Face Music - Projects - Tsam Dance Mongolia
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P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016



- Text in German

Dieses Tanzspiel mit den Masken ist ein pantomimisches Mysterienspiel und dessen Aufführungen zählen zu den feierlichen Gottesdiensten der Buddhisten. Das Wort ist tibetischen Ursprungs und bedeutet "Tanz".
Zusammenfassende Informationen betreffend dieser Maskenkultur in den lamaistischen Ländern gibt es nicht. Es war einerseits nicht möglich an das Material heranzukommen, insbesondere in Tibet. Vor allem sind umfassende Manuskripte im Besitz der Rotmützen (Rote Kirche), der nicht reformierten Mönche. Andererseits wird man in Zukunft nicht mehr über dessen Geschichte und Entwicklung erfahren, da Material einer Zerstörung ausgesetzt war, wie es die Ereignisse in Tibet zeigten. Auch in der Mongolei fand in den 30iger-Jahren eine solche Zerstörung statt. Zwischen 1932-1938 wurden etwa 700 Klöster von Aufständischen in Schutt und Asche gelegt und viele Mönche ermordet. Vorhandene Reiseberichte sind unvollständig.
Einigen Forschern ist es zu verdanken, dass heute gesammeltes Material vorliegt. Dazu gehören Namen wie Professor Grünwedel, die Russen Aleksej Pozdnejev und Vladimircov, die Burjaten Cybikov und Baradijn, der Oesterreicher René von Nebesky-Wojkowitz. Von deutscher Seite waren es Wilhelm Filchner, Wilhelm A. Unkrig, Robert Bleichsteiner und Professor Matthias Hermanns.
Einen Einstieg zu ausführlicheren Informationen findet man in den Büchern:

- Heinz Lucas: Lamaistische Maske. Der Tanz der Schreckensgötter. Erich Röth-Verlag, Kassel 1962.
- Werner Forman und Bjamba Rintschen: Lamaistische Tanzmasken. Der Erlik-Tsam in der Mongolei. Koehler & Amelang Verlag, Leipzig 1967.
(Leider sind beide Bücher in Deutsch verfasst und heute vergriffen)

Gefilmt wurden Maskentänze an Ort und Stelle vom Russen Pudovkin in "Sturm über Asien"; von Lieberenz in "Mit Sven Hedin in Asiens Wüsten"; von Filchner in "Om ma ni pad me hum" (es ist das ständige Gebet der Lamaisten: "Om, o Kleinod im Lotus, Hum") und in "Mönche, Tänzer und Soldaten"; von Schäfer und Harrer in "Lha rgyal lo" ("Die Götter haben gesiegt").


Geschichtliche Entwicklung

In Tibet wurden seit Urzeiten Mysterienspiele und Kulttänze abgehalten, bei denen prächtige Masken getragen werden. Zu bestimmten Festtagen des Jahres wird ein solches Maskenspiel aufgeführt. Daneben gibt es auch Zauberzeremonien (Tantrismus), bei denen man ebenfalls Masken verwendet.
Das Spiel ist vermutlich ein Relikt uralter Fruchtbarkeits- und Bannrituale. Soweit wir die Frühzeit Tibets überblicken können, wurden Tanzspiele mit Masken anlässlich des Neujahrs- und Frühlingsfestes und auch bei der Sonnenwende gefeiert. Im Bontum galten die Neujahrstänze als Symbol des siegreichen Kampfes der Kräfte des Guten gegen das Böse und als Veranschaulichung des nahenden Sieges des Frühjahres über die dunklen Gewalten, die Herrscher des langen tibetischen Winters. Zur Neujahrszeit wurden einst Menschen und Tiere geopfert, um die Geister und Dämonen günstig zu stimmen und ihr Wohlwollen für die Tage des neuen Jahres zu sichern. Das alttibetische Mysterienspiel wurde von den damaligen Bekennern des Bonglaubens als "Der Tanz des roten Tigers" bezeichnet. Ein anderer alter Bontanz ist "Der Tanz des weissen Dämons", als dessen Schöpfer Schenrabmibo (Begründer der späteren Form des Bontums) genannt wird.
In Schriften von Agwangchädub (ein Gelehrter und Haupt der Mönchsgemeinde, der im 19. Jahrhundert im Kloster von Urga lebte) wird erwähnt, dass diese Maskenspiele aus Indien stammen, wo im Altertum besondere Akteure (zum Teil Berufsschauspieler) mit Masken und in der Kleidung der Götter oder Dämonen tanzten und Dialoge vortrugen.
Der Lamaismus, eine Abart des nördlichen Buddhismus, drang im 7. Jahrhundert in Tibet ein. Er hatte die alten Bonformen zwar nie ganz auszutilgen vermocht. Deshalb spannte man den Sinn der alten Mysterienspiele für eigene Zwecke ein. Sollten früher die Tanzspiele den Sieg des Lichtes über die Finsternis darstellen, so wurden sie nun als Triumph und Sieg des Lamaismus über die heidnische Welt des Bonglaubens eingesetzt.
Eine bedeutende Umgestaltung der Tanzspiele war nur die Abschaffung des bisher ausgeübten Menschenopfers, weil dieses mit der buddhistischen Auffassung über das Leben und seine Wiedergeburt nicht zu vereinbaren war. An Stelle des Menschen wurde nun eine Figur aus Teig geopfert. Anklänge an frühere Zeiten findet man nur noch bei gewissen Maskentypen oder Maskenriten wie beispielsweise beim Kriegsgott (Jamsran) mit seinen Trabanten (die Schwertträger) oder beim Opferritual (Linga). Ferner wurden die Anlässe und die Zeiten der Aufführungen von Tänzen geändert. Die alten Tanzspiele wurden zum Neujahrs- oder Sonnenwendfest abgehalten. Die Lamaisten verlegten die Tänze unter anderem auf den Geburtstag Padmasambhavas, des buddhistischen Missionars in Tibet. (Er war ein indischer Religionslehrer und Mystiker und auch der Gründer des Klosters Samye (770 n. Chr.) in Tibet.)
Mit der Aufführung "des heiligen Tanzes der Masken", dem mythischen Tanz der furchteinflössenden Gottheiten, versuchte Padmasambhava damals die heidnischen Götter und Geister, die Herren der Gegend, umzustimmen, damit den Erbauern des Klosters kein Schaden zugefügt werde. Es entstanden später zusätzliche Spiele, die zu verschiedenen Jahreszeiten und anderen Festlichkeiten und auch in anderen, neu erbauten Klöstern in ganz Tibet abgehalten wurden. Jedesmal wurde der Tanz etwas anders gestaltet. Ein klares Unterscheidungsmerkmal brachte jedoch erstmals die Wechselgespräche. Zum bisherigen und ursprünglichen Tanz gehörten keine Zwiegespräche. Er bestand nur aus Pantomimen. Die aufführenden Masken sprachen nur leise für sich Beschwörungsformeln (Tarni).
Der Uebergang von einer reinen Kulthandlung zum Theater hat mit diesen Wechselgesprächen im Tanzspiel begonnen. Aber hier durften nur die komischen oder menschlichen Rollen sprechen. Ferner kommen hier nicht mehr ausschliesslich Götter und Dämonen zur Darstellung, sondern auch Menschen. Zudem sind die Tänzer nicht mehr nur Mönche, sondern es sind auch Laien darunter. Damit ist besonders auf das
Milaraspa-Tanz-Spiel hinzuweisen (mongolisch: Milaräba-Tsam). Mehr Informationen hierzu später.
Das Tanzspiel verfolgte folgenden Zweck: Die Wesen, welche den Weg der geheimnisvollen Dharanis beschritten haben und ihren Geist aus den Fesseln "der Anhänglichkeit an die Materie" zu erlösen trachten, müssen ausser der eingehenden Beschäftigung mit den grundlegenden und abschliessenden religiös-ethischen Uebungen auch danach streben, ihre sündhaften Handlungen aufzugeben. Das tun sie mit Uebungen des Niederwerfens, der Umkreisung der buddhistischen Heiligtümer und der Pflege des Maskentanzes. Eine anschliessende Opfergabe hat zu erfolgen und soll die Buddhas der Zehn Lande erfreuen. Ausserdem sollen die Tänze die Gläubigen an den Tod gemahnen, an die Nichtigkeit des menschlichen Lebens. Sie erinnern an die Seelenwanderung, an den natürlichen Kreislauf und die Wiedergeburt.
Die nicht zu Frieden kommenden, umherirrenden Seelen machen während ihres neunundvierzig Tage dauernden Aufenthalts in diesem "Bardo" ("zwischen zwei Zuständen", auch "Land der Begriffsverwirrung" genannt) verschiedene Entwicklungen durch, bis sie zu einer Wiedergeburt gelangen. Hier im "Bardo" werden die Seelen von den dämonisch aussehenden Schutzgottheiten verfolgt. Damit die Gläubigen schon auf Erden und zu Lebzeiten sich an ihren Anblick gewöhnen können, werden diese schrecklich aussehenden Retter im Tanzspiel vorgeführt. Auf diese, ihnen gut gesinnten "Beschützer der Religion", haben die Seelen zu hören, um zu einer höheren Wiedergeburt zu gelangen und sich nicht von der schön aussehenden Scheinwelt blenden zu lassen.
Ende des 14. Jahrhunderts kam es in Tibet zu einer Spaltung der Kirche, herbeigeführt durch den Mönch Tsongkhapa, einem Reformator, der sich gegen die verlotterten Mönchssitten wandte. Er gründete die "Tugendsekte" (Gelbe Kirche, uns bekannt als die Gelbmützen) und führte die gelbe Farbe als Ordenstracht ein. Sie übernahm auch die Tanzspiele. Bei ihr ist, im Gegensatz zur Roten Kirche, eine Vereinheitlichung der Spiele und der Anlässe bei Aufführungen festzustellen. Sie wurden nun nämlich in Regie- und Drehbüchern, in sogenannten Tanzbüchern genau festgehalten. Die Gestalt des Zauberers Padmasambhava und die ihm zuliebe veranstalteten Zauberzeremonien (Tantrismus) wurden von den Reformatoren abgeschafft. Man führte vielmehr die Tanzspiele wieder wie ursprünglich zur Neujahrszeit auf.
Das eigentliche Tanzspiel der Masken "Tsam", wie es heute genannt wird, wurde von ihnen erst im 16. Jahrhundert eingeführt und zwar fanden erstmals "Tsamspiele" im Pantschen-Lama-Kloster Taschilhumbo in Tibet statt.

Tanzspiele wurden aufgeführt zum:

- Butterfest. Mit Butter gespeiste Lampen werden angezündet und aus Butter gefertigte Götterbilder zur Schau gestellt
- Erinnerungsfest an den Tod der acht Heiligen aus dem Kloster Kumbum. Anlässlich seines Eroberungsfeldzuges nach Osttibet liess der chinesische Heerführer Mien Kung Ye (unter Kaiser Yung Cheng) die acht Heiligen in sein Zelt bitten und anschliessend die Köpfe abschlagen.
- Erinnerungsfest an den Tod des Königs Langdarma, des letzten tibetischen Grosskönigs. Er war ein Anhänger der Bonreligion und ein grosser Feind des Buddhismus. Der Rächer erstand in der Person des Mönchs Paldorje. Dieser näherte sich dem König auf Veranlassung der Schutzgöttin des Landes "Lhamo" in der Verkleidung eines Bontänzers und tötete ihn mit einem Giftpfeil.
- Erinnerungsfest an die Himmelfahrt des Reformators Tsongkhapa, dem Gründer der "Gelben Kirche".
- Erinnerungsfest an den Tag der ersten Aufführung eines Tsam-Spiels bei der Weihung des Klosters.

Die Hauptverbreitungsgebiete der "Gelben Kirche" waren vorab die Klöster in Nordtibet und später in der Mongolei.
Die nicht reformierten Lamaisten nennen sich heute noch "Bekenner der Alten" (Rote Kirche) und aufgrund des stark betonten Zaubercharakters (Tantrismus) kann angenommen werden, dass sie über die meisten Tanzversionen verfügen.
Im Himalayastaat Sikkim findet man wohl eine einmalige Situation im Hinblick auf das Maskenwesen des Lamaismus. Es treten dort nämlich in Maskentänzen auch Krieger mit Schwertern auf. Ihr Kriegsgott ist der Geist des Berggottes "Kangchendzönga", welcher aus einer Gruppe von fünf Gipfeln besteht (die Einheimischen nennen sie einfach: Tiger, Löwe, Pferd, Drachen und Garuda). Dieser mächtigen Berggottheit, welche das Volk täglich riesengross vor Augen hat, wird alljährlich ein Opfer und Verehrung dargebracht.
Matthias Hermanns erwähnt, dass es auch Maskenspiele in Bonklöstern und Dorftempeln gibt. Diese werden nach mündlicher Ueberlieferung aufgeführt. Das Spiel ist dem Berggott Rmargyal geweiht. Diesem Schutzgott zu ehren werden noch weitere Tanzspiele aufgeführt. Da die Bonlehre sehr eng mit Persien verknüpft ist und iranische Einflüsse auch später noch in Tibet und Innerasien wirksam waren, sind wohl Beziehungen zwischen den Mithras- und den Yama-Mysterien (Maskentänzen) möglich.


Tsam in der Mongolei

- Die Ostmongolen leben politisch gesehen auf chinesischem Gebiet, an der Grenze von Nordosttibet, zum Teil in Ost-Sinkiang und im Gebiet des Blauen Sees (Köke Nuur).
- Die Nordmongolen wohnen im Süden von Zentralsibirien und die Burjaten in der Hauptsache um den Baikalsee herum. Die West-Baikalier neigen noch zum Schamanentum. Die Süd-Baikalier oder Burjaten im Transbaikalgebiet haben den lamaistischen Glauben reformierter Prägung angenommen. Hier kennt man die Tsamspiele auch.
Wie die Burmanen, Chinesen, Japaner, Kambotschaner, Koreaner, Siamesen, Sinhalesen, Tibeter und weitere Völker in Asien gehören die Mongolen zum indisch-buddhistischen Religionskreis. Die Kultur und Kunst Chinas haben in den vielen Jahrhunderten allgemein verbreitete Traditionen geschaffen, die diese Völker heute noch mit ihnen verbindet.
Die Mongolen sind Lamaisten und kennen das Tsamspiel daher ebenfalls. Hier ist das Verbreitungsgebiet der "Gelben Kirche". In den mongolischen Klöstern war die buddhistische Kunst, bis kurz vor ihrer Zerstörung in den 30iger-Jahren, sehr hoch entwickelt und hatte auch wahre Meister unter den Malern, Bildhauern, Architekten und sehr geschickten Handwerkern.
In der mongolischen Kultur sind einige wesentliche Charakteristika erkennbar:

- Das Nomadentum beeinflusst das gesamte Leben der Hirten und der Jäger, ihren Glauben, ihre Sitten, ihre Tugenden und Laster, welche die Mongolen mit den benachbarten Turkvölkern gemeinsam haben.
- Das Fremdartige und gewissermassen Angeglichene: Es handelt sich um das Indo-Tibetische, mit dem auch eine neue Religion, der Buddhismus mit seinem erhabenen Gedankengut und mit seiner Enzyklopädie der Wissenschaft (vorab die Heilkunde) eingeführt wurde.
- Das Chinesische, das die mongolische Sprache mit einer recht bedeutsamen Terminologie bereichert hat, und welches das unter der Mandschu-Dynastie eingeführte System der Verwaltung und die chinesischen Werke betrifft, welche die philosophischen und ethischen Themen behandeln.
- In neuerer Zeit hat auch das Europäische an Einfluss gewonnen.

In der Mongolei wird ein Tsamspiel erstmals im Kloster, das dem Chutuktu von Urga (heute Ulaanbaatar), einer Inkarnation des tibetischen Heiligen Taranatha, im 16. Regierungsjahr des Mandschu-Kaisers Djia-tjing (1811) als Residenz diente. Die Kostüme und Masken wurden von mongolischen Meistern nach der Beschreibung des Werkes, das der V. Dalai Lama über den Tsam geschrieben hatte, angefertigt. Der Tsam wurde mit vier Löwenfiguren bereichert, die den Löwenmasken chinesischer Neujahrsumzüge ähneln, und ein Geschenk des damaligen Statthalters waren.


Das Klosterleben in der Mongolei

Wer nicht wollte, dass sein Sohn die Schule der Mandschu (die mandschu-chinesischen Kaiser herrschten 200 Jahre in der Mongolei) besuchte und damit als Beamter im Verwaltungsapparat endete und zum Diener dieser Herren wurde, schickte seinen Sohn zur Ausbildung in die Klosterschule. Der Wunsch vieler, eine Bildung in diesen gut organisierten Schulen zu erhalten, sicherte den Klöstern ihren Lebensunterhalt. Die Familien versorgten diese ausreichend mit Nahrung, Kleidern und anderen Rohstoffen und erhofften damit auch die Gunst der Götter positiv beeinflussen zu können.
Nach Vollendung der Ausbildung war es den Novizen freigestellt, wieder auszutreten und als Viehzüchter und Nomaden zu leben und auch eine Familie zu gründen. Einige blieben jedoch für immer im Kloster und wandten sich nun dem Erlernen eines Kunsthandwerkes zu.
Das erklärt, warum fünf Achtel der männlichen Bevölkerung in der Mongolei damals gebildet war, bis die Klöster in den 30iger-Jahren vernichtet wurden.


Mongolische Tsam-Spiele

Man kennt auch den Sprech-Tsam, das sogenannte
Milaraspa-Tsam-Spiel (mongolisch: Milaräba), so benannt nach dem tibetischen Dichter und Einsiedler (Eremit) "Mila". Darauf wollen wir später separat hinweisen.

Der
Geser-Tsam wurde im westlichen Teil der Nordmongolei, der heutigen Mongolischen Volksrepublik, im Kloster des heiligen Chutuktu Ulaguksan und im Lehnkloster des Fürsten Dalai Tschoinchor-wan aufgeführt. Diese beiden Klöster hatten auch Fakultäten zum Studium für Mystik. Der Kriegsgott Geser war zugleich der Schutzpatron der mandschurischen Kaiserfamilie, der Krieger und Herden. Er galt als Garant für Jagdglück und als Vernichter von Feinden und Dämonen. Man nennt ihn auch den "Sohn des Himmels".
Eine genaue Beschreibung der Masken, Kostüme, der Schritte und Tanzbewegungen in diesem Tsam, der den Kampf gegen und den Sieg über böse Dämonen und die Feinde des buddhistischen Glaubens und des Kaiserreichs versinnbildlichte, ist uns von Augenzeugenberichten überliefert. Während des Tanzes wurden Schüsse aus alten mandschurischen Kanonen abgefeuert. Gesers Mitkämpfer, die Recken, tanzten in prunkvollen Seidengewändern, über denen altertümliche Harnische und Kettenhemden getragen wurden.
Der Tanz der Masken war eine Pantomime, bei welcher die Darsteller durch Gesten und Bewegung den Sieg über die bösen Dämonen darstellten. Sie sprachen während des heiligen Tanzes leise für sich, die Beschwörungsformeln "Tarni", jeder für die Gottheit die er darstellte. Dieser Tanz dauerte, mit Unterbrechungen, einige Stunden. Das erforderte junge, kräftige Mönche, die diese besonders schweren Masken und Gewänder, die mit Korallen und Schmuckumhang reich inkrutiert waren, tragen konnten. Bedauerlicherweise gibt es keine Fotoaufnahmen, auch die Kostüme, die Waffen und die Masken sind nicht erhalten geblieben.

Geser-Tsam - Im Osten der Mongolei wurde ein Geser-Tsam im Kloster des Fürsten Sansaraidordschi in der heutigen Stadt Tschoibalsan (Bajan-Tumen) im Ost-Aimak der heutigen Mongolischen Volksrepublik aufgeführt. Dieses Kloster besass einen Geser-Tempel.
Heute können wir uns ein Bild über diesen Geser-Tsam aufgrund eines vorhandenen Mikrofilms über zwei Blockdruckbücher in tibetischer Sprache machen (Kopien sind an der Ungarischen Akademie der Wissenschaft in Budapest, und in der Tschechei am Orientalischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag vorhanden). Diese Werke sind bei den Mongolen unter dem Namen Geserin-Tschoingor (Geser-Lehrkreis) bekannt. Sie enthalten 94 Abhandlungen von tibetischen und mongolischen Autoren über den Geser-Kult und den Geser-Tsam.
Im 19. Jahrhundert wurden diese von Chutuktu Ilaguksan Arthasiddivadschra herausgegeben, der selbst einige Werke für diesen Geser-Lehrkreis geschrieben hatte, in welchen die Masken, die Kleidung und die Attribute der Tänzer, ihre Bewegungen und Gesten beschrieben werden. Sie enthalten ferner die Texte der Gebete und Beschwörungsformeln, die während des Geser-Tsam von den Darstellern zu sprechen sind, sowie die Geschichte des Geser-Kults im nördlichen Buddhismus.

Dschagchar-Tsam - Der Tanz des Eisernen Palastes, auch als Erlik-Tsam bekannt.

Die Hauptfigur in diesem Tsam ist der Erlik Nomun-chan, der Gesetzeskönig, auch "Tshoijoo", Todesgott genannt. Er ist die mongolische Uebersetzung für Dharmaradscha (Sanskrit) sowie der alte, von Schamanen benutzte, mongolische Name für den Todesgott, der bei Uebersetzungen von buddhistischen Texten für Yama eingesetzt wurde.
Die Literatur über den Erlik-Tsam in mongolischer Sprache wurde nie gedruckt, da sie ausschliesslich für einen engen Kreis von eingeweihten Personen bestimmt war, die mit diesem Tsam unmittelbar zu tun hatten.
Agwangchädub, ein in der Mongolei sehr bekannter buddhistischer Autor aus dem 19. Jahrhundert, berichtet über diesen Tsam und dessen Geschichte. Diese Abhandlungen blieben lange geheim.

- Beispiel 1

Tsam-Aufführung aus der Mongolei

- Beispiel 2

Tsam-Aufführung aus der Mongolei - das Erlik-Tsam aus Urga

Milaraspa-Tsamspiel (Sprech-Tsam)

Ihm liegen Legenden aus dem Leben des berühmten Dichters und Einsiedlers der roten Kirche, Mila mit dem Baumwolltuch, zugrunde. Der Tsam enthält bereits Wechselreden mit den Schauspielern, wofür es auch handgeschriebene Textbücher gibt. Das bekannteste heisst: "Tanz des Donnerkeilbeschützers"
Das Milaraspa-Tsamspiel, in der Mongolei
Milaräba-Tsam genannt
Es war verhältnismässig weniger verbreitet und die Rollen wurden nur sprachgewandten und rechtschaffenen Mönchen zugeteilt. Es traten auch nur wenige Darsteller auf, meistens zwei und dies ohne Masken; einer spielte den Eremiten Milaräba und der zweite den Jäger Gombordordschi. Diesem Spiel liegen die gleichen Abhandlungen zugrunde wie in Tibet. Einflüsse sind heute im mongolischen Theater nicht nur zu erkennen, sonders ist auch von ihnen geprägt worden.

- Als ein vom Jäger verfolgter Hirsch vor den Füssen des Eremiten Zuflucht sucht, gewährt er ihm seinen Schutz und ermahnt den Jäger nicht zu töten. In seiner Wut bedroht der Jäger selbst den Eremiten. Dieser eröffnet somit einen Dialog und versucht nun den Jäger davon zu überzeugen, das Töten von Lebewesen zu unterlassen. Der Jäger wird von den Reden überwältigt, bittet um Vergebung. Er schwört, dass er von nun an auf das Töten von Lebewesen verzichten und in den Dienst des Eremiten treten wolle.
- In einer späteren Fassung ist der Dialog erweitert, indem ein Gespräch über das Gesetz der Vergeltung aller Taten und wie diese zu Sühnen sind geführt wird. Der Jäger erzählt dem Eremiten von Untaten und Ereignissen, die während des vergangenen Jahres vorgekommen sind und fragt ihn dann, was zu tun sei, um sie zu sühnen. Die Taten und deren Urheber werden dabei mit Namen 'durch die Blume' genannt. Mit Gestik und Stimme sogar deutlicher gemacht, sodass alle Anwesenden sofort den Betroffenen einen Blick zuwarfen

Ein Grund dafür, dass sich dieses Tsamspiel nicht durchsetzen konnte, mag sein, dass nicht jedes Kloster es sich leisten konnte, diesen gesellschaftskritischen Dialog zu wagen. So blieb es bei einer Aufzählung der Legenden und dem Vorspielen von Episoden aus dem Leben des Eremiten.


Weitere Masken Zeremonien

Neben den Tsam-Tänzen gibt es etliche Zeremonien, bei denen einzelne Maskentänzer auftreten (alle diese Bon-Riten enthalten Elemente aus den Mysterienspielen):

- Die Austreibung des toten vergangenen Jahres. Sie findet am letzten Tag des Jahres statt.
- Das Herbeirufen des Glücks im kommenden Jahr. Dies ist eine Fruchtbarkeitszeremonie. Sie wird im Frühling zur Tagundnachtgleiche aufgeführt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der mythische Vogel Garuda, der mongolische Khangard.
- Der Geist kommt herab. Hierbei werden Masken von Teufelinnen verwendet.
- Der Hirsch Shiva mit dem weiten Geweih. Das ist eine Bon-Zeremonie, die ursprünglich mit einem lebenden Hirsch aufgeführt wurde, später hingegen nur noch mit dessen Abbild. Die Zeremonie endete früher mit der Opferung des Tieres.



Ursprung der Mysterienspiele

Diese Tänze sind uralt und in einer Zeit entstanden, zu der man wohl noch keine Mystifizierungen voraussetzen kann.
Näher liegt die Vorstellung, dass die Menschen jener Urzeiten aus Angst vor Dämonen, von denen sie sich überall umgeben wähnten, magische Rituale aufführten, um die feindlichen Mächte zu besänftigen und zu bannen. Auf dem Höhepunkt dieser Rituale wurden vermutlich Menschenopfer dargebracht. Ursprünglich war mit diesem Ritus wohl auch ein sakramentähnliches Essen des Fleisches und Trinken des Blutes des Geopferten verbunden.
In seiner heutigen Form wird das Mysterienspiel seit langer Zeit mit einem symbolischen Menschenopfer aufgeführt, mit dessen Hilfe der Beistand der Gottheiten zur Vertreibung des alten Jahres und seinen Dämonen des Unglücks sowie zum Sieg über alle menschlichen und geistigen Feinde erlangt werden soll.
Im "Gedächnis-Schlüssel", einem Werk der Bon-Religion, heisst es, dass zur Heilung eines Prinzen ein Untertan geopfert werden muss, und zwar wie folgt: Der Wahrsager zieht den Mann an den Beinen, der Bonpo fasst ihn an den Händen und der schwarze Handha schneidet ihm die Lebensöffnung auf und reisst ihm das Herz heraus. Danach versprengen der Wahrsager und der Bonpo das Blut nach alle vier Himmelsrichtungen.
Genau dieses Ritual wird im Tsam vollzogen, nur hat seine Funktion geändert, denn statt für die Heilung eines Kranken, wird es für die Bannung der den Menschen feindlich gesinnten Dämonen eingesetzt.
Somit sind in den Tsam-Spielen der lamaistischen Länder die Reste von Fruchtbarkeits- und Dämonenbannungsritualen aus der Frühzeit der Menschheit bis auf unsere Tage erhalten geblieben. Das Fruchtbarkeitsritual bezog sich nicht nur auf die Vermehrung der Tiere, sondern auch auf die der Menschen. Das Bannungsritual galt in erster Linie denjenigen Dämonen, welche schwere Krankheiten und Seuchen über die Menschen brachten. Mit Tier- und Menschenopfern wollte man die Gottheiten der Gestirne und andere höhere Mächte beeinflussen.


Klosterorchester

Ein Klosterorchester besteht meistens aus zwanzig Mann, und zwar gleichgültig, ob es sich um ein grosses oder ein kleines Kloster handelt. Die Musikanten stellen sich beim Tsam-Spiel in zwei Reihen hintereinander auf. Tschinellenschläger und Trommler sitzen in der ersten Reihe. Dahinter stehen die beim Tanz tonangebenden Bläser und die Zimbelschläger.

- siehe Instrumente: - Maskenkostüme

- Masken

Die überlebensgrossen Masken der Gottheiten werden über den Kopf gestülpt und bedecken das ganze Gesicht. Die Masken, welche Menschen darstellenden, sind nur Gesichtsmasken von natürlicher Grösse.
Zur Anfertigung der Masken wird sowohl eine Masse aus Papiermaché (auch in der Mongolei), wie auch dünnes, getriebenes Kupferblech verwendet. In Gegenden, in denen es mehr Holz gibt als im tibetischen Hochland, so in Sikkim und Bhutan, sind die Masken aus hartem Holz geschnitzt. Dort würde das feuchte Klima die Papiermasse bald zerstören. Die Tuwiner hingegen fertigen ihre Masken aus Leder an.

- Maskenherstellung

- Tanz Masken

Zur Maske wird oft eine Perücke aus Yakschwanzhaar getragen. Die Masken sind meist bunt bemalt.
Die Farbgebung bei Maske und Gewand entspricht alter Überlieferung und deckt sich mit der lamaistischen Ikonographie.

   
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P & C Face Music - Ulaanbaatar, September / Oktober 1999 - Albi

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