Face Music - Africa the country of the poeple
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P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016


Text in German

Die afrikanische Musik ist in ihrem Kontext ausgesprochen authentisch - traditionelle Musik afrikanischer Völker ist ausserhalb dieser Grenzen nur wenig bekannt.

Der nicht-afrikanische Zuhörer kann die Musik als seltsam, schwierig und unattraktiv empfinden. Aber sowohl die afrikanische als auch die nicht-afrikanische Musik sind Produkte des menschlichen Geistes sowie individuelle Klänge, die dieselben Elemente wie Tonhöhe, -dauer, -farbe und -intensität umfassen. Die Musik spielt in den meisten Gesellschaften eine ähnliche Rolle, so etwa in der Form von Arbeits-, Schlaf-, Kampf-, Hochzeits-, Trauerliedern, jahreszeitlich verschiedenen Liedern, Liebesliedern, Ritualliedern, religiöser Musik etc. In Afrika finden sich dieselben Instrumentenkategorien wie in Europa: Saiteninstrumente, Blasinstrumente und Schlaginstrumente. Das afrikanische Musikkonzept unterscheidet sich aber dennoch vom europäischen. Traditionelle Afrikaner wollen nicht Töne kombinieren, um eine für das Ohr angenehme Melodie zu erzeugen. Sie wollen schlicht und einfach alle Aspekte ihres Lebens durch das Medium Klang zum Ausdruck bringen. Ihre Musik will die Natur nicht imitieren, sondern kennt das Verfahren vielmehr um, indem in natürlichen Klängen gesprochen wird, einschliesslich dabei der gesprochenen Sprache, und dies in die Musik eingewoben wird. Für Nicht-Eingeweihte kann dies das Ergebnis sein, da sie pentatonische, hexatonische oder polyphonische Tonleitern verwenden, aber es ist tatsächlich so, dass jeder Klang eine ganz bestimmte Bedeutung hat. Die afrikanische Musik ist innerhalb des Kontexts des afrikanischen Lebens zu verstehen.

Die Musik spielt in der afrikanischen Gesellschaft eine grosse Rolle. Sie stellt einen wichtigen Bestandteil des Lebens jedes afrikanischen Menschens dar, und Frauen spielen in der Musik ebenfalls eine aktive Rolle. Es werden Spiele veranstaltet, um die Kinder, jungen Männer und Mädchen auf alle zukünftigen Lebensbereiche vorzubereite. - auf das Mann- und Mutter-Dasein, auf dessen/deren Arbeit, einschliesslich dabei Fischfang, Jagd, Ackerbau, das Mahlen von Mais, den Besuch von Hochzeiten und Begräbnissen oder Tänzen.

Eine intime Einheit stellt die Regeln für das Leben von Mann, Frau und Kunst im Ritual dar. Dies läuft auf eine Umgangsform hinaus, die der gesamten Gesellschaft gemein ist. Die Kunst des Musizierens ist so im Lebensstil verwurzelt, dass es überflüssig ist, dafür eine bestimmte Bezeichnung zu finden. In der afrikanischen Gesellschaft ist die Trommel von so enormer Bedeutung, dass sie manchmal mit einem Mann gleichgesetzt wird. Die Trommel ist ein Kommunikationsmittel, mit dem die Menschen Nachrichten übermitteln und andere Dörfer benachrichtigen. Frauen müssen dieses Instrument somit mit demselben Respekt behandeln, den sie für die Männer aufbringen. In einigen afrikanischen Ländern dürften Frauen unter keinen Umständen eine Trommel auch nur berühren. Die afrikanische Musik ist beinahe immer eng mit einer anderen Kunstform, so etwa der Poesie, gewissen Riten oder dem Tanz, verbunden und stellt somit eine der aufschlussreichsten Ausdrucksweisen für das afrikanische Leben und die afrikanische Seele dar.

Daher ist die Schlussfolgerung sehr naheliegend, dass jeder Afrikaner ein Musiker ist. In gewissen afrikanischen Gesellschaften ist die Musik eine dynamische und treibende Kraft, die das Leben der gesamten Gemeinschaft zum Leben erweckt. Diese Gemeinschaftsmusik kann eine sehr weit entwickelte Form annehmen. Sie verdienen durch ihre Musik nur in einem Teil des Lebens ihren Lebensunterhalt, in der restlichen Zeit sind sie auf andere Aktivitäten angewiesen. In zahlreichen afrikanischen Gemeinschaften besitzen nicht alle das Recht, gewisse Instrumente zu spielen oder an traditionellen Zeremonien teilzunehmen, vielmehr handelt es sich dabei um das Privileg des professionellen Musikers. Solche Musiker leben allein von ihrer Kunst und gehören bestimmten Familien oder Kasten an.

Griot ist die Bezeichnung, die sich in Westafrika dafür findet. Die Rolle des Griot erstreckt sich über das Reich der Musik und Magie hinaus. Er / sie ist ein Erzähler der Geschichte, Philosophie und Mythologie, ein Kenner der Sammlungen über die Traditionen der Menschen. Er / sie spendet die Heiltherapie für den Medizinmann. Er / sie ist ein Lobliedsänger, ein Troubadour - das Gegenstück zum europäischen Minnesänger des Mittelalters. Die Menschen fürchten den Griot, verehren ihn, behandeln ihn aber auch oftmals mit Verachtung, weil er einer der niedrigsten Kasten angehört. Der Griot in Äquatorialafrika spielt auch die Mvet (Harfenzither). Diese Person ist manchmal in einer glücklicheren Lage als der Griot, da die Verehrung, die er geniesst, nicht mit Verachtung einhergeht, weil er normalerweise nicht die Reichen und Mächtigen in seinen Lieder preist, wie dies der Griot tut. Einige Stämme verbinden Tanz und Musik, und bei ihnen werden die Geschichte und soziale Elemente in einer Form des heutigen Theaters dem Publikum näher gebracht.

Für die afrikanischen Musiker sind die Auswirkungen der Revolution, die gegenwärtig den gesamten Kontinent ergreift, durchaus spürbar. Musik ist, wie sie in der traditionellen Gesellschaft verwurzelt ist, nicht eine Funktion, mit welcher die Vertreter dieser die Anforderungen des modernen Lebens erfüllen können. Weiters ist der Wettbewerbsdruck enorm, und somit ist unter diesen Bedingungen auch die Musik als Profession einem enormen Druck ausgesetzt. In manchen Gesellschaften wird die Musik überhaupt nicht als Profession angesehen, was dazu führt, dass dies eine weitere Beschränkung für das Leben als Musiker darstellt. Wie die Dinge heute liegen, ist die traditionelle Musik vom Aussterben bedroht und wird sich langsam aber sicher ihrem Verschwinden nähern, sollte die Zukunft der Musiker nicht auf die eine oder andere Art und Weise sichergestellt werden. Dies gilt besonders für die traditionelle Musik, die natürlich nicht schriftlich niedergeschrieben ist, sondern von einer Generation zur nächsten überliefert wird.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass der traditionelle Musiker vor fremden Einflüssen geschützt werden sollte. Solche Einflüsse können vielmehr eine Quelle der künstlerischen Inspiration darstellen.


Land und Menschen

Nordafrika und die Sahara, Ägypten und Ostafrika mit Äthiopien werden grossteils von den hamitischen Kulturen beherrscht. Obwohl von dunkler Hautfarbe, sind sie keine Schwarzafrikaner. Sie sind Hirtenvölker mit kriegerischem Einschlag, welche die wasserarmen Steppen als Nomaden durchziehen. Sie wanderten von Norden in den fruchtbaren Süden und von Osten nach Westen, wo sie die Stämme der sesshaften Schwarzafrikaner beherrschten. Sie lebten auch in Gemeinschaften und liessen den Hausbau, die Feldarbeit und das Handwerk von den Schwarzafrikanern besorgen.

Der afrikanische Kontinent beginnt am Mittelmeer mit der Sahara, die sich quer durch den Kontinent vom Roten Meer bis zum Atlantik erstreckt. Im Westen auf der Höhe des heutigen Tunesiens beginnt das Atlasgebirge, das sich über Algerien bis nach Marokko erstreckt, wo die nordhamitischen Stämme der Berber und Mauren leben.

Der blaue Nil entspringt im Hochgebirgsland des heutigen Äthiopiens. Der weisse Nil durchwandert den Sudan und reicht bis an den Äquator. Hier leben die Stämme der Sudan-Neger und Niloten, die der altnigritischen Kultur angehören. Sie leben von Rinderzucht und Ackerbau. Im Südsudan bilden sich ausgedehnte Sumpfgebiete, die an eine Hochlandregion mit Seen, Wasserfällen, Vulkanen und schneebedeckten Ueber-Fuenftausendern grenzen. Hier gibt es eine Vegetation mit Schirmakazien und Affenbrotbäumen, sowie das Rift Valley (grosser Graben): dieser Graben erstreckt sich vom Nahen Osten bis in den Süden Afrikas. Im heutigen Ostafrika leben die Bantu-Stämme der östlichen und südlichen Savanne.

Am Rande der Wüste im Westen beginnt die Sahel mit ihrem kargen Weideland. Anschliessend kündet dichtes Grün über deren roter Erde eine fruchtbare Tropenregion an. Die Feuchtsavanne ist durch Büsche und Galeriewälder, mit Gras und Kulturland und mit grösseren Siedlungen, geprägt. Die Savanne hat zahlreiche Keile in den Urwald getrieben, der sich an der Westküste von Senegal bis in den Kongo (ehemaliges Zaire) hinzieht. In den lichteren Gebieten leben die Waldafrikaner, die sich vom Jäger zum sesshaften Bauern entwickelt haben. In den dichten Urwäldern leben die kleinwüchsigen Pygmäen, die als Jäger und Sammler heute noch ihren ursprünglichen Lebensstil pflegen.

Im südlichen Kongo löst sich die Feuchtsavanne wieder aus dem Urwald, um sich von Angola bis an den Indischen Ozean auszubreiten und sich bis zum Kap als Trockensteppe fortzusetzen. Im zentralen und westlichen Südafrika liegt die riesige Salzsteppe der Kalahari, die Heimat der letzten Buschmänner (San), welche einst als Jäger weite Regionen Afrikas durchstreiften und mit Felszeichnungen ihre Jagdmagie festhielten.

Spuren des afrikanischen Menschens reichen bis in die frühesten Epochen der Menschheit zurück. Schädel- und Knochenfunde stammen aus dem Alt-Paläolithikum. Menschenreste der Pithekanthorpus-Stufe und Frühformen des Homo-Erectus fand man auch in Afrika. Der älteste Fund ist der "Orrorintugenesis" ("Millenium-Mann") aus Kenia (Ur-Mensch, 6 Millionen Jahre). Die Sahara bildete wohl eine gewaltige Kulturscheide zwischen Weiss- und Schwarzafrika, sie stellte aber für die Karawanen, die seit Jahrhunderten diese durchzogen, von Oase zu Oase, um die Wasserstellen aufzusuchen, kein wirkliches Hindernis dar. Die Hochkulturen des afrikanischen Nordsaums, wie Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner, Mauren und Berber und auch die Sarden und Etrusker, standen mit den Sudanern im Handelsverkehr. Es waren Berber und Ful, die im Westsudan die ersten Feudalreiche errichteten.

Neben den Wanderungen von Nord nach Süd ist auch jene von Nordost nach Südwest bedeutsam. Aus dem Niltal (Blauer Nil - Äthiopien) ergossen sich immer wieder Wellen und Einflüsse über den Kontinent. Eine wichtige Umschlagstelle bildete das nubische Reich Napara-Meroë mit dessem sakrosankten Königsstaat, zumal die Königreiche in Uganda, Kaffa, Monomorapa, Barotse sowie jene von Westfafrika und dem Kongo (vormals Zaire) untereinander regen Handel trieben. Eine andere wichtige Wanderroute verlief durch den Zentralsudan zur Tschadregion und vom Tschad in die Niger- und Kongogebiete im Westen.


Religion - Ahnen- und Geisterkult

In der Philosophie der Schwarzafrikaner (auch der Bantu) ist das zentrale Thema die Lebenskraft, die Energie, um die alles Denken und Handeln kreist. Es geht um Ethik, Metaphysik und die magischen Kräfte, die lebensbeeinflussend wirken, die Krankheiten und Schicksal mitbestimmen. Man strebt danach, viel Kraft zu erwerben und zu besitzen. Der Mensch steht im Mittelpunkt der Schöpfung und soll die ihm zustehenden Kräfte der Natur nutzen, frei wählen zwischen höherem oder niederem Gut, zwischen Böse und Gut. Der Missbrauch, der schädliche Zauber soll durch Versöhnungsopfer und ornithologische Reinigung die Ordnung wiederherstellen. Das Weltbild kennt viele dunkle und rätselhafte Erscheinungen, die zu deuten und durch Ritual zu besiegen sind. Man unterscheidet zwischen Weisser und Schwarzer Magie, zwischen dem Wirken des Medizinmannes und den düsteren Umtrieben der bösen Zauberer und Hexen - jener Dämonen, die im Dunkeln Unheil stiften. Ueber allen Kräften steht Gott, Geist und Schöpfer zugleich, der Weise (Medizinmann oder auch ein König - die Ahnen, Stammeltern oder Urmutter).

In das System der Seinslehre ist die Religion eingebettet. Der Meister vermittelt dem Schüler seine Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit den überirdischen Mächten. Oft amtet der Medizinmann zugleich als Priester und wirkt zum Wohl der Gemeinschaft. Er kann Kraft vermitteln und durch das Orakel bestimmen, wann der Zeitpunkt des Handelns gekommen ist. Er schützt, heilt, treibt böse Geister aus und vollzieht die Rituale.

  • Die Ahnenfigur ist das Medium, durch das sich der Afrikaner unterhält und seine verschiedensten Anliegen vorbringt. Die Stammeltern oder Urmutter erhört die Bitten um Fruchtbarkeit, Kindersegen usw.
  • Mit der Fetischfigur werden Krankheiten abgewendet, sie bringt Schutz auf einer Reise, bei Geburt, im Krieg und auf der Jagd.
  • Die Tierplastik geht auf den Ursprungsmythos zurück, ein Motiv des hilfreichen, schützenden Tieres, worin die Tiere als Retter der Stammesgründer auftraten oder ein wichtiges Kulturgut herbeischafften. Sie ist aus dem Bedürfnis nach Kraft und Schutz hervorgegangen. Auch die Jagdzeiten haben für deren Bedeutung eine wichtige Rolle gespielt.
  • Die Maske stellt hier einen dynamischen Aspekt dar. Immer dann, wenn sich der Mensch von Dämonen bedroht fühlt, gegen die er mit seinen natürlichen Mitteln nichts auszurichten vermag, ruft er durch Opfer und Beschwörung die guten Geister zur aktiven Hilfe auf. Es erfordert eine sorgfältige Inszenierung des Maskentänzers, um mit Hilfe eines phantastischen Kostüms und einer durch Opferblut und Trommelrhythmen fieberhaft gesteigerten Atmosphäre während des nächtlichen Rituals zu erreichen, dass sich das Geistwesen durch die Maske manifestiert. Im Bann seines Glaubens fühlt sich der Maskenträger von ihrer Kraft durchdrungen und verwandelt. Nach geraumer Zeit gerät er in Ekstase und beginnt, die Rolle des betreffenden Geistes zu spielen.
    Bei den Basoga (Lusoga, Soga) in Uganda bedurfte es ehemals eines Menschenopfers, um die göttliche Kraft heraufzubeschwören.
  • Kultgeräte sind Zeromonialgeräte in der Hand der Medizinmänner: ein Stab zur Anrufung der Götter; Rasseln, Trommeln und Glocken um ihre Aufmerksamkeit zu erregen; Becher und Schalen für die Opfergaben etc.



Instrumente und Stil

In beinahe dem gesamten Gebiet Schwarzafrikas finden sich ähnliche Instrumente; die Flora und Kultur in einer bestimmten Region beeinflussen aber dennoch das Vorherrschen bestimmten Instrumentenkategorien. Trommeln sind somit etwa in den Waldregionen öfters zu finden, als dies in den baumlosen Savannengebieten der Fall ist. Die Musikinstrumente spiegeln oftmals eine enge Verknüpfung zwischen Kunst, Ritualen und Musik wider.

Die Musik dieses riesigen Kontinents ist von grosser Homogenität geprägt, wenngleich auch klar ist, dass es zwischen den Regionen und Stämmen gewisse Unterschiede gibt. Die negroiden (schwarzafrikanischen) Kulturen südlich der Sahara haben offensichtlich einen lebendigen Austausch von Musik mit den Einwohnern des nördlichen Afrikas erlebt. Es gibt aber auch grosse Flächen mit sogenannten Grenzkulturen, die mit beiden, das heisst den schwarzafrikanischen (negroiden) und den nordafrikanischen Gesellschaften, verwandt sind (so etwa in Uganda).

Musik basiert auf der Sprache, und somit ist die Verbindung zwischen Sprache und Musik eine sehr enge. Es ist wirklich möglich, ein Instrument so zu stimmen, dass es linguistisch verständliche Klänge erzeugt. Musik ist ein Lebensausdruck, der von allen Sinnen wahrgenommen wird; und verschiedene Kulturen und Lebensstile üben einen bedeutenden Einfluss auf die Musik aus. In Ostafrika sind die Kulturen komplex und konzentrieren sich auf die Viehzucht, die Landwirtschaft und das Alltagsleben. Das Gebiet der Khoi-San (Buschmänner) im südlichen Afrika besitzt eine sehr einfache Kultur, die hauptsächlich auf nomadischem Sammeln basiert. An der nordwestafrikanischen Küste gibt es keine Rinderzucht; sie ist vielmehr von einer ausgeklügelten politischen Organisation geprägt, die vor der Übernahme durch europäische Regierungssysteme die Grundlage zur Bildung sehr mächtiger Königreiche geliefert hatte. Die Westküste Afrikas, die Gebiet der Khoi-San (San - Buschann) und der nordwestliche Teil, besitzt eine Kombination aus ostafrikanischen und nordwestafrikanischen Merkmalen. Ähnliches gilt auch für die Masaai in Kenia und Tansania (Nomaden mit Viehherden). Eine Reihe von Pygmäenstämmen lebt noch immer im Dschungel in relativer Isolation. Der nördliche Teil des Kontinents befindet sich zum Grossteil unter dem Einfluss der islamischen Kultur. Musik innerhalb jeder dieser Regionen ist mehr oder weniger homogen, wobei sie Unterschiede zur Nachbarregion aufweist.

Die Hauptcharakteristiken der Westküste sind der Taktsinn und das begleitende Konzept des "heissen Rhytmus", der gleichzeitigen Verwendung unterschiedlicher Takte sowie der Responsorialform des Gesangs mit Überlappung von Führungsstimme und Chor. Das Gebiet Zentralafrikas ist durch seine grosse Instrumentenvielzahl und Stilrichtungen sowie durch den in der Polyphonie auf das Intervall der Terz gelegten Schwerpunkt geprägt. Ostafrka war über Jahrhunderte hinweg islamischen Einflüssen ausgesetzt, wobei dies aber nicht in einem solche Ausmass der Fall war wie in der nördlichen Hälfte Afrikas. Vertikale Quinten (Pentatonik) sind hier häufiger, und die Rhythmusstruktur ist nicht so komplex; auch sind Schlaginstrumente hier nicht so häufig zu finden (insbesondere im nördlichen Teil Ugandas - der Region des Weissen Nils). Das Gebiet der Khoi-San-Musik (Buschmänner) ähnelt ganz offensichtlich in seinem Stil dem Ostafrikas, wenngleich es über einfachere Formen und Instrumente verfügt. Hier wird ein Grossteil der Musik in der Hocket-Technik gespielt, wie dies auch bei den Pygmäen im unteren Teil Zentralafrikas der Fall ist, das ebenfalls durch eine Stimmtechnik, die dem Jodeln sehr ähnlich ist, charakterisiert ist. (Die Technik des Jodelns findet sich sogar in Uganda).


Die Popularisierung der afrikanischen Musik

Die Geschichte und die Wanderbewegungen von Menschen nach, aus oder über Afrika hinweg weist darauf hin, dass die afrikanische Musik vielen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt war. Trotz Sklaverei und Kolonisierung - oder vielleicht gerade deshalb - erreichte der Einfluss der afrikanischen Musik die weitest entfernten Gebiete der Welt und wirkt auch wieder zurück. Millionen von Menschen wurden von Afrika in die Karibik oder nach Amerika transportiert, um dort für die Europäer als Sklaven zu arbeiten. Die Sklavenbevölkerung Südamerikas hatte ihren Ursprung eher bei den Bantu-Stämmen (hauptsächlich von Angola und Mosambik). Die Yorubas (aus Nigeria) wurden in Massen nach Kuba und Brasilien verschifft. In der neuen Welt blieb die usprüngliche afrikanische Musik erhalten, und bestimmte Instrumente, insbesondere das Xylophon, Berimbau und Cuica (eine Art Trommel), wurden über Generationen weitergereicht. In der Karibik und in anderen südamerikanischen Ländern blieb ein Teil der afrikanischen Musik erhalten, weil die Sklaven ihre sozialen Identitäten und ihre Kultur behalten durften. Sie wurden hier verstärkt in Stammenseinheiten "gehalten". In Südamerika und Kuba vermischte sich die Musik der afrikanischen Gemeinschaft mit den bereits vorherrschenden spanischen und portugiesischen Idiomen, aber sie wurde stärker durch die nordafrikanische Tradition beeinflusst, da sie bereits im 8. Jahrhundert Spanien besetzt hatten (so etwa die Mauren in Südspanien). Viele neue Musikstile wurden in diesen Ländern geboren, darunter Merengue und Beguine in der Karibik; Tango, Candombey und Samba verstärkt in Südamerika (Argentinien und Brasilien); und Rumba, Muntuno, Cha Cha Cha, Bolero und Salsa waren ebenfalls beliebte Stilrichtungen in diesen südamerikanischen Regionen. In der Karibik beeinflussten viele Elemente der europäischen Tradition die Musik der Sklaven. In den Anfängen wurde der Calypso durch die spanische, britische, französische und sogar asiatische Musik beeinflusst. Ursprünglich stand der Calypso unter dem Einfluss der afrikanischen Arbeitslieder, und die Rolle dieser Calypsos kommt in etwa der Rolle der Griot-Vertreter in der westafrikanischen Gesellschaft gleich. Auf Calypso folgte Soca. Es wurden sogar europäische Instrumente verwendet; und die Spieltechnik brachte oftmals afrikanische Instrumente wie das Xylophon (Bellaphone) wieder zum Vorschein. Reggae entwickelte sich über Ska aus dem Soca, als die Westinder den amerikanischen Rhythm and Blues (R&B) absorbierten. Dub folgte dem Beat des Rocks. Die Vermischung von weisser Musik (europäischer Musik) und schwarzer Musik (afrikanischer Musik) brachte neue Sounds zum Erklingen.

In Nordamerika (insbesondere im Süden der heutigen USA) wurde die afrikanische Musik von den Sklavenbesitzern beinahe ausgerottet. Sklaven wurden hauptsächlich von Stämmen der Mandingo, Wolof, Fanti, Ashanti, Yoruba und Calabari aus Westafrika importiert. Die Stammesgruppen wurden getrennt, und usprünglich waren sogar Trommeln verboten. Das Banjo basiert auf der Grundlage der westafrikanischen Kürbisguitarre. Afrikanische Arbeitslieder haben überlebt und entwickelten sich langsam in den Blues. Neue europäische Instrumente wurden auch von den schwarzen Musikern übernommen. Jazz, der die strukturierte Musik der Europäer mithilfe afrikanischer Techniken des Verknüpfens von Rhythmus und Melodien, der responsorialen Formmuster sowie der Vokalisierung durch Instrumente transformierte, wurde zur ersten rein amerikanischen Musikform. Ursprünglich war Jazz Tanzmusik, eine Vermischung aus Ragtime-Pianostyle mit Blues, Spirituals und der Marschmusik der Blaskapellen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt waren. Die afro-amerikanische Tanzmusik wurde auch in der Form des R&B am Leben erhalten. Die R&B-Sprache verband sich mit der Country-Musik und den Balladen zu Rock'n'Roll. Nach Jazz erwies sich Rock'n'Roll als die einflussreichste Vermischung, obwohl diese Musikform, als sie sich über den Globus ausbreitete, zu "weisser" Musik wurde. Soul entwickelte sich aus R&B, der sich mit Gospelmusik vermischte. Viele der besten Soul-Musiker entwickelten ihr Talent in den Gospelchören der Kirchen. Funk und Rap folgten. Alle diese unterschiedlichen Musikformen (aber insbesondere dabei die kubanische Rumba, amerikanischer Soul und Jazz, der karibische Merengue, Calypso, Reggae und Zouk) kehrten später nach Afrika zurück und belebten dadurch die lokale afrikanische Musik. Die "westliche" Musik wurde nach Afrika eingeführt. Es folgten westliche Instrumente, und auf diese Weise wurde die afrikanische volkstümliche Musik geboren.

Im südlichen Afrika gibt es parallel zur schwarzafrikanischen Musik eine europäische Musiktradition. Dies geht darauf zurück, dass ein grosser Teil der früheren afrikanischen Volksmusik (die eingeborenen schwarzen Kulturen) des Kaps ihren Ursprung in Indonesien hatten, was eine Konsequenz des Imports von Sklaven durch die Holländer darstellt. Die Chinesen und insbesondere die Inder brachten ihre Musik nach Südafrika. Auch die Briten übten einen gewissen Einfluss auf die Musik aus. Viele Aspekte der Musik wurden auch von den Europäern, insbesondere dabei den Deutschen, "ausgeliehen": Heute klingen die afrikanische und englische volkstümliche Musik sehr ähnlich wie die europäische oder amerikanische.

Die volkstümliche Musik des Kontinents hat somit in den meisten Fällen zwei Eltern, einen afrikanischen und einen nicht-afrikanischen Elternteil. Afrikanische volkstümliche Stile wurden mit der Zeit zentralisiert, sie konzentrierten sich um die wichtigsten Kultur- oder Handelszentren: so gibt es etwa die Musik des "Manding Swing" oder "Electro Griot" aus Westafrika (zwischen Senegal, Guinea und der Bevölkerung am Niger-Fluss), den "Swahili Sound' aus Ostafrika (zwischen Uganda und Tansania), die muslimische Musik aus dem Norden (zwischen Marokko und Ägypten), Makossa und "Befreiungsmusik" (das Gebiet zwischen Kamerun und Gabun bzw. das Gebiet zwischen Simbabwe und Mosambik), und die panafrikanische Synthesen wie "Highlife" und die Rumba oder Soukous aus Kongo-Zaire, die sich von ihren Usprüngsgebieten am weitesten entfernt haben (das Gebiet zwischen Sierra Leone und Nigeria bzw. dem Kongo (ehemaliges Zaire)). Von den vielen volkstümlichen Stilrichtungen der afrikanischen Musik sind diese in der Tat jene, die auch ausserhalb ihres Kulturkreises bei einem neuen Publikum Aufnahme gefunden haben. Auf diesem Kontinent gibt es viele andere Stile - zu viele, um sie alle aufzuzählen. Es wird oftmals vergessen, dass vor dem europäischen Handel mit afrikanischen Sklaven viele Sklaven, insbesondere aus Ostafrika, darunter Nubier und Menschen aus dem Gebiet Kenias, im Zuge des arabischen Sklavenhandels auf die arabische Halbinsel verschifft worden waren. Das Eindringen der Araber in den afrikanischen Raum begann vor etwa 1.300 Jahren. Stimme, Tonalität und Sprache des Islams haben die nordafrikanische Musik sehr stark beeinflusst; Einflüsse finden sich aber auch in der afrikanischen Musik in den Gebieten unterhalb der Sahara, so etwa in Mali, Nigeria, Senegal und selbst in Tansania und Madagaskar. Später übten europäische Invasionen erneut Einfluss auf die Musik aus. Moderne nordafrikanische Musikstile, so z.B. Rai, haben sich in der Folge auch in Europa eine Anhängerschaft erobert und üben besonders auf die Musik in Frankreich einen grossen Einfluss aus.

Die Instrumente der arabischen Welt und Nordafrikas sollen angeblich die ursprünglichen Modelle für beinahe alle westlichen Instrumente, von der Gitarre und der Geige bis zur Trompete oder anderen Blasinstrumenten, sein. In der islamischen Musik gibt es nicht viele Trommelarten. Die nordafrikanische Musik zeigt heutzutage eine kulturelle Kontinuität auf, die bis auf 500 vor Christus zurückgeht. Die klassische arabische Musik selbst war eine Vermischung aus vor-islamischer arabischer Musik mit persischen und türkischen Elementen.

Die Musiktraditionen Afrikas werden mit Sicherheit überleben und weiter wachsen, und die Popularität der afrikanischen Musik wird sich auch weiter rund um den Globus ausbreiten. Dadurch werden ein besseres Verständnis und eine grössere Wertschätzung Afrikas und seiner Kulturen unter den ausserafrikanischen Kulturen der Welt gefördert und unterstützt.

   
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Überarbeitet und übersetzt von Hermelinde Steiner

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