Face Music - Settlements in Siberia - Southern Altai
  • Siedlungen in Sibirien - südliches Altai




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P & C December 1998
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Entstehung von Siedlungen in Sibirien und südliches Altai

Das Buchtarma-Tal liegt im östlichen Kasachstan - die Buchtarma ist ein Nebenfluss des Irtysch im Semipalatinski Rayon, dessen Quellen in China liegen - Siedlungen, ihre Entwicklung, Lieder, Bräuche und Kleider - ein Bericht von Olga Abramova - Direktorin des Folklore-Zentrums Pesnokhorki in Barnaul.


- Siedlungen in Sibirien

Pelzhändler aus Nowgorod drangen bereits im 12. Jahrhundert in den sibirischen Raum vor. Etwas später wurde dieser Handel unter der Kaufmannsfamilie Stroganow weiter ausgebaut und auch von ihnen kontrolliert. Im Auftrag des Zares Iwan IV., "des Schrecklichen" (1533-1584), wurde dieses Land kontinuierlich besiedelt. Siedlungen (Sitches) entstanden, und Forts (Staniza) wurden errichtet, Wald gerodet und Salz gewonnen. Don-Kosaken unter dem Kommando des Hetman Jermak unternahmen Expeditionen in diesen Raum. Mit Schiffen drangen sie auf Flüssen immer weiter nach Osten vor. 1590 wurden beinahe dreissíg Familien nach Sibirien verschickt, und 1593 wurden die ersten Verbannten nach Sibirien deportiert. Russland schob die Siedlungen immer weiter gen Osten und förderte die Landwirtschaft; dazu gehörte auch die Zahlung von sogenanntem Siedlungsgeld. Das Wachstum dieses Territoriums durch Eroberungen erreichte seinen Höhepunkt Ende des 16. und Beginn des 17. Jahrhunderts, was einerseits ein Ergebnis dieser Expeditionen und andererseits die Folge späterer Feldzüge des Kosakenführers Ermak Timofeyew zwischen 1583 - 1585 hinter dem Ural war. Das Khanat Sibir wurde dem Russischen Reich zugeführt. Jahre später, 1639 – 1640, drang der Kosakenführer Iwan Juriewitsch Moskitin mit seinen Kameraden und Truppen vom Tomsker Heer bis an die Pazifikküste vor. 1648 entdeckte der Kosakenführer Dejneff den Kanal (heutige Beringstrasse). Unter Ataman Dmitrij Kopylow überquerten Schiffe dieses Meer und drangen nach Alaska vor. Eroberer kamen mit den Chinesen zum ersten Mal entlang des Flusses Amur in Kontakt. 1689 waren sie gezwungen, ihre Eroberungen am oberen Verlauf des Amurs an die Chinesen zurückzugeben. Weitere wichtige Expeditionen gingen mit den Reisen des dänischen Kapitäns Vitus Bering während der Jahre 1733-43 einher.
Eine Erschliessung des südlichen Altais fand im Jahre 1723 statt. Reichlich vorhandene Bodenschätze (Eisen, Erze und auch Gold) in diesem Altaigebirge (Goldene Berge) lösten ein wahren Boom aus: Minen wurden eröffnet und Arbeiter angeheuert. 1754 begann die Regierung, Verbrecher und Gefangene systematisch nach Sibirien in die Verbannung zu schicken, wo sie zum Teil zur Zwangsarbeit verknurrt wurden und in den Minen arbeiten mussten. Innerhalb Sibiriens verdichteten sich die Wanderbewegungen im 19. Jahrhundert immer mehr; aus den 30-er Jahren gab es eine grosse Anzahl von Verbannten. Zahlreiche Litauer und Ruthenen (1), welche sich der erzwungenen Union mit der orthodoxen Kirche entgegen gestellt hatten, sowie Polen (2), die in die Revolte eingegriffen hatten, wurden nach Sibirien verbannt.

  • (1) Die Bezeichnung dieser in den Karpaten lebenden Stämme als "Ruthenen" stammt von den Oesterreichern (darunter verstand man auch die Slowaken, Polen und die eigentlichen Ukrainer, die einen einheitlichen Dialekt gesprochen hatten, der dem heutigen Ukrainischen naheliegend ist). Sie selbst nannten sich Rusyn.
  • (2) Die sibirischen Katholiken gehören der Erzdiözese Mohileff an. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Nachfahren von Polen und Ruthenen, die aufgrund ihrer Religion nach Sibirien verbannt worden waren. Dies war insbesondere der Fall, als Zar Nikolaus I. (1825-1855) in den Jahren 1827-39 versuchte, die Uniat-Ruthenen und Litauer mit der orthodoxen Kirche in eine Verbindung zu bringen und als Tausende Katholiken und einige hundert Priester nach dem polnischen Aufstand 1863 nach Sibirien deportiert wurden.

Jeder russische Emigrant, der von der Regierung die Erlaubnis erhalten hat zu gehen, erhält 25 Dessiatines (40,5 a) Farmland als Eigentum, darüberhinaus ist er drei Jahre lang von Steuern und neun Jahre lang vom Armeedienst entbunden. Die Umsiedler waren aber Menschen, die zu Hause von Erkrankungen oder Krankheiten wie Typhus gequält worden waren, die nun von den Europäern eingeführt wurden; wobei zusätzliche Probleme durch Alkohol und die Schulden entstanden, die sich bei Vorbezug von Waren anhäuften, sowie durch eine erschwerte Rückzahlung aufgrund schlechter Ernten; oder durch die Gebundenheit an bestimmte Händler für gegebene Kredite - Eintausch der Erträge).

Neben Kaufleuten, Abenteurern und Kosaken kamen anschliessend Handwerker nach Sibirien. Die zugewanderten Bauern begannen mit der Bearbeitung dieses fruchtbaren Landes und brachten westliche Strukturen und Administrationen in dieses wilde Land. Übersiedler haben gleichermassen ihre Arbeitserfahrungen und kulturellen Traditionen mitgebracht. Dies hat zu einem Wandel und Einfluss auf die örtlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten geführt. Auch geografische und klimatische Bedingungen haben eine Neuorientierung gefordert. Die Zugewanderten haben mit den Urbewohnern gewisse lokale Eigenheiten entwickelt.


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Siedlungen im südlichen Altai

Zugewanderte errichteten Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals im südliche Altai Siedlungen am oberen Irtysch (Fluss) und in Nebentälern (heute östliches Kasachstan). Auf Erlass von Zar Peter I., "der Grosse" (1682-1725), wurden am Oberlauf des Irtysch Festungen, die sogenannte Irtyschlinie, erbaut (1716 - 1720). Von der Ust-Kamenogorski Festung bis zum Zaisan-See errichtete man weitere Festungen, die sogenannte Buchtarminski Linie. Eine Besiedlung zusätzlich mit Bauern wurde von den Behörden gefördert. Man hoffte, dadurch mit vereinten Kräften von Bauern und Kosaken zusammen diese Grenzlinie besser bewachen und auch sichern zu können. Mit der Errichtung von Garnisonen und Festungen am Irtyschoberlauf und mit der Gewährleistung der Versorgung dieser Siedler mit Lebensmitteln erhoffte man, wichtige Bedingungen geschaffen zu haben, um Neuansiedler zu gewinnen, die nun eine Sicherung der Grenze zu chinesischen Besitzungen hin gewährleisten sollten. Doch eine Besiedlung auf Kosten von freiwilligen Bauem entwickelte sich nur langsam, und die Verwaltung musste sich dazu entscheiden, den Prozess dadurch zu beschleunigen, dass man Strafversetzte und Raskolniks (Altgläubige) hierher brachte.

Zur Zeit nach einer im 17. Jahrhundert erfolgten Kirchenreform war ein bedeutender Teil der Altgläubigen (dem alten Glauben treu Gebliebene) (3) nach Podolija und in andere Polengebiete geflüchtet (Russische Staatsangehörige). Sie haben sich dort eingelebt. Man verabschiedete im Jahre 1762 durch den Senat einen Erlass, auf der Grundlage eines Manifestes der Zarin Katharina II., "der Grossen" (1762-1796), diese Altgläubigen in den Altai umzusiedeln. Man gewährte nun den wegen religiöser Verfolgung nach Polen geflüchteten Dissidenten Amnestie und bat sie, wieder in das Russische Hoheitsgebiet zurückzukehren. Diesen freiwilligen Rückkehrern wurde absolute Strafaufhebung zugesichert, und man stellte ihnen folgendes zur Auswahl: entweder zu ihren früheren Wohnsitzen zurückzukehren oder zu anderen Orten überzusiedeln. Man erhoffte, insbesondere im sibirischen Gebiet im Verwaltungsbezirk der Ust-Kamenogorski Festung entlang der Flüsse Ube, Ulbe, Berjosowka, Glubokaja oder an anderen Zuflüssen, solche Ansiedlungen von Rückkehrern zu fördern. Ihnen wurde doppeltes Gehalt versprochen. Dieses hatte bereits Zar Peter I. ausgesprochen. Die einstmals geflüchteten Raskolniks, die nun den Namen Poljaks (Polen) bekamen, rief man auf, ohne Angst oder Furcht vor Strafe nach Russland zurückzukehren. Ein Teil dieser Poljaks kam freiwillig. Ein grosser Teil jedoch wurde nach einer Zerschlagung durch General Mayomaslow auf Wetka nach Sibirien verbannt. Zwanzigtausend wurden damals zwangsumsiedelt, und viele von ihnen liessen sich im Altai nieder. Somit sind auf Grundlage dieses zaristischen Manifestes und mit Hilfe von Militärkraft im Altai erste Poljaken-Siedlungen im Jahr 1764 entstanden (4): Schemonaicha, Losicha, Staroalejskoje, Sekisowka, Ekaterinowka, Bobrowka.

  • (3) Altgläubige: Unter dem sogenannten sanften Zaren Alexei I. (1645-1676) hatte der Patriarch Nikon (1605-1681) versucht, die Lithurgie von eingedrungenen Widersprüchen zu reinigen und auf die Riten der byzantinischen Kirche zurückzugreifen, was auf den heftigen Widerstand vieler Altgläubiger, der "Raskolniks - Dissidenten", gestossen war.
  • (4) Archivforschungen von Professor Aleksenko N. W. über russische Siedlungen des südlichen Altais und von Pallas P.S. Mitte des 18. Jahrhunderts.

Professor N.W. Aleksenko und Professor P.S. Pallas hatten eine Reihe von russischen Siedlungen (Dörfer) in den Tälern der Flüsse Ulba und Uba besucht, die von aus Zentralrussland Geflüchteten an Stelle von früheren Vorposten gegründet worden waren. Dabei handelt es sich um Siedlungen wie Schemonaicha, Sekisowka, Werch, Ubinsk und Bobrowka. Nur Schemonaicha bezeichnet man als eine in der Neuzeit gebaute (strukturierte) Siedlung, andere galten als ursprüngliche, schon länger bestehende Siedlungen. Zum grössten Poljaken-Zentrum wurde das Dorf Staroalejskaja. Bald schon gingen aus diesen ersten Siedlungen weitere neue hervor: Bolschaja Retschka, Bystrucha, Malenkaja Ubinka. Neuansiedlungen von Poljaken an der Uba und Ulba wurden immer weiter nach hinten verlegt, immer näher an den Bergen errichtet. Zu beobachten war, dass diese Ansiedlungen auf ein weites Territorium zerstreut entstanden und auch dass es keine Vermischung von Poljaken mit den alteingesessenen sibirischen Raskolniks gab. Poljaken behielten standhaft jahrzehntelang durch ihre Isoliertheit ihre spezifische Lebensart bei. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts und mit Beginn des 19. Jahrhunderts breiteten sich Poljaken-Siedlungen auf den Territorien der Altaigebiete wie Wladimirskaja, Ubinskaja, Ridderowskaja, Tscharyschskaja, Anujskaja, Altaiskaja, Aleiskaja weiter aus. Ein Beweis ihrer standhaften Isolation war die Tatsache, dass selbst mit den Poljaken, die den Buchtarminski-Altgläubigen am nächsten stehen, keine Vermischung stattfand.
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In Bobrowka, Sekisowka, Werchnjaja Uba vermischten sich Familien aus Polen mit abgezogenen russischen Soldaten, die auch Altgläubige waren, mit ehemaligen Wetkowzy. Es bildeten sich dadurch zwei Altgläubigen-Linien aus: am Anfang haben sich diese zwei Linien im Westen des heutigen Ust-Kanski Rayon im Gomo-Altiski Altai, einem autonomen Gebiet, vermischt (Poljaken und Jasaschnye Buchtarminski-Ujmonski). Ihnen wurde freie Eintragung für doppeltes Gehalt erlaubt. Genauso war es mit den Schemonaicha Gruppen. Vor der Revolution hatte man diese Siedlungen noch Schemonaiwo und Schemonaiwskoje benannt. 1770 besuchte der Naturwissenschaftler und Forschungsreisende Professor Pallas P .S. zum ersten Mal mit einer Expedition Schemonaicha. In seinen Aufzeichnungen wird von einer "Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches 1768 - 1774" daran erinnert. Am Fluss Schemonaicha hatte er ein Dorf gefunden, in dem 30 Höfe standen, die an Stelle eines früheren Kosaken-Vorpostens aufgebaut worden waren. Bewohner waren ehemals aus Polen Zugewanderte, denen man russische Abstammung zuschreibt.

1842 wurde der Altai, das Tuwa und Kasachstan durch weitere Reisende besucht und erforscht. Der Geologe Peter Alexandrowitsch Tschicharjow untersuchte Siedlungen. Nikolaewskie Rudniki und Talowski Rudnik erstellten Aufzeichnungen. Tschicharjow berichtete aber auch über andere örtliche Bevölkerungen. So schreibt er: Nachdem wir das Schemonaicha-Tal verlassen hatten, fanden wir in einem anderen grossen Tal weitere Dörfer mit den in Russland bekannten Religionsgemeinschaften besiedelt, die hier Freiheit und Unabhängigkeit zur Ausübung ihres Glaubens nutzten. Sie unterschieden sich allgemein durch Religiosität und einer Dogmatreue, die sie ohne jeglichen Fanatismus praktizierten. Diese Menschen haben einen guten Charakter und sind arbeitsam. Landwirtschaft zu betreiben war in dieser Uba-Umgebung nicht ungewöhnlich, obwohl es nicht einfach war, dieses Bergland zu bewirtschaften. Die Menschen lebten glücklich und zufrieden. Die Natur förderte auch die Bienenzucht. Imker wurde zu einem angesehenen Beruf.

1857 besuchten auch der Wissenschaftler Semjonow-Kranyschanski P .P. und seine Begleiterin den Altai und berichteten darüber. Nach einem Besuch der Nikolaewski Schlucht reisten sie über die Steppe bis nach Uba und fanden gegenüber von Schemonaicha nach seinen Worten eine blühende, weit grössere Siedlung vor. Ende des 19. Jahrhunderts besuchten Mitglieder der West-Sibirischen Abteilung Schwezowa den Altai und verfassten einen Bericht über die Polen des Smeinogorski Gebietes. Das Dorf ist zu einer typischen Siedlung in Sibirien herangewachsen und mit Zugewanderten, auch deutschstämmigen, zu einem Städtchen geworden. Eine Vorstellung der Tomski- und Biyski-Gebiete wird in Aufzeichnungen aus dem Jahre 1884 beschrieben. Darunter wird auch der Ubinski Rayon mit dem dazugehörigen Schemonaicha genannt.

1797 wurden diese Poljaken zur Arbeit in den Bergwerken gerufen. Damit erhielten Kolywano-Woskresenski Gelegenheit, einem Zarenwunsch nachzukommen und die Umgebung des Syrjanowski-Schachtes mit Arbeitern anzusiedeln. Es entstanden neue Siedlungen und Dörfer: Kondratyewo, Turgusun, Porygino, Snegirjowo, Bogatyrjowo, Solowjowo, Solonowka. Das Dorf Turgusun wurde im Jahre 1798 gegründet. Hunderte Kilometer von diesem Gebietszentrum entfernt wird auf den paradiesischen Berg Belowodje hingewiesen. Das Wort turgusun-altayski bedeutet "das blaue Wasser". Die Quelle des Flusses Turgusun entsteht am Massiv Maralucha, wo auch das Dorf am Fusse gegründet wurde; die ersten Siedler waren Altgläubige. Im Mai 1791 wurde durch den Geologen und Erzkenner Gesim Syrjanow polymetallisches Erz gefunden. Nun begann eine neue Aera, nämlich die des Bergbaus. Bergarbeiten wurden damals noch vorerst von Bauem im Nebenerwerb ausgeführt. 1894 wurde der Betrieb des Syrjanowski-Schachtes durch die Kabinettsleitung eingestellt. 1895 gründeten Franzosen unter dem Namen Syrjanowski die Bergbaugesellschaft neu und verhalfen ihr damit zu neuem Aufschwung. Nach einem Streik im Jahre 1903 wurde der Schacht wieder Kabinettseigentum. 1910 übergab das Kabinett nach einer Demonstration der Bergarbeiter diesen einer Oesterreichischen Gesellschaft, und später, im Jahre 1914, übernahm eine englische Aktiengesellschaft den Schacht. Im Jahre 1918 erklärte die sowjetische Regierung eine Nationalisierung von Boden und Betrieben. Somit kam der Schacht wieder in russische Hände.

Es entstanden am oberen Lauf des Buchtarma-Flusses Siedlungen von geflüchteten Bauern, Soldaten und Bergarbeitern. Man hatte hier eine neue Heimat gesucht. Sie flohen vor zu hohen Steuern oder Schulden, andere wegen Verweigerung des Militärdienstes; auch haben sich Fronarbeiter hier abgesetzt. Viele flüchteten aufgrund der Verfolgung wegen ihrer Religionszugehörigkeit hierher. Man hatte hier weitab der Zivilisation, hier oben bei den Steinen, neues Asyl gesucht. Es entstand eine eigenartige Mischung aus Gemeinschaft und Zusammenleben. Der Bauer Afanasi Selesnjow von der Malyschewski-Siedlung baute sich mit seinen Brüdern und dem Vater hier im oberen Buchtarmatal eine neue Existenz auf. Sie haben in den furchigen Hügeln und Gruben, wo früher schon Kupfer und Zinn gewonnen worden waren, einen Neubeginn geschafft. Auch Soldaten flüchteten in die Berge. So baute etwa der Soldat Vasili Semjonow am Fluss Turgusun ein Häuschen, das von Soldaten der Regierung mehrmals in Brand gesteckt wurde. Die Menschen flüchteten immer höher in die Berge und die dichten Wälder, hoch hinauf ins Buchtarminski Tal, und suchten hier Schutz vor Verfolgung. Es war ein eigenartiges Leben, jenes dieser Buchtarminski (Steinmenschen), die ohne Staatsmacht, ohne Steuern, ohne Einberufung zum Militär und ohne jeglichen kirchlichen Zwang hier oben lebten; sie wurden zum Symbol für Freiheit. Es verbreiteten sich Legenden vom weiten Land, von der dort existierenden Gerechtigkeit und der Freiheit, so zu leben, wie man wollte. Diese beinahe uneinnehmbaren Orte in schwer passierbaren Schluchten am Listwjashei Cholsun Kam und an Katunzuflüssen wurden aufgesucht, um hier freies Leben zu geniessen.

Im Jahre 1791 wurde durch Katharina II. ein Befehl erlassen, diese "Steinmenschen" wieder zurück in die russische Staatsangehörigkeit zu holen. Etwa 30 Siedlungen wurden daraufhin angemeldet: Osatschicha, Bykowo, Senna-Korabischenskaja, Werchnjaja Buchtarma, Malyi Narymsk (Ognewo), Jasowaja, Belaja, Fykalka und andere mehr. Die Berichte über diese "Buchtarminskaja Freiheit" hatte St. Petersburg sehr besorgt, weshalb man Befehl erteilte, diese Fluchten zu unterbinden. Es entstand im Zarenstaat eine neue Form von Staatsangehörigen: die "russisch-jasatschnye Fremden" (Sibirrussen). Diese waren lange Zeit nicht von Steuerabgaben befreit, sie wurden vielmehr gezwungen, ihre Abgabe in Form von Naturalgaben zu leisten, um so etwa mit Tierfellen den Jassak zu entrichten. Man versprach ihnen, sie nicht für Bergarbeit (Frondienst) oder als Soldaten einzuberufen. 1924 ordnete man diese "jasatschnye Steinmenschen" in eine neue Kategorie "sesshafte Fremde" ein und belegte sie mit einer Abgabe von 8 Rubel pro Mann. Die Fremdenverwaltung von Buchtarminskaja und Ujmonskaja wurde erst später im Jahr 1878 aufgehoben und in eine gewöhnliche Regionalverwaltung "Bauernverwaltung" umbenannt.

1826 besuchte der bekannte Botaniker Professor Ledebur das Dorf Petsch. Das Ergebnis seiner Reise war eine detaillierte Beschreibung des Buchtarma-Tals mit einer Reihe von Arbeiten zur Flora und Fauna in dieser südlichen Altai Region. Das Dorf war damals von zwei Dutzend Familien (Steinmenschen) bewohnt. Vor 200 Jahren konnte man in diesem Dorf im kleinen Flüsschen noch Abtrünnige fest angebunden vorbeischwimmen sehen. Sie wurden durch den Gemeinderat nach den Gesetzen der Steinmenschen so zum Tode verurteilt. Dies war ein Urteil, das nach altem Kosakenbrauch, "dem ins Wasser setzen" hier weiterlebte.

Auch über das Leben im Dorf Korobicha, das am Fusse der Bergwälderwiese liegt, berichtete Professor Laedebur. Nur begnadigte Verbrecher durften in diesem Ort leben. Im Dörfchen gab es etwa 20 Hütten, in denen sich aber trotz grosser Entfernung zu Städten und grösseren Siedlungsgebieten eine gewisse gehobene Gesellschaft entwickelte. Die Bauern von Korowicha (alter Name von Korobicha) waren handwerklich sehr begabt. Ihre Häuser waren mit Fenstern aus Glas bestückt. Im Buchtarma-Tal wurde das Zusammenleben der Altgläubigen (laut Meinung von G. Spasski) durch eine Ansiedlung von flüchtigen Handwerkern, geflohenen Soldaten und auch Verbrechern wesentlich gestört. Es gab Gebetshäuser für Altgläubige von Buchtarminern, wo Gottesdienste abgehalten wurden; diese wurden von Ausgewählten aus eigenen Reihen zelebriert. Lediglich zur Trauung fuhren die Steinmenschen zur Buchtarminskaja-Festung. Ausreichend Material über die Altgläubigen wurde durch den Sibirienforscher S.I. Guljaew gesammelt. Er schrieb, dass die ersten Siedler in den Bergtälern im südlichen Altai noch Pelzjäger (Trapper) waren, die hierher gekommen waren, um hier in der Wildnis zu jagen. Raskolniks (Altgläubige - Dissidenten) waren erst anschliessend dazugekommen, wurden aber zu sesshaften Bewohnem dieses Bergtales. Sie gehörten unterschiedlichen Gruppierungen an: Vorwiegend waren es Momorski, selten Kreschenski oder Konoborski. Im Brief an I.I. Sresnewski schrieb Guljaew darüber, dass am Anfang des 18. Jahrhunderts ganze Dorfgemeinschaften aus den Gebieten Nowgorodskaja, Olonezkaja, Archangelskaja, Wologodskaja und Permskaja in diese südliche Regionen des Altai übersiedelten. Unter den Siedlern des Buchtarminski-Tales hob Guljaew die Skitniki hervor, die in den Bergen Häuschen "Skiti" gebaut hatten, in denen mehrere Menschen, Frauen und Männer zusammen, wohnten. Skitniki trugen Kleidung in der Form von Klosterschülern und waren gebildet. Sie genossen die hohe Anerkennung der Steinmenschen, die deren Bücherlesungen besuchten. Diese zugewanderten Altgläubigen im Buchtarma-Tal und auch an anderen Orten im Südaltai, wie die Bauern, Handwerker, Bergwerkarbeiter, und auch Menschen aus anderen Schichten nahmen den orthodoxen Glauben hier an. Weitere Berichte über russische Siedlungen im Südaltai sind von der Geografischen Gesellschaft Semjonow-Schranschanski gesammelt worden. Deren Autor beschreibt ausführlich die gestickten Frauenhemden und eigenartigen Frauenkopfbedeckungen in der Form von Turbanen. Dieser Volksbrauch blieb von städtischen Einflüssen verschont. Hier in den abgeschiedenen Dörfem im Altai blieb er bis zur Neuzeit erhalten. Forschungen haben gezeigt, dass diese Volkstradition über Generationen vermittelt wurde und bis in die Neuzeit am Leben erhalten blieb. Man konnte ein lebendiges Museum mit historischer Vergangenheit miterleben. Handwerkliches Können und Alltagstätigkeiten waren in der Tradition allgegenwärtig. Eine Reihe von Forschungen und deren Aufzeichnungen vermitteln unserer heranwachsenden Generation einen Einblick in die Siedlungsgeschichte ihrer Vorfahren.

Solche religiösen Besonderheiten und die Form des Zusammenlebens im Altai könnte man als Beispiel für eine Vielfältigkeit an Erscheinungsformen zählen, die sich zu einer neuen Kultur entwickelten. Beziehungen solcher isolierter Orte und innerhalb einer kleinen Gemeinschaft, die bis in die Neuzeit ihre Traditionen beibehalten haben, haben ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Sie waren für von aussen gebrachte Veränderungen weniger anfällig, was solchen Expeditionen zu diesen Orten Bededeutung verlieh. Für die Altairegion ist die Tradition der Alteingesessenen sehr typisch. Diese bestimmten später enstandene Traditionen, die neuen Einfluss einbrachten. Solche traditionsbewussten Gemeinschafen sind auch in anderen Regionen zu finden, wie in Tomsk, Omsk, Irkutsk, Nishnjaja Tunguska und Krasnojarsk. Ihre Hauptmerkmale waren strenge und hierarchische Familienstrukturen; sie waren tiefgläubige Menschen, die dank ihrer Härte und ihres Durchhaltewillens dieser Natur zu trotzen gewachsen waren.

In ihren Liedern benutzen sie ein tiefes Stimmregister, auch wird in langsamerem Tempo gesungen. Charakteristisch für ihren Stil sind ferner dominierende Terzenparallelen. Die begleitenden Oberstimmen folgen im Terzabstand der tieferen Stimme des Vorsängers. Mixolydische und dorische Skalen werden verwendet. Dies wirkt sich auch auf den Text aus, als einzelne Wörter oder Phrasen mittels Vokalisierung oder durch zusätzliche Laute verlängert werden.
Die rituellen Lieder sind eng mit der alten Heimat verbunden, aus welcher die Siedler ihr Liedergut mitbrachten. Sie behielten auch die Dialekte und Sprachformen ihrer Vorfahren bei. Bemerkenswert ist, dass als Ergebnis dieses Zusammenlebens von Ukrainern, Weissrussen und Angehörigen von Turk-Völkern ein neuer Dialekt entstanden ist.

Mehr Informationen zu -
Traditional Music and Instruments of the Russian and Siberian people

Zu Olga Abramovas Sammlung gehören die Lieder dieser Siedler aus dem Südaltai. Im Dorf Kamyschenka der Petropawlowski Rayon wurde zum Beispiel das Lied "Drei Enteriche schwimmen dem Bach entlang" (siehe Lied No. 1 - Ensemble Pesnokhorki Vol. IV) aufgenommen. Zu Pfingsten stiegen Mädchen singend zum Berg hinauf, um ihre Kränze zu flechten. Anschliessend wurden diese im Gras versteckt. Tags darauf wurden die Kränze zum Fluss gebracht, und man warf diese, mit einem Wunsch sich denkend, ins Wasser. Ging ein Kranz unter, so sollte der Wunsch nicht in Erfüllung gehen. Das Lied "Apodkoschjuna trawka" stammt von Übersiedlern aus Woronesch, die der südlichen Tradition verpflichtet waren (heutiges Schwarzmeergebiet). Viele Lieder aus Olgas Sammlung bekamen eine Instrumentalbegleitung, was nicht ganz typisch für ein ursprüngliches Singen war. Da die Lieder aber aus verschiedenen Ecken Russlands mitgebracht wurden, setzte man nun später auch Instrumente ein, die für die Regionen nun typisch waren und zum Singen mitbenutzt wurden.

- mehr Informationen über: Kleider, Kopftücher, Stickereien etc. dieser Siedler im Südaltai

© 2007 - Überarbeotet von Albi and Hermelinde Steiner

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