Face Music - Religion of the Altai people




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P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016


  • Text in German

- Burchanismus oder Ak Jang (Weisser Glaube)

Während des russisch-japanischen Kriegs 1904-1930 brachen unter der Bevölkerung im Altai Unruhen aus, die viele Menschenleben forderten. Es entstand eine religiöse Bewegung, eine anti-russische Bewegung, deren Höhepunkt mit der Niederlage Russlands gegen Japan zusammenfiel. Dies hatte zur Folge, dass messianisch-chiliastische Züge gemeinsam mit der Ausbreitung des Lamaismus unter den Turk-Stämmen im Altai ausgelöst wurden, die mit einem schamanistischen Weltbild verbunden waren. Gruppierungen mit religiös motivierten Vorstellungen für ein zukünftiges endzeitliches Königreich kamen in Umlauf, das Frieden und Wohlstand bringen sollte. Man zelebrierte für die vier obersten Götter: Altai-Kutai (Gott des Altai-Gebirges), Dver-Suu (Gott der Erde), Umai-Eme (Gott der Fruchtbarkeit) und Tengri (oberster Gott des Himmels). Diese Interpretation entstanden nach dem Nationalepos eines bekannten gepriesenen Führers, dem Oirot-Khan der Oiroten, dieser Altai-Turken in der Dschungaren-Oirat-Allianz. Dies ist eine Erzählung über einen Herrscher, der wieder kommen wird, um das Volk von seiner Unterjochung zu befreien. Ein Held, welcher sie einst verlassen hat, soll nun als Befreier zurückkehren und das Volk in eine neue Freiheit führen.

Im Altai war mit diesem Oirat-Khan der
Dschungarenkönig Amur-Sana gemeint, der einst in der Westmongolei während der Dschungaren-Oirat-Allianz herrschte. Mit der Zeit waren solche Heldengeschichten verloren gegangen. Doch mit den Aufständischen verschmolzen solche Geschichten mit einer neuzeitlichen Altai-Kultur und wurden lebendig. Heute findet man Spuren in veränderten Versionen, in denen solche historischen Momente wieder aufleben. Ein damaliger Gott Ak-Burchan ("weisser Himmelsgott") ist mit den Unruhen in Umlauf gekommen. Er galt im Tengerismus (Schamanismus), wie auch im mongolischen Weltbild, als mächtigster Himmelsgott. Ak bezog sich auf eine Oberwelt (Himmelreich) einer Drei-Welten-Kosmologie (Unterwelt, Irdische Welt und Oberwelt „Himmel“) der alten Turken und Mongolen. Mächte, die in diesen Welten existieren, waren Geister, Götter und mythologische Figuren. Sie waren nach deren Vorstellungen entsprechend mächtig und heilig. Wie mündliche Überlieferungen erzählen, hat man unter Üch-Kurbustan (Üch = Zahl 3) eine Einheit, einen Vater von drei Söhnen (Helden) gesehen, die einst mächtig und mit übernatürlichen Kräften ausgestattet waren. In diesen Epen über Kurbustan scheint eine Inspiration entstanden zu sein, in diesen oral überlieferten turk-mongolischen Erzählungen über Helden, die das Volk von Unterdrückung befreiten: Ein gottgleicher Herrscher oder Kriegerheld der „drei männlichen“ Nachfahren, die grosse Taten vollbrachten.
Oirat-khan oder Galdan-Oirat: Ein mythologischer Führer, Befreier der turk-mongolischen Stämme in der Westmongolei.
Amyr-sana: Legendärer Führer und Stammesoberhaupt der Oiraten. Starb während des Einmarsches in die Westmongolei und der Eroberung durch die Mandschu-Armee 1756 des von Dschungaren-Oriaten beherrschte Gebiets.
Shunu (Ashina = Wolf: Eine altaiische Version von Asena (Aschina). Höchstes Totem bei den Alt-Turken (entstammt der Ur-Mutter aller Turken, die eine Wölfin war).

Götter und „Vorfahren“ wie Üch-Kurbustan waren in der Mythologie der turk-mongolischen Völker deren oberster Himmelsgott und wie im Schamanismus Tengri – der ewige Himmelsgott. Üch-Kurbustan war einziger Gott und Vater von drei Söhnen, deren Ursprung Ahura Mazda aus einer Indo-Europäischen-Verbindungen stammte. Dabei handelt es sich um einen iranisch übermittelten formlosen Gott – vielleicht übernommen von Buddhisten aus Sogdien, die in Zentralasien bis in die Mandschurei sowie nach Kasachstan und Tibet vorgedrungen waren. Er fungierte als „Kultgott“, mit dem Menschen nicht direkt kommunizieren konnten. Eine der ältesten Verknüpfungen mit einer ursprünglichen zentralasiatischen Tradition war der Bon-Po (Bön), eine Religion aus Tibet.
Verschiedene Namen dieses einen höchsten Gottes waren: Kurbustan, Khormusta, Khurmast usw.; diese waren dem Ahura Mazda (Schöpfergott) gleich. Es gibt auch viele mythologische, sprachliche und rituelle Elemente, die mit einer indogermanischen Mythologie und deren Ritualisierungen verknüpft sind.

Ahura Mazda – „Der weise Herr“ oder „Herr der Weisheit“ (mittelpersisch Ormusd oder Ormus) ist im Zoroastrismus der Schöpfergott, der zuerst die geistige Welt (Menok) und dann die materielle Welt (Geti) erschaffen hat; er verkörpert die Macht des Lichts, ist Schöpfer und Erhalter der Welt und der Menschheit und ist der Gott der Fruchtbarkeit der Lebewesen; in den Keilschriften der persischen Grosskönige wurde er Ahuramazda genannt.
Bön war die vorherrschende Religion in Tibet, bevor im 8. Jahrhundert der Buddhismus ins Land gelangte. Für die Anhänger bedeutet das Wort Bön so viel wie „Wahrheit, Wirklichkeit“ und „Wahre Lehre“. Mit dem Vordringen des Buddhismus nach Tibet kam es zu einer gegenseitigen Beeinflussung, wobei aus dem Bön z. B. rituelle und schamanistische Elemente und Bön-Gottheiten in den Buddhismus gelangten; umgekehrt hat der Buddhismus die Philosophie des Bön beeinflusst.
Ak-Burchan war die wichtigste Gottheit, höchster Himmelsgott unter Ak Jang (Weisser Glaube), dargestellt als ein alter Mann mit weissem Haar, mit einem weissen Mantel und weisser Kopfbedeckung, der auf einem weissen Pferd reitet. Dies ist möglicherweise eine Analogie zum mongolischen „Weissen alten Mann“, dem Tsagaan Ebügen, dem Herrs der Erde und Schirmherr des Glücks; er steht für langes Leben und Familie.
Jajyk – ein formloser Geist und Mediator – vergleichbar mit dem Heiligen Geist der Christen - hilft bei der Kommunikation zwischen dem Ak-Jajyk (Weisser Jajyk), der Nachrichten der oberen Götterwelt übermittelt, und dem Sary-Jajyk (Gelber Jajyk), der Nachrichten für die Götter der Mittelwelt vermittelt. Er wird mit der Feuerstelle identifiziert.
Umai, die Göttin der Geburt und Kinder, im türkischen auch lore genannt - nicht aber im Altai - ist Gemahlin des höchsten Gottes Tengri und damit ursprünglich eine Mutterfigur.
Ot-en, die Mutter des Feuers - wird vor jedem Opfergang verehrt, vor allem während einer der drei grossen Feierlichkeiten der Burchanisten.

Die Götter der irdischen Welt (mittleren Welt) sind die „Jer-sub“, auch „Arzhans“ genannt, d.h. sie existieren in der Welt, in der wir leben, in der Natur und kümmern sich um menschliche Angelegenheiten. Hierzu gehören die Herrschergeister (Besitzgeister), die mit Bergen (Taika-eezi) verbunden sind, Meister der Orte, spirituellen Plätze, heiligen Quellen und „Meister des Spiels“. Solche Orte oder Haine und Bäume werden mit bunten Bändern geschmückt, oder es werden Steinhaufen (Ovoo) errichtet, um Geister an Wegkreuzungen oder Passübergängen günstig zu stimmen.

Pantheone (Tempel) haben solch geistige Kräfte mit Totems (Tiere), Astralgottheiten, Helden und Vorfahren eingebunden. Sie können auch bestimmten Clans (sööks) zugeordnet werden. Es wurden Verehrungszeremonien eines Sonnengottes, wie dies bei den Skythen, Sarmaten, Sauromaten und Alanen üblich war, gefunden. Neben der Anbetung der Götter wie „Kun“, „Khwar“ oder „Yduk Jer-sub“ wurden auch irdische Geisterbesitzer, „Heilige Quellen“, „Gott der Erde“, „Meister des Platzes“ oder „Heilige Berge“ (Taika-eezi) oder „Meister der Berge" mit Ritualen geehrt, die nur von Spezialisten oder hohen Priestern durchführten werden durften. Altai-eezi, der „Meister des Altai“, war auch eine Form eines lokalen Bewusstseins. Ulgan, Vorfahre der Altai Clans, war ursprünglich ein Eigenname, ist heute jedoch nicht mehr bestimmbar. Einige Quellen beschreiben Ulgan als Schöpfer des Universums. Er wird auch im Burchanismus erwähnt, doch hier als Gott der Unterwelt, was wohl ein Missverständnis sein dürfte. Herrscher der Unterwelt war eigentlich Erlik (Yerlik) - der Herr der Toten, der Unterwelt und des Unglücks. Sein Name dürfte vom alten uighurischen Erklig Kagan (einst ein mächtiger Herrscher) stammen. Er war auch der Schutzpatron der Schamanen.

Pantheon ist der antike Name für ein allen Göttern geweihtes Heiligtum (Ort, Haus oder Tempel). Diese Vorstellung stammt aus dem Umfeld der sumerischen, griechischen und manichäischen Mythologie und wurde bald mit einem konkreten Ort bzw. Tempel verbunden.

Rituale und Gebete wurden der Sonne, dem Mond und den Göttern zelebriert: Ak-Burchan, Kun-Burchan, Ot-Burchan, Üch-Kurbustan. Birken wurden mit Bändern geschmückt, an „heiligen Plätzen“ und Feuerstellen für Opferzeremonien. Bei Ritualen wurde vergorene Stutenmilch in alle Himmelsrichtungen gestreut. In Gebeten zu Göttern oder wichtigen Geistern wurden an solchen Kraftplätzen mit Birken auch Weihrauchzeremonien mit Wacholder (archyn) abgehalten, die von alten Glaubensvorstellungen wie dem „Bön“ übernommen wurden. Statt blutiger Opfer (Menschen, Pferde oder andere Tiere) wurde nun nur noch mit Weihrauch und Stutenmilch (araka) zelebriert. Zunächst waren diese Gebetsversammlungen sehr einfach. Menschen versammelten sich um Jurten, waren mit Wacholder verschmiert und streuten Stutenmilch in Richtung der Berge, dazu sprach man Gebete und sang rituelle Lieder, um den Altai zu lobpreisen (Altai-eezi). Mehr und mehr liessen sich Pilger aus anderen Regionen auf den Hängen der umliegenden Hügel für Versammlungen nieder, und in den Tälern hat man sich in grossen Gruppen versammelt und 30-40 Pferde geschlachtet. Solche Zusammenkünfte fanden von April bis Mitte Juni statt.

Forscher haben viele Quellen zusammengetragen, archäologische Daten, alte Turkrunen auf Steinstelen und chinesische Chroniken. Gefunden wurden auch turkische Quellen, die in Schriften von Iraq Bitiq überliefert wurden. Das Buch der „Weissagungen“, geschrieben im 10. Jahrhundert und in Dunhuang gefunden, enthielt Notizen von turkmongolischen Besuchern. Die Altaier nutzten in Ritualen die Geister ihrer Vorfahren (Aru-tös), die man bei Zeremonien zur Mithilfe angerufen hatte – verstorbene Clanführer und Schamanen, die streng dieser „Clanpool-Identität" angehören und eine Altaitradition wiederspiegeln, die von Schamanen (Manjaktu kam) einst monopolisiert wurde und deren Autorität man aufgrund ihrer Beziehung zu Erlik, dem Herrscher der Unterwelt, nicht nehmen konnte. „Ak Jang“ (Weisser Glaube) zeigte sich mehr in rituellen Zeremonien, die eine „Heilige Person“ (Gottheit oder Kriegerheld) mit Kern zur Altaitradition hatte. Dies war in einer religiösen und sozialen Hierarchie dieser turkmongolischen Kultur verwurzelt. Dem "Ak Jang" wird auch vorgeworfen, einer „höheren Form“, einem Himmelreich, zu huldigen, bezogen auf ein heiliges Königreich und mit einem Helden-König in Verbindung gebracht, der wie ein Messias das Volk befreien wird. Dies dürfte damit eine Verbindung zur indo-europäischen Vorstellung gehabt haben.

Aufzeichnungen in Schöpfungsgeschichten der Turkmongolen sind Teile von Sagen, die man in Runenschriften gefunden hatte. – Am Anfang gab es den blauen Himmel und die braune Erde, zwischen ihnen entstanden die Söhne der Menschen. – Auch zählen die beiden Hauptgötter – der Himmelsgott (Tengri, Herr der Oberwelt, des Himmel oder Kagan des Himmel-Stroms, der Patron der Krieger) und die Mutter Erde (Umai, Gott der Oberwelt, Göttin der Fruchtbarkeit und der Neugeborenen, die die Weiblichkeit vertritt, die Gemahlin des Himmelsgottes Tengri und Königin) dazu; dazu gab es einen Yduk Yer-Sub (Hauptgott der mittleren Welt, der Erde, Gott des heiligen Wassers, Quelle und Berge) und Erlik (Herr der Todes, Gott der Unterwelt, Schutzpatron der Schamanen und des Unglücks). Weitere spirituelle Kräfte wurden in Ritualen angesprochen und waren: Totems (Tiere), Astralgottheiten, Helden wie Geser-Khan oder Vorfahren (Verstorbene). Kräfte und Einfluss auf die Menschen hatten auch die Sonne, der Mond, der Himmelsdonner und die hohen kahlen Bäume (einst vom Blitz getroffen). Das Universum der frühen turkmongolischen Völker bestand in der Vorstellung einer Kosmologie der drei Ebenen: die Unterwelt, die mittlere Welt und die Oberwelt. Dieses Universum war bevölkert von einer grossen Anzahl von kleineren Gottheiten und Geister, die von mehreren Hauptgöttern beherrscht wurden. Während die kleineren Götter in Runen nicht erwähnt sind, wurden die wichtigsten Hauptgötter mit den ihnen zu zelebrierenden Ritualen genau beschrieben. Sie wurden über ein Gebiet verehrt, das von der Mandschurei bis zur Donau reichte, wie dies in verschiedenen Inschriften gefunden und damit bewiesen ist. Aufzeichnungen über Ulgen den Schöpfer wurden in Zentralasien, dem Kaukasus, im Raum der heutigen Türkei und in der Wolgaregion gefunden. Dieser war seit frühester Zeit unter turkmongolischen und Mandschu-tungusischen Stämmen bekannt.

Es entstanden Vermischungen mit der frühen Naturreligion (Animismus) mit Tengrikult (Schamanismus) und Ak Jang. Rituale wie Regenmacher (Yadachi / Yadadji) oder Steinhaufen (Ovoo) zeigen, dass man ihnen auch weiterhin Opfer dargebracht hat. Formen mit Zauber, Wahrsagen und Hellsehen innerhalb der Familie oder dem Clan hat man weiter zelebriert, dies waren Gebete an lokale Phänomene „
Genien loci“ – angerufen wurden Geister oder Götter im lokalen Bereich, sie sollten erscheinen und einem Ritual beistehen. Darüber hinaus gab es den Animismus, d.h. „magischer Glaube“, alle Menschen, Tiere und Dinge in der Natur besitzen eine Seele – Geist, die über verschiedene Bedeutungen und unterschiedliche Charaktere verfügen. Der Unterschied zwischen Seele und Geist wird dadurch erklärt, dass nur Menschen eine Seele haben, während der Begriff „Geist“ eine abstrakte Bezeichnung darstellt, die mit einem grossen Spektrum natürlicher Phänomene in Zusammenhang gebracht wird. Geist oder Seele wurden nicht als Objekt betrachtet, sondern existierten im Universum in einer Hierarchie in horizontaler Struktur (Objekt war nur Adresse zur Anrufung). In anderen Worten, in einer Jurte sitzt der Geist des Feuers (Ot-en „Mutter des Feuers“), zusammen mit Vorfahren (Aru-tös), die angerufen werden zu erscheinen, um einem Ritual beizustehen. In der Natur existieren Geist-Meister des Ortes (eezi), eines Berges (Taika-eezi), eines Tales oder Meister des Altai (Altai-eezi). In Form von Yer-sub galten auch Götter oder Geister der irdischen Welt. Schamanische Leistungen wie Trance und Anrufung zu Ritualen waren nicht nur Teil dieser turkmongolischen frühen Glaubensvorstellungen. Sie waren verbunden mit einer antiken, mittelalterlichen Erscheinungsform mit Priesterschaft und haben sich in der Neuzeit im 18. Jahrhundert unter Ak Jang weiter entwickelt. Dieser Burchanismus mit alten Praktiken, die sich nicht wesentlich vom Schamanismus unterschieden, bestanden in Ritualen, die an eine grössere Gemeinschaft gerichtet waren, und sie unterschieden sich nicht in ihrer Ausrichtung in „Ebenen“ dieser Drei-Weltenkosmologie. Sie unterschieden sich in ihrem Massstab der Anrufung in Versammlungen, gerichtet an eine grössere Gemeinschaft, die von Spezialisten oder Priestern geleitet wurden – waren nicht direkt nur für die Familie und deren Haushalt bestimmt – sondern in einer Clanebene (sööks) mit Stammesversammlungen oder einer supra-ethnischen oder imperialen Gemeinschaft. Zum Beispiel ein Kagan (Stammesführer) oder Clanvertreter (Zaisan) durfte in einem solchen Komplex von Zeremonien teilnehmen, worin eine Gruppe von Gottheiten angerufen wurde, die zusammen mit anderen Gemeinschaften in solch grösseren Versammlungen stattfanden. Solche Praktiken hat man nicht in alten Turk-Runeninschriften gefunden. Die Altaier kannten zwei „Linien“ von Geistern von Vorfahren (Aru-tös), die Ahnen ihrer himmlischen Clangönner (ehemalige Führer) und die Vorfahren der Schamanen, die zu diesem „Identitätspool“ einer Altaitradition gehörten, der von Schamanen (Manjaktu kam) monopolisiert war und eine nicht wegzunehmende Autorität besaß. Sie waren aufgrund ihrer Beziehung zu Erlik, dem Tod und der Unterwelt mehrdeutig.

Seit den 1990er Jahren zelebrierten Altaier mit Gästen aus Tuwa, Chakasien, Kalmückien, Burjatien, Sachien (Jakutien) und der Mongolei das Fest
Joloyn, wo sich alle Clans (sööks) versammelten, für Wettbewerbe und religiöse Rituale, wobei es sehr wichtig war, dass diese von Kaichi (Kehlkopfsängern) begleitet wurden, die lange Epen vortrugen, die solche Clantreffen umrahmten. Diese Sänger haben Geschichten über Herkunft, Vorfahren und historische Ereignisse vorgetragen. Wie uns Nohon Shumarov bestätigte, führten grosse Meister innerhalb einer religiösen Versammlung mit Anhängern des Ak Jang solche Darbietungen auf. In der Tat hatte jedes Fest in seiner Mitte eine Kure (Altar), den Platz für Ak Jang Zeremonien. Das zentrale Element jeder Joloyn Veranstaltung war, dass Texte mit Kehlkopfstimme vorgetragen wurden, die direkten Bezug zum Ak Jang hatten: Epen über Oirot-Khan, Amyr-Sana, Ak-Burchan, Altai-Kudai und weitere wichtige Personen. Heute sind solche Versammlungen und Auftritte durch Veränderungen verloren gegangen, haben die Bedeutung eines Folklore-Festivals angenommen.

- „Schamanismus“ war eine beliebte Beschreibung für Phänomene; zur Heilung und Anrufung von Geister für deren Hilfe bei magischen, heilenden und religiösen Praktiken. Während der Sowjetzeit betrachtete man den Schamanismus als eine primitive und archaische Form einer Religion, die verboten wurde.
In der Altaitradition waren nämlich die Schamanen mit den Kostümen (Manjaktu kam) in Zeremonien nicht an bestimmte Clans (
sööks) gebunden, sie waren geschickt und geleitet von Erlik, dem „universalen“ Herrscher der Unterwelt.

- Erlik und Kara-tös
Die Fülle der Götter und Geister der Unterwelt sind vereint und werden regiert durch ihren "Herrscher", Gott des Todes und der Unterwelt. Dieser war allgemein von allen turkmongolischen Stämmen anerkannt, und es wurde ihm, wie es scheint, schon immer dieselbe Funktion zugesprochen. Als Gott des Todes und des Unglücks, hat Erlik natürlich eine wichtige Rolle im traditionellen Pantheon gespielt – er wurde im Fall einer Krise eines einzelnen oder einer ganzen Gemeinschaft angerufen, zu erscheinen und in Verhandlungen zu Problemlösungen aufgefordert.
Sein Gefolge und weitere „Führungskräfte“ sind die Kara-tös (sind unrein, oder schwarze Vorfahren). Sie sind Erliks zahlreiche Söhne und Töchter, verschiedene dämonische Geister und schliesslich eine sehr wichtige Gruppe – die Seelen oder Geister toter Schamanen (in der Regel auch historische Personen, die „Krieger-Helden“). Die Geister Verstorbener sind für die Ausbildung neuer Schamanen verantwortlich, sie sind „mit“ ihnen (durch lange Krankheit oder Unglück) verbunden, haben ihrer Berufung zu folgen. Der Schamane ist als einziger dazu befugt, mit der Unterwelt zu kommunizieren.

- Die nahe Welt oder mittlere Welt
Diese ist reich besiedelt mit Geistern - sie haben eine grosse Zahl an lokalen und spirituellen Mächten, einen Meister des Spiels und so weiter. Sie sind vereint, entweder als „kollektive Einheit“ oder als Untergegebene, zu einem Gott (Göttin). Yduk Jer-sub (Heilige Quelle) - war eine dieser alten turkmongolischen Gottheiten. Im Altai wird diese Gottheit oft Altai-eezi (Meister des Altai) bezeichnet.
Im Bereich des Altai-eezi oder Jer-sub gibt es sehr wichtige „soziale“ und spirituelle Geister wie auch Taika-eezi (Meister des Berges). Rituale finden auf Clanebene (sööks) statt, diese bilden eine Art „irdische Beschützer“. Jeder hat seinen eigenen Clanberg mit seinem Taika-eezi (Beschützer). Schamanen (Manjaktu kam) der Unterwelt haben keine Befugnisse für solche Zeremonien, denn diese sind Spezialisten oder Priestern vorbehalten, die dazu befugt sind, ein solches „heiliges Ritual“ durchzuführen - oft „
Ak kam“ (Weisser Schamane) oder „Jelbichi“ genannt, die mit solchen Rauchzeremonien mit Holunder (yarlykchi) Rituale durchführten. Diese Geister der mittleren Welt dürfen privat (im kleinen Kreis) oder über Vermittlung von Sehern angesprochen werden.
Ausserdem gibt es Gruppen, die nicht einer „Himmelswelt“ (Oberwelt) zugeordnet sind, die „universalen“ oder „alten“ Götter. Diese sind in der Regel in heutigen Altaitraditionen nicht „lokalisiert“, sie sind auf die mittlere Welt fixiert und werden allgemein als
Ot-en bezeichnet, so z.B. die „Mutter des Feuers“ oder „Umai“, die Patronin der Geburt und Kinder. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Umai laut früheren Aufzeichnungen die Gemahlin des höchsten Himmelsgottes „Tengri“ war, jedoch in der heutigen Tradition nicht mehr als mit ihm verbunden betrachtet wird. Zeremonien für Ot-en werden von natürlichen Personen, im Haus oder an Clantreffen durchgeführt werden; sie können auch von Schamanen durchgeführt werden. Offenbar hängen Kompetenzen für eine solche Ausführung von Ritualen einer Berufung ab, und sie sind nicht auf spezielle Personen bezogen, nicht nur auf Schamanen. So sind die massgeblichen Personen, die solche Ot-en anrufen und ansprechen dürfen, zur Versöhnung zu erscheinen, vorwiegend den Ältesten beider Geschlechter vorbehalten.
Umai Rituale werden nicht nur ausschliesslich von Frauen durchgeführt. In früheren Zeiten waren diese Zeremonien Spezialisten (Priester/innen) vorbehalten und sie bildeten eine Teil einer „Dyade“ - diese Beziehung Tengri (Vater) - Umai (Mutter). Heute werden Zeremonien nur noch privat im Haus durchgeführt, wie dies auch der Fall mit den Ot-en ist, so sind Umgang und Kompetenzen den Ältesten (in diesem Fall einer weiblichen Person) bei einer Geburt vorbehalten, sie amten oft als „Professionelle“. Schamanen (Manjaktu kam) befassten sich grundsätzlich nicht mit solchen Angelegenheiten, die Umai betrafen - in der Tat könnte ihre "Hilfe" zu einem Unglück oder zum Tod führen, weil sie mit der Unterwelt kommunizieren und dadurch wahrscheinlich diese Unterweltmächte für Hilfe benutzen.

- Tsagaan Ebügen - Chaghan Ebügen or Tsagaan uvgon (Mongolisch) - Alter Weisser
Wird als ein alter Mann gedacht, der in Weiss gekleidet ist und entweder auf einem weissen Rentier oder weissen Pferd reitet.
Er ist das Bindeglied zwischen himmlischen Gottheiten (Oberwelt) und der Nahen Welt (mittleren Welt), und als solcher wird er als Meister der Erde betrachtet. Er ist der Schutzpatron des Glücks, der Patron für ein langes Leben und für die Familie.
In der Regel ist es ein Weisser alter Mann, es kann aber auch eine Frau sein:
Ak-en (Weisse Mutter), die als eine Mitschöpferin bei der Entstehung der Welt angesehen wird (Mitschöpfer zusammen mit dem Schöpfer Üch-Kurbustan oder Ulgen).
Diese Figur des „Alten Weissen Mannes“ spielt im Tsamritual der Buddhisten eine Clownrolle, sie steht für Glück und ein langes Leben.

- Aru-tös (reine Vorfahren)
Sie sind "Bewohner" der Oberwelt. Die Altaier verehren auch Ulgen als höchsten Himmelsgott und Schöpfer. Er ist nicht ein Gott oder eine Gottheit im eigentlichen Sinne, sondern ein Tös (spiritueller Vorfahr) von Altai-Clans. Im Wesentlichen spielen solche Aru-tös die gleiche Rolle in der Oberwelt wie die Taika-eezi in der irdischen Welt. Sie haben die Form eines Totemgeistes von Vorfahren der Clans (sööks). Des Weiteren stellen sie ein sehr wichtiges Standbein aufgrund strenger Ahnenreihen in der traditionellen Zwischen-Clan-Verwandtschaft (durch exogame Ehen im Besonderen) bei den Turkmongolen dar. Aru-tös werden wie eine Familie betrachtet, die auf ihrer Herkunft der Altai-Clans beruht und deren Beziehungen untereinander geregelt werden. Somit sind Aru-tös und ihre Anbetung mit einer Clantradition verbunden. Sie sind die Schlüssel religiöser Rituale und werden ausschliesslich auf Clanebene durchgeführt – wobei sie für die Clan-Identität massgeblich sind. Die Manjaktu kam (die von der Unterwelt gesandten Schamanen) dürfen sich nicht an Aru-tös Zeremonien beteiligen. Sie können Aru-tös nur anrufen, wenn sie sich in ihrer Person verändern und damit in einem anderen Ritualmuster in Kontakt treten (einschliesslich Kleidung, etc.). Auch existiert eine andere „Rangordnung" bei Schamanen, die Ak kam (weissen Schamanen), die wenig Gemeinsamkeiten mit den Manjaktu kam hatten. Die Ak kam zelebrierten die häufigsten Rituale mit Weihrauch zu Aru-tös. Darüber scheint es, dass Aru-tös auch von Ältesten oder Jelbichi (besondere Priester), die mit Weihrauch zu Ritualen aufgerufen haben, zelebriert wurde.
Ein weiterer wichtiger Geist, der sowohl der Ober- als auch der Mittelwelt angehörte, waren die
Jajyks. Diese waren formlos, ähnlich einem „Heiligen Geist“ in anderen Religionen. Ihn mit Zeremonien zu verehren war wichtig, vor allem solche, die an einen höheren Geist gerichteten. Anrufungen in rituellen Sitzungen durften auch von Laien durchgeführt werden, die den Jajyk als Boten nutzten. Während dieser Geist im Gegensatz zu anderen Geistwesen in der Tradition nicht eine aufwendige Opferform forderte, handelt es sich hierbei um ein „Medium“ (Bote), das Nachrichten (einschliesslich Gebete) zu den jeweiligen Angesprochenen übermittelte. Es ist wichtig zu erwähnen, dass in dem Fall, wenn diese zur Unterwelt gerichtet waren, ein Jajyk nicht hierzu eingesetzt werden durfte: seine Stelle wurde von einem Seelen–Geist eines geopferten Tieres (Pura oder Bora) übernommen.
 

- Tengri (Himmelsgott) - Der Name „Tengri“ auch „Tangra“ wurde in nahezu allen Runeninschriften entlang der Donau gefunden, im einstigen Bulgarenreich (6. Jahrhundert n. Chr.) ebenso wie im Kaukasus, in Tadschikistan und in der östlichen Mongolei,
Dieser turkmongolische Hauptgott Tengri, oder Himmelsgott, war sehr populär. Er war ein hoher und wichtiger Gott, dem Zeremonien gewidmet wurden, und er war einem Kagan (Führer) gleichgestellt, der die höchste Ebene einer turkmongolischen Hierarchie und des sozialen Verständnisses innerhalb der Föderation oder Reiches darstellte. Epische Erzählungen, Legenden und Mythen über Tengri waren weit verbreitet und in vielen Formen im Altai gegenwärtig. Allerdings war dieser Gott meist latent, das heisst praktisch im "Ruhestand“. Nie wurde innerhalb einer privaten Zeremonie oder innerhalb der Familie eine Anrufung an ihn gerichtet. Auch durfte eine Verehrung zu Tengri absolut nur in Kompetenz und Autorität von weissen Schamanen vollzogen werden – bis zu der Zeit, als es innerhalb der Sowjetzeit verboten wurde, an solchen Feierlichkeiten mit Schamanenritualen teilzunehmen. Es gibt mehrere Formen von Zeremonien zu Tengri unter den Altaiern und ihre nahen verwandten Völkern. Es ist wahrscheinlich, dass diesem in der modernen Altaikultur nur noch zusammen mit Aru-tös Zeremonien gewidmet wurden. Zwar gibt es eine gewisse Übereinstimmung zwischen Gottheiten und Spezialisten, die sie zu lösen suchten, doch ist diese Übereinstimmung nicht „linear“, worin ein bestimmtes Ritual nur streng einem bestimmten Gott, oder einer Gruppe von Gottheiten, zelebriert wurde. Die heiligen Stätte in der Tradition unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf ihren „Wirkungsgrad“ (d.h. zu einer Gottheit) sondern auch in ihrer Funktion und Eigenschaft in so einem komplexen System einer „spirituellen religiösen“ Verbundenheit. Darüber hinaus haben neben Schamanen auch Spezialisten, darunter auch einige Kaichi (Barden), die den Schamanen gleichgestellt waren, mitgewirkt und traten in Erscheinung. Sie rezitierten Lieder zu einer bestimmten Gottheit und/oder erzählten von zeremoniellen komplexen Zeremonien, mit denen sie einst verbunden waren, während gleichzeitig wichtige religiöse Informationen darin vermittelt werden.
Amtierende Schichten, die nicht mit professionellen Schamanen verbunden waren, wurden zu einer „freien radikalen Opposition“ innerhalb der Gemeinschaft. Spezialisten und Betreuer der „kleinen“ religiösen Ämter waren nicht mehr explizit einem Clanritual vorbehalten, sondern sie waren nun in einer Struktur mit integrierten Clanverbindungen, die in solchen grösseren Zusammenkünften amteten, verbunden. Sie stellten mit dem Ak kam eine neue Clanidentität in solchen besonderen religiösen Ritualen von Gemeinschaften dar. Schliesslich waren sie es, die mit den Jelbichi (Weihrauchpriester) und/oder den Ältesten von nun an Zeremonien mit Gottesdiensten zu Tengri unter Ak Jang abhielten, wobei sich ihre Funktion und Rolle mit jener eines Schamanen (Manjaktu kam) überschnitt. Sie stellten die amtierende Schicht für Rituale, die Clans überspannten und analog auf "Khan-Niveau" (Führer) standen.
Die Zeremonien wurden auf dem Gipfel eines Berges, immer am gleichen Ort, abgehalten. Der Platz war durch die heilige Birken (bucht kaiyng) gekennzeichnet. Weder verheiratete Frauen noch Mädchen durften an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Auch für weibliche Tiere war es streng verboten, diesen Platz zu betreten. Die Opferlämmer waren in der Regel männlich. Die Zeremonie wurde ohne Beteiligung eines Schamanen (Manjaktu kam) durchgeführt. Sie durfte nur von einem speziell gewählten Ältesten, der diese Gebete und Anrufe (alghys) bestens kannte, d.h. die Worte der Gebete zum Himmel, „Alghyschankizhi“ genannt, geleitet werden. Pferde wurden geschlachtet und ihr Blut auf dem Boden unter den Bäumen verstreut. Köpfe und Felle hat man anschliessend auf Stangen aufgestellt, hingegen der Leichnam wurde auf dem Opferfeuer verbrannt. Schamanen- und Tengrikulte wurden auf verschiedenen Ebenen zelebriert und waren grundlegend Inhalte einer Denkweise innerhalb der Gemeinschaft und grundsätzlich im Ablauf nicht verschieden. Sie konnten innerhalb der Familie, im Hause, bei Clanmeetings, und schliesslich auf einer supra-ethnischen, oder „imperialen“ Ebene stattfinden.
Kleinere Feiern unter „Personen“ (Bilerkizhi = Leute des Wissens), Wahrsagern („Yarynchi“ – Wahrsager, die aufgrund eines Wurfes mit Schulterblättern des Schafes Auskunft gaben) oder Regenmachern (Yadachi, Yadadji), die Besitzer dieses „Wettersteines“) wurden durchgeführt. Heiler, Hexer und Wahrsager zelebrierten mit dem Schulterblatt eines Schafes Praktiken an Steinhaufen (Ovoo): Traumdeuter oder Seher zitierten aus einem Buch und verwendeten ein Medium (Yrymchi).

- Manjaktu kam (Schamane). Die war allgemein die Bezeichnung für Schamanen im Altai, die sich mit dem schlechten Einfluss der Unterwelt befassten, die im Alltag wirkte, und mit Erlik, Herrscher der Unterwelt und seinem Gefolge. Sie zelebrierten mit einer Trommel, einem Geschenk von Erlik, die ihn ausschliesslich für Reisen in die Unterwelt begleitete. Personen, die eine Voraussetzung oder Begabung für die Profession des Schamanen hatten, wurden gezwungen Schamane zu werden – wobei hier Druck durch die „Kara-tös“ (schwarze Vorfahren) gemacht wurde, die diese Person sehr krank machten, wobei die Krankheit andauerte, bis er oder sie sich in das Schicksal ergaben, Schamane zu werden. Diese Kara-tös waren vor allem Geister von verstorbenen Schamanen. Die wichtigste Funktion eines Schamanen bestand darin, die Verbindung mit Erlik aufrecht zu erhalten, da all die Probleme, nach ihrer Überzeugung, im Wesentlichen durch Erlik und seine Geister der Unterwelt entstanden. Schamanen waren professionell in ihrem Handwerk und unabhängig von einer Clanstruktur.
Religiöse Praktiken wurden bei den turmongolischen Stämmen zusätzlich zu den Schamanen auch von hohen Priestern oder Spezialisten für Tengrikulte abgehalten. Zugang zu universellen Götter hatten auch: Heiler, Wahrsager, Traumdeuter, Seher und Regenmacher. Die Kaichi (Barden) haben mit in Kehlkopfstimme vorgetragenen epischen Erzählungen, historischen Geschichten und dem Vortragen von Mythologien, Schöpfungsgeschichten, Mythen über Vorfahren (Aru-tös), Herkunft der Clans (sööks) in Ritualen mitgewirkt und waren Schamanen gleichgestellt.

- weitere Informationen zum Schamanismus –
Schmanisums (Tengerismus) in der Mongolei
- weitere Informationen zum Schamanismus –
Religion der Urvölker Sibiriens

Weitere Personen mit besonderen Fähigkeiten waren aufgrund ihrer Berufungen in dieser Altaitradition aktiv: Medium „Yrymchi“; Wahrsager „Telgochi“ und „Yarynchi“, die aufgrund eines Wurfes mit den Schulterblättern des Schafes Auskunft gaben; Hellseher „Kospochi“, die die Zukunft voraussagten; Regenmacher „Jadachi“, Besitzer eines „Wettersteins“, die das Wetter auf der Grundlage dieses magischen Jadesteins prophezeiten. Unter ihnen waren auch Wahrsager, die auf der Grundlage eines gebrannten Schafschulterblattes wirkten; die Flüsterer „Arbyschi“, diese agierten mit einem Stück Stoff (Bänder), der an einen Birkenzweig angebunden wurde; Priester „Jelbechi“, die mit Weihrauch heilige Rituale begleiteten, und in vielen anderen verschiedenen Formen und in Sitzungen waren „auserwählte“ Personen aktiv.
Alle diese wichtigen Personen mit den ihnen gegebenen Fähigkeiten, die sie von höheren Mächten als Geschenke erhalten, gehören zu einer gelebten Altaitradition, sowohl in der Erscheinungsform eines Pre-Ak Jang und einem späteren Ak Jang, sowie die Schamanen (Manjaktu kam), die in der Regel nicht an einen gegebenen Clan gebunden waren. Funktionen wie „Sehen in die Zukunft“ oder ein „verhextes Geschenk“ wurden mit Schamanen geteilt, doch andere Medialitäten oder Segen-Geschenke nicht. Im Gegensatz zum Schamanen, hatten die „kleinen“ Spezialisten der Heiligen im Altai, „Bilerkizhi“ genannt - die Leute des Wissens – einen wichtigen, aber mehrdeutigen und ambivalenten Platz in der Gemeinschaft eingenommen. Vor allem diejenigen, deren Charisma wohlwollende Eigenschaften hatte, z.B. Algyschtschi (Segner) oder Arzhanga ulus bashkarar (Führer zu den Quellen) - diese waren respektiert. Sie wurden aufgrund ihrer spezifischen Geschenke oder Fähigkeiten zu Ältesten gewählt. Im Gegensatz zu Schamanen waren sie keine Profis sondern nur besonders engagierte Mitglieder einer Clangemeinschaft. Sie sind der „Nahen Welt“ (mittleren Welt) verpflichtet, vorab diejenigen von ihnen, die einen gewissen „Kanal“ in ihrer Funktion zu einer Gottheit oder einem Geist hatten, mit dem sie kommunizierten. So pflegte ein Hellseher eine besondere Beziehung zu einem Meister der Berge „Taika-eezi“ und konnte an einer Jagdgesellschaft als Mitglied und „Experte“ bei einem solchem Jagdspiel teilnehmen. Ein „Arzhanga ulus bashkarar“ - Führer zu heiligen Quellen - war Begleiter bei solch feierlichen Pilgerfahrten. Diese wirkten durch besondere Beziehungen mit einem Geist der „Feder“. Es ist möglich, dass solche Berufungen wie „Algyschtschi“ (Segner oder Bote) über das Medium „Yrymchi“ Verbindungen zu den „Geistern der Höhe“ (Archyn koror) aufgenommen haben, aber es ist nicht sicher. Diese „heiligen“ Personen innerhalb der Altaitradition zeugen von einer Vielfalt von Ämtern und Funktionen, sind "Träger" oder neutral in Bezug zu religiösen Aktivitäten, die direkt zur Aufrechterhaltung oder Konsolidierung der Clanstrukturen dienten. In anderen Worten, sie funktionierten unter einer Clanebene. Aber auch andere Spezialisten, die einer „Anrufung“ von Mächten angehörten, die sowohl in der mittleren als auch in der oberen Welt kommunizierten, sind Scharniere der
Shuo-Ebene, sie zelebrierten religiöse Darbietungen mit Aru-tös (Vorfahren – im gewissen Sinne Ahnenkult).

- Ak kam (weisser Schamane) - Die „weissen Schamanen“ waren eine wichtige und vorab „heilige“ Person, aber es ist wenig über deren besondere Funktionen bekannt, über ihre Arbeit in der Mittel- und Oberwelt. Sie wurden tatsächlich als „starke“ und sehr respektierte Personen angesehen. Sie kommunizierten nicht mit Geistern der Unterwelt und wandten sich nicht an Erlik als Problemlöser oder Krisenmanager. Sie kommunizierten in erster Linie mit den Aru-tös (Vorfahren), diesen himmlischen Gönnern – Vorfahren von Clanmitgliedern, mit Ot-en (Mutter des Feuers), Umai (Göttin der Geburt) und weiteren anderen. Auch hielten sie die Autorität bei der Durchführungen einer Zeremonie mit Taika-eezi (Meister der Berge), der eine Schirmherrschaft für einen Clan der Umgebung bildete; dies verhielt sich analog zu den himmlischen Aru-tös (Vorfahren) und Geistern des Jer-sub-Komplex (Götter der irdischen Welt). Denjenigen, die Förderer der Clans oder für grössere soziale Strukturen einer Gemeinschaft verantwortlich waren, hat man saisonalen Rituale gewidmet. Bei den Zeremonien waren sie nicht in andere Welten gereist und versetzten sich überhaupt nicht in Trance; sie walteten mehr als Clanpriester, die Opferrituale durchführten, die vom ganzen Clan besucht wurden. Es wurden keine Tiere geopfert, sondern man hat Stutenmilch oder Alkohol rund um den „heiligen“ Ort gestreut. Der Schamane verwendete weder Trommel noch kleidete er sich im Manjak (Kostüm): Er trug ein weisses Gewand und einen Hut, der mit Bändern (chalu) verziert war. Zelebriert wurde auch zusammen mit Jelbichi (Priester, die mit Weihrauch heilige Ämter durchführten) und Yarlykchi (Priester – sie waren „Boten“ zu den Göttern).
In weisser Robe und Hut gekleidet, gleich einer Frau, haben sie in Versammlungen in den Bergen Tengri (höchster Himmelsgott) mit Zeremonien um Beistand gebeten. Sie wurden oft auch von einem gewählten Ältesten, die diese besonderen zeremoniellen Kleider trugen, durchgeführt. Dieses Kleid ähnelt dem eines Ak kam. Der Ak kam oder ein amtierender Ältester hat solche Tengri-Zeremonien durchgeführt, die Hauptrituale unter Clangemeinschaften darstellten. Daher wurden beide auch Spezialisten genannt. Das Ritual endete mit dem Festschmaus, wenn der Hammel das Opfer gegessen hat und Stutenmilch „Araka“ im Mondschein getrunken wird. Alle Speisereste und Knochen wurden dem Feuer übergeben. Das Gebet zu „Himmel und Sonne" galt jenseits der Sphäre den bösen Geistern, und daher war die Anwesenheit eines Schamanen bei solchen „Tigir-taikh“ Zeremonien nicht erforderlich.

- Kaichi (Barden) - Sie sind Sänger, die gesammelte Mythen, Sagen, Legenden und Epen vortragen. Sie gehören zu den wichtigen Bewahrern dieser Kultur. Ihre Erzählungen sind verknüpft mit deren religiösen Vorstellungen, Praktiken und heilig gehaltenen Plätzen. Auch über die Herkunft der Stämme (sööks), deren Führer und Heldentaten, über die Schöpfungsgeschichten, wird einiges berichtet. Solche Epen werden über Generationen mündlich übertragen und würden rund 4.000 Seiten in Büchern füllen.
Über Ulgen, Geser (Schöpfer) oder Aru-tös (Vorfahren) von türkischsprachigen und mongolischen Stammesgemeinschaften berichten Kaichi, so nennt man sie auch, „die Leute des Wissens“ – „neme bilerkizhi“. Solche Epen werden über Generationen mündlich überliefert; wie z.B. "Altai-buchai", "Maadai-kara" und andere Erzählungen der Altaier.

- Epische Geschichten befassen sich grundsätzlich mit der Stammesgeschichte und deren Mythologien. Es ist wichtig zu erwähnen, dass solche Epen selten nur einem besonderen Stamm (söök) zugeordnet werden können. Die Stämme sind untereinander verwandt, nicht aber in einem ethnischen Sinne. Man wendet sich an das „Kollektivgedächtnis“ aller Stämme mit ihren Vorfahren. Man spricht für alle türkischsprachigen und mongolischen Gemeinschaften und deren sich damals gleichenden Weltanschauungen. In jeder grösseren Erzählung wird ein Held gepriesen (meist ein männlicher Vorfahre und Führer einer Gemeinschaft). Es können aber auch weibliche Helden sein wie in der Legende „Ochibala“ (Amazonen-Kriegerinnen).

Die Geschichten erzählen von Helden/innen, die unter sonderbaren Umständen geboren wurden. Sie unternehmen Reisen (sei es in Form einer Jagd). Bei der Rückkehr finden sie ihre Gemeinschaften unterdrückt oder ihre Heimat durch Invasion oder Attacken zerstört vor. Angreifer werden darin beschrieben, die eine Unterdrückung mit dem Charakter einer Gestalt wie Erlik, dem Herrscher der Unterwelt, identifizieren. In den Heldengeschichten (Epen), auch in der Form von Märchen, sind zentrale Figuren die Helden mit übermenschlichen Kräften, die mit Gewalt, List und Weisheit begnadet sind und die Freiheit wieder herstellen. Unterdrücker werden besiegt oder vertrieben, und die Helden werden als Führer und Befreier gefeiert. Es ist zu einer Form deren Vergötterung gekommen. Beispiele dafür sind Stammesführer wie Amyr-sana, Schunu oder Oirot-khan. Im Volk waren auch die Geschichte und der Glauben an Ak Jang verbreitet. Ebenfalls wird die Legende vom Befreier, der zurückkehrt und das Volk erlöst, beschrieben (Shambhala – der König kehrt aus dem Paradies zurück, um das Volk zu befreien).

Ein gemeinsames Gebet, gerichtet an „Geist-Ritter“ (Helden) zum Dank für die Erlösung, wird mit Priestern in Zusammenkünften zelebriert. Namen treten dabei auf wie: Schunu, Altyn-tunter, Geser-khan, Khantolpytte, Bakshi-burchan, Altyn-kerel, Altyntopchy, Ak-anchilei und andere. Besonders wichtige unter den Helden sind die drei: Oirot-khan oder Galdan-Oirot, Schunu (auch Ashina gemeint) und Amyr-sana - alle drei Helden sind mit den Leiden der Dschungaren unter den Angriffen der Mandschu aus der Qing Dynastie (17./18.Jh) verknüpft.

Quelle sind unveröffentlichte Manuskripte des Ethnographen und Musikwissenschaftlers A.V. Anokhin, der mehr als zwanzig Jahre im Altai verbrachte.

- mehr Informationen und Zusammenstellung zu Begriffen siehe: Glossar

A.V. Anokhin (†1931) lebte von 1910 bis 1931 im Altai. Während seiner Tätigkeit als Musiklehrer in Ulala (Gorno- Altaisk) untersuchte er aktiv Folklore, Musik und Religion der Altaier. Sein Werk „Materialy po Shamanstvu u Altaitsev“, das in Leningrad im Jahre 1924 veröffentlicht wurde, bleibt eine vollständige und detaillierte Darstellung des Altai Schamanismus. Anokhin studierte von 1910 bis 1930 auch „Ak Jang“ und war in der Lage, dessen Entwicklungen zu beobachten. Das Manuskript ist Eigentum des Archivs des Instituts für Altaiische Studien in Gorno-Altaisk. - „Ak Jang“ ist entstanden, um Schamanismus zu ersetzen oder zu ergänzen. Er versuchte, beide Überlieferungen der Sonnenanbetung nach verschiedenen evolutionären Theorien der Religionswissenschaft des 19. Jahrhunderts zu verbinden.
Die Arbeit von A.G. Danilin bleibt die einzige veröffentlichte Quelle, die sich mit der Theologie und Praxis des „Ak Jang“ im Detail beschäftigt. Danilin erwähnt Manuskripte von A.V. Anokhin.
Nicholas Roerich - ein berühmter russischer Okkultist und Künstler, der „Agni-Yoga“ gefördert hatte - eine Mischung aus buddhistischen (zumeist erfundenen), „esoterischen“ gemischt mit christlichen und spiritualistischen Elementen, die der Theosophie (Göttliche Weisheit) ähnelten. Der zentrale Punkt dieser Lehre war die „Suche nach Shambhala“. Er und seine Frau Elena Roerich, die ein gefeiertes Medium war, produzierten eine Reihe von „Shambhala-Prophezeiungen“, die in den späten 1920ern sehr populär wurden; Roerich und seine Frau reisten durch den Altai, wie dies in Roerichs Buch „The Heart of Asia“ aufgezeichnet ist.

- Karte: Gorno-Altaisk

© Albi – April 2014 – lektoriert von Hermelinde Steiner – Juli 2015


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