die mehr oder weniger immer noch die Mehrheit der Bevölkerung ihrer Heimat bilden und in autonomen Republiken mit einem gewissen Grad an einer Selbstverwaltung innerhalb der Russischen Föderation leben.
- mehr Informationen: Das Proto-Uralische im Sibirischen Raum - siehe im Abschnitt „Die nördlichen Völker

Eingriff in die traditionelle Lebensform während der Sowjetzeit
Während der kommunistischen Ära kam es zu tiefgreifenden, zum Teil irreversiblen Eingriffen in die Lebensweise der Urbevölkerung in Sibirien. Ziel war es, den Nomadismus als Lebensweise abzuschaffen.
In den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Kollektivierung in Form von staatlichen Kolchosen ohne Rücksicht auf die bisherigen Eigentumsverhältnisse eingeführt. Sippen und Familien wurden zu Brigaden zusammengeschlossen, in denen sie nicht mehr für den eigenen Lebensunterhalt, sondern im Auftrag für den Staat arbeiteten. Die sozialistische Vorgabe wurde von vornherein über die nationalen Interessen gestellt. In einem „Feldzug gegen die Rückständigkeit“ wurden eine verwurzelte Urreligion, Volksmedizin und alte Bräuche bekämpft, um eine Eliminierung aller ethischen Unterschiede zu erreichen. Das Annehmen russischer Vor- und Nachnamen wurde erzwungen, was häufig mit dem Verlust der eigenen Identität einher ging. Der steigende Alkoholkonsum zeigte verheerende Wirkungen, und es entstand ein "Lumpenproletariat". Nach dem Verbot der Muttersprache der Völker 1950 wurde in den Schulen ausschliesslich Russisch unterrichtet. Aber auch zu Hause waren die Eltern gezwungen, mit ihren Kindern Russisch zu sprechen. So kam es zu einem weitgehenden Verlust der Muttersprache. Ab 1960 wurde für alle Kinder ein obligatorischer Unterricht in Internaten eingeführt. Selbst wenn die Kinder im gleichen Ort wohnten, mussten sie dort für zehn Monate abgegeben werden. So verbrachten sie den grössten Teil ihrer Kindheit und Jugend in Einrichtungen, in denen keine Rücksicht auf nationale Eigenheiten genommen wurde. Das Fehlen einer finanziellen Unterstützung für Kulturarbeit ist ein Hemmschuh für einen kulturellen Neuanfang. Die Mehrzahl der ländlichen Kulturhäuser, Bibliotheken und Schulen befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Die traditionellen Folklorefeste und kunsthandwerklichen Erwerbszweige verschwanden.
Die hemmungslose Industrialisierung mit Abbau der Rohstoffe in Sibirien wird fortgesetzt. Der Norden ist reich an Wald, Kohle, Öl, Gas, Metallen und anderen Rohstoffen. Riesige Gebiete werden der Bevölkerung geraubt. Bergwerke, Bohrtürme, Strassen, Fabriken, Kahlschläge, neue Industriestädte und Wasserkraftwerke schiessen aus dem Boden, wo zuvor Jagd- und Weidegrund gewesen waren. Giftstoffe fliessen ungehindert in die Natur.

Wichtige Anlaufstellen für die Rechte Indigener Völker:
GfbV - Gesellschaft für bedrohte Völker in Deutschland
WGIP - UN-Working Group for Indigenous Populations
RAIPON - Russian Association of Indigenous Peoples of the North, Siberia and the Far East
© Albi – März 2014 – lektoriert von Hermelinde Steiner - Dezember 2014
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