Face Music - Catalog - Ensemble Khreshchaty Yar
  • Ensemble Khreshchaty Yar - Vol. II - Traditionelle Lieder aus der Ukraine




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P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016


- FM 50032 - P & C 2002
more information songs in German - see: Ensemble Khreshchaty Yar

Das Ensemble Khreshchaty Yar "Chreschtschaty Jar" wurde im Juni 1990 gegründet. Alle Mitglieder des Ensembles haben entweder am Konservatorium oder an der Musik-Fachhochschule in Kiew studiert und arbeiten heute als Berufsmusiker.


Der Name des Ensembles
lässt sich auf zwei Bedeutungen zurückführen:
- Jar heisst "Schlucht, Hohlweg", und Chreschtschenje bedeutet "Taufe". Eine Hauptstrasse in Kiew führt diesen Namen. Es heisst, dass Fürst "Wolodimir" (Wladimir) im Jahr 988 n. Chr. seine Landleute auf diesem Weg (damals war es eine Landstrasse) an den Dnjepr zur Taufe führte.
- Die zweite Erklärung des Namens wird von einer archaischen Bedeutung der beiden Worte abgeleitet, wonach Chreschtschati "fortwährend wiedergeboren, d.h. die Unsterblichkeit erlangt zu haben", bedeutet, und Jar oder Jarilo heisst "Sonnengott". Die beiden Begriffe zusammen bedeuten somit "ewige, unsterbliche Sonne" oder "immerwährende Sonne".


Lieder

1. Vesilnyi marsh - Hochzeitsmarsch aus der Region Bukowina - Karpaten
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Trommel, Volodimir Budz: Sopilka, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Man spielt diesen Marsch, wenn die Hochzeitsgäste eintreffen.

2. Arkan - Huzulischer Männertanz - Karpaten
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Trommel, Volodimir Budz: Frilka, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Arkan ist ein ritueller Tanz aus heidnischer Zeit (aus vorchristlicher Zeit). Bevor die Jäger zur Jagd aufbrachen, führten sie diesen magischen Tanz auf um Jagderfolg zu haben.

3. Staryj hutsul - der alte Huzule - Karpaten
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Trommel, Volodimir Budz: Frilka, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Ein Tanz, der von alten Männern getanzt wurde. Die Musiker zwangen die Tänzer, immer schneller zu tanzen.

4. Chaban - Tschaban heisst Schafhirt - Ein Tanz aus der Region Bukowina - Karpaten (Bukowina heisst Buchenland)
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Trommel, Volodimir Budz: Sopilka, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
- Buk heisst Buchen, das Land mit den vielen Buchen = Bukowina. Dieser Landstrich gehörte ehemals den Moldawischen Fürsten und denen der Walachei, wurde später aber der habsburgischen Monorchie unterstellt. Das Zentrum war die Stadt Cernowitz im heutigen Nord-Bukowina, das jetzt zur Ukraine gehört. Der südliche Teil ist das heutige Moldawien. Westlich liegt das Maramuresch = Marmatien im heutigen Rumänien, das im Westen an Siebenbürgen grenzt und im Norden an die Karpaten Anschluss hat..

5. Vesilny melodiy - Huzulische Hochzeitsmelodie aus den Kapaten
- Vasil Palanjuk: Cymbal (Solo)

6. Hutsulsky melodiy - Huzulische Melodie - Karpaten
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Trommel, Volodimir Budz: Frilka, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Jaremtscha südwestlich von Iwano-Frankiws'k gehört zur Huzulenregion und liegt am Fusse des Horvela, wo die Prut entspringt. Die in diesen unwegsamen Wäldern (hoch oben) in den Transkarpaten lebenden Bewohner (Hirten und Waldarbeiter), die einen ukrainischen Dialekt sprachen, nannte man "Huzule". Sie lebten in der Bergregion von Iwano-Frankiws'k und in der Region Cernowitz (Nord-Bukowina - vorm. Ost-Galizien). Nach dem ersten Weltkrieg wurde diese Region dem Oesterreichisch-Ungarischen Kaiserreich (1867) unterstellt, sowie in eine Polnische, Tschechische und Rumänische Zugehörigkeit aufgeteilt. Die Region ist bestens bekannt für ihre sehr originellen Handarbeiten wie Holzschnitzereien, Messingarbeiten, Teppich-Webarbeiten und Töpferarbeiten, die besonders in ihren Farben und Ornamenten wohl einmalig gestaltet sind. Auch hat hier das Ostereier Färben einen hohen künstlerischen Austruck und viel Fantasie entwickelt. Ihre Kostüme haben denselben Charakter, wie diese ganz allgemein im Balkan üblich waren. Auch wie die der Lemken, Boiken oder anderen in den Karpaten lebenden Bevölkerung, sind ihre vorchristlichen Riten heute noch präsent, der Glaube an die Dämonen, auch die Feste mit Musik und Kostümen zu den Jahreszeiten. Ihre langen Trembitas, eine Art Hirtenhorn, die anlässlich von Festen wie Hochzeiten oder für Signale verwendet wurden. Typisch ist ihre heute weltbekannte Holzarchitektur, vorab die aus Holz gebauten Kirchen (Huzulenstil), die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Hier lebte auch ihr Held "Dobusch", eine Legende wie Robin Hood, der sich für die arme Landbevölkerung einsetzte. Wenn man mehr über die Vergangenheit dieser Bergler erfahren will, sollte man ihre Sagen und Geschichten lesen. Doch weiss keiner so genau, was daran wahr ist. Die Mythologie ist noch lebendig wie in alten Zeiten. Wie etwa die phantastische vogelhafte Gestalt "Huhuretz", die jeweils am Abend, wenn man zu Hause am Feuer sitzt, mit pfeifendem Klagen Wahrsagerisches deutet.
"Boiken" wurde früher eine im Karpatenvorland in der Region von Ivano-Frankiws'k beidseitig des Dniestr entlang lebende, auch einen ukrainischen Dialekt sprechende Bevölkerung genannt, ehemaliges Calizien. Man nannte sich auch Bergler oder eben Talleute. Sie pflegten ihre Kultur, wie Hochzeitsriten, Kostüme (Hemden, Kopfbedeckungen, lange Umhänge etc.) und Architektur (zweiräumige Wohnhäuser und Kirchen aus Holz). Sie pflegten mehr den Ackerbau (agriculture), dabei besonders die Verarbeitung des Korns.
Diese Boiken und Hutsulen, die unterschiedliche ukrainische Dialekte (dieses Rusyn-Ukrainia) sprachen und auch der Ostslawischen-Kirche (griechisch-orthodox) angehörten, sind eigentlich ein Zweig der Ost-Slawen und Rumänen (auch Ruthenen genannt), die aus der Walachei (heutiges Rumänien) in die Transkarpaten umsiedelten und hier eine neue Zivilisation aufbauten. Später folgten auch Deutsche und "Altgläubige".
- Man nennt auch die aus den Karpaten stammende Ponyart "Huzulei". Ein starkes Kleinpferd, geeignet, schwere Lasten auf diesen unwegsamen Bergpfaden zu tragen. Ein Gestüt in Lucina (Lutschina) im heutigen rumänischen Teil der Bukowina genoss bereits im 19. Jahrhundert unter der Habsburger Monarchie wegen ihrer Zucht einen hervorragenden Ruf.

Huzulische Architektur (Holzbau)

Huzulei (Kleinpferd - Pony)

7. Vesilni pryspivky - Hochzeitsweisen aus der Region Kiew
- Valentina Bogdanova: Stimme (Solo)
Man singt dieses Lied bei der Bewirtung der Gäste (Tischlied).

8. Podils'ka polka - Tanzmelodie aus der Region Podolien
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodimir Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass

9. Oj ne khody da rozkudr'avchyk - Liebeslied aus der Region Cherkasy
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Akkordeon, Anatoli Kurilo: Stimme (Solo), Volodimir Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass, Valentina Bogdanova: Stimme (Solo)
Das junge Mädchen liebt einen Kosaken und bittet die Mutter um Heiratserlaubnis.

10. Polis'ka polka - Tanzmelodie aus der Region Polissya
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodimir Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass

11. Vinochok tantsyouvalnykh melodiy - Tanzmelodie aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodimir Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass

12. Oj hay, hay zelenen'ky - Liebeslied aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodimir Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass, Valentina Bogdanova: Stimme (Solo)
Ein junges Mädchen sagt: "Ich bin hübsch und schon erwachsen und will heiraten. Mein Mann soll jung, schön, arbeitsam und auch fleissig sein. Überschütten soll er mich mit Zärtlichkeiten.

13. Pleskach - Volkstanz aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodimir Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Pleskach stammt von "pleskaty" und bedeutet: "in die Hände klatschen".

14. Yak sluzhyv ya v pana - Spasslied aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Akkordeon, Anatoli Kurilo: Stimme (Solo), Volodimir Bilezki: Stimme, Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass, Valentina Bogdanova: Stimme (Solo)
Ich diente bei einem Bauern. Im ersten Jahr verdiente ich eine Henne, im zweiten eine Ente, im dritten eine Gans, im vierten einen Truthahn, im fünften einen Hammel, im sechsten ein Kalb und im siebten ein Mädchen.

15. Hrechanyky - Volkstanz aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodymyr Bilezki: Tambourin, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Hrechanyky (kretschanyky heisst: kleine Buchweizenpastete)

16. Hopak - Traditioneller Männertanz der Kosaken aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk:Cymbal, Volodimir Budz: Sopilka, Volodimir Bilezki: Tambourin, Anatoli Kurilo: Trommel, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
Ein improvisierter Männertanz. Die Männer standen miteinander im Wettbewerb. Wer schaffte es am besten verschiedene Figuren zu kombinieren (Kniebeuge, Sprung, Drehung usw., auch wurde dieser Tanz mit dem Säbel getanzt).

17. Da kosyv bat'ko - Tischlied aus der Poltawa Region
- Valentina Bogdanova: Stimme (Solo), Anatoli Kurilo, Volodimir Bilezki, Iwan Volinez, Volodimir Budz: Stimme
- Begleitung: Vasil Palanjuk: Löffel, Flaschen und Waschbrett
Das Mädchen liebt einen jungen Mann und sagt zu Ihm: "Komm zu mir am Sonntag. Ich gebe dir ein schönes, gesticktes Hemd. Komm zu mir am Montag, und wir gehen zusammen das Immergrün suchen. Komm zu mir am Dienstag, und wir werden zusammen die Garbe binden."
- Wenn ein Mädchen einem Burschen ein Hemd schenkt, ist sie mit einer Heirat einverstanden. Mit dem Immergrün wird das Hochzeitskleid geschmückt.

18. Ivanku, ivanku - Liebeslied aus der Westukraine (Karpaten)
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Trommel, Volodimir Budz: Sopilka, Anatoli Kurilo: Stimme (Solo), Yuri Berbenjuk: Kontrabass, Valentina Bogdanova: Stimme (Solo)
Ein Mädchen sagt zu einem jungen Mann: "Komm heute zu mir. Ich gebe dir ein Zeichen, wenn meine Eltern weg sind.".

19. Kosarska - aus der Karpaten-Region
- Volodimir Budz: Frilka (Solo)
"Kosarska" heisst Heumelodie. Man spielte diese Melodie beim Heuen.

20. Do ney iduchy - aus der Karpaten-Region
- Volodimir Budz: Frilka (Solo)
"Do ney iduchy" heisst "zu ihr gehen".

21. Vid ney iduchy - aus der Karpaten-Region
- Volodimir Budz: Frilka (Solo)
"Vid ney iduchy" heisst "von ihr gehen".

22. Hutsulskiy nahrach (drymba - Maultrommel) - aus der Karpaten-Region
- Vasil Palanjuk: Maultrommel - drymba (Solo)

23. Velykodna melodiya - Ostermelodie aus der Karpaten-Region
- Vasil Palanjuk: Tylynka (Solo)

24. Tantsyouvalna melodiya - Tanzmelodie aus der Zentralukraine
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Cymbal, Volodimir Budz: Sosulya (Solo), Yuri Berbenjuk: Kontrabass

25. Lemkivsky kolomyjky - Tanzmelodie aus der Lemko-Region (Karpaten)
- Valeri Golub: Geige, Vasil Palanjuk: Dvodenzivka (Solo), Trommel, Volodimir Budz: Akkordeon, Yuri Berbenjuk: Kontrabass
- Lemkos wird die Bevölkerung genannt, die sich im Südosten von Polen ansiedelte, an der Nordseite der Karpaten zur Grenze der heutigen Slowakei hin. Diese Bergler, auch Rusyn und Ruthenen genannt, wohnen heute wieder in der Beskid Niski Region am Oslawa Fluss (Baskyd Mountains). Sie sprechen einen ukrainischen Dialekt wie die Boiken und Huzule und gehören auch der Ost-Kirche an. Sie verwendeten in den liturgischen Büchern das kyrillische Alphabet. Nach dem II. Weltkrieg wurden sie umgesiedelt. Einige wenig kehren heute wieder zurück in die alte Heimat. Man feiert das Lemkovska Vatra Fest Ende Juli.
Diese Region gehörte bis Mitte des 14.Jahrhunderts zum Königreich Calizien und zum Königreich Polen. Von 1340 bis 1772 wurde es zur Gänze Polen zugeteilt. Danach bis 1918 gehörte es zu Oesterreich (woher auch die Bezeichnung Ruthenen für "Ukrainer" stammt*) und anschliessend zum Oesterreichisch-Ungarischen Reich. Heute gehört es aber wieder zu Polen.
*Ruthenen: darunter versteht man heute allgemein ein Zweig von Ost-Slaven und Rumänen, die aus der Walachei in die Karpaten übersiedelten und einen ukrainischen Dialekt sprechen.
- Kolomyiky (Kolomejka) heisst Melodie (auch Couplets* genannt). Der Name wird von der ehemaligen Stadt Kolomyja (Kolomea) abgeleitet, die im Iwano-Frankiws'k Gebiet lag, in der Nähe von Cernowitz in der Region Nord-Bukowina. In dieser Stadt in Lodomerien, die damals zur Habsburger Monarchie gehörte, lebten Ukrainer, Juden, Polen und Deutsche zusammen. Man sprach einen ukrainischen Dialekt mit Lehnwörtern aus dem Polnischen und Deutschen.
- *"Couplets“: historische Lieder, Psalmen, die von einer Gruppe mit lautenähnlichen Instrumenten (Kobza) gesungen werden, oder lyrische Lieder mit Strophen, Loblieder (Kolyadky), Märsche und andere rituelle Volkslieder, zu denen auch getanzt wird.
26. Viye viter - Ballade (Duma) aus der Zentralukraine
- Volodimir Bilezki (Solo), Iwan Volinez, Anatoli Kurilo, Volodimir Budz: Stimme
Gast: Ivan Tkalenko: Bandura
Ein Kosak wendet sich an den Wind: "Sag mir Wind, wo ist des Kosaken Schicksal und Hoffnung, wo ist des Kosaken Ruhm und Freiheit?"
- Bandura (ukrainische Lautenzither / Psalterium)
Die Bandura ist ein traditionelles Zupf-Saiteninstrument. Sie verbindet die akustischen Eigenschaften der Laute und der Harfe und stellt die Stimme der Ukraine dar. Die Bandura erzeugt einen vollen und zugleich sanften Klang, der dem eines Cembalos nicht unähnlich ist, aber mehr Dynamik und eine grössere Bandbreite an Tönen hat. Die ukrainische Bandura entwickelte sich aus einer Reihe lautenähnlicher Instrumente. Sie unterscheidet sich von diesen dadurch, dass sie erstens keine Bünde hat, d. h. dass jede Saite nur einen einzigen Ton erzeugen kann (wie bei der Harfe), und zweitens, dass sie einen asymmetrischen Korpus hat, was daher kommt, dass seitlich von den über den Hals laufenden Basssaiten Sopransaiten über den Resonanzboden gespannt sind. Da es ein handgemachtes Volksinstrument ist, gibt es hier unterschiedliche Formen.
Vom 15. bis ins 18. Jahrhundert wurde die Bandura von Kobzari (wandernden Musikern, häufig blind, manchmal von einem Kind geführt) und Kosaken (freien Kriegern) gespielt. In den Dörfern und Städten sangen die Kobzari epische Lieder (Dumy, sing.: Duma) über die Heldentaten des ukrainischen Volkes und seine Beziehungen zu den Türken und den Tataren, später auch über die Schwierigkeiten mit dem polnischen Regime. Es war eine Zeit des Patriotismus und Nationalismus in der Ukraine, zudem war es eine Blütezeit der Kunst.
Heute werden in Konzerten hauptsächlich drei Typen von Banduras benutzt:
- die klassische, diatonisch gestimmte Bandura (auch Volks-Bandura genannt) mit etwa 20-24 Saiten und hölzernen Wirbeln;
- die Kharkiv, von Hnat Khotkevych zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und als ein am Kharkiv Konservatorium gelehrtes Instrument eingeführt. Zuerst wurde sie diatonisch gestimmt, und danach entwickelte sie sich zu einem zu Gänze chromatischen Instrument mit 34 bis 65 Saiten, aber nur einem Stimm-Mechanismus; es gibt sie in drei Orchestergrössen: Piccolo, Prima und Bass;
- die Kyiv: sie wurde im 20. Jahrhundert entwickelt, auf Grundlage des klassischen Instuments, aber mit 55 bis 64 Saiten, die chromatisch gestimmt sind, sowie einem Universalmechanismus wie der einer Harfe. Die Kyiv Bandura gibt es ebenfalls in verschiedenen Grössen und Typen.
Koladka - Loblied: Vor der Christianisierung war unter diesem Begriff ein Loblied, das beim Kolada-Fest gesungen wurde, gemeint. Man lobt dabei einen Mann, eine Frau, ein Mädchen oder die Kinder allgemein (vgl. Beispiel 27 und 28). Nach der Christianisierung versteht man darunter Lieder mit cristlichem Inhalt (vgl. Beispiel 29 und 30).
Ihre ursprüngliche Vorstellung von verschiedenen Göttern und Kräften der Natur, diese verschiedenen Huldigungen an die Pagane, ihre Praktiken und Rituale wie die Sonnenwende und der Frühling wurden nun in christliche Feiertage umgewandelt (eine Christianisierung fand im 9. Jahrhundert statt). Das Koljada-Fest zur Wintersonnenwende verschmolz mit Weihnachten und dem Dreikönigstag, das Frühlingsfest mit Ostern, und das Sommersonnenwendefest Kupalo wurde zum Tag des heiligen Johannes dem Täufer.
27. Oje pozvol pari khayzan - Loblied aus der Zentralukraine (Koladka)
- Anatoli Kurilo (Solo), Valentina Bogdanova, Volodimir Bilezki, Iwan Volinez, Volodimir Budz: Stimme
Dies ist ein Loblied auf den Mann.

28. Ishla divon'ka - Loblied aus der Zentralukraine (Koladka)
- Valentina Bogdanova (Solo), Anatoli Kurilo, Volodimir Bilezki, Iwan Volinez, Volodimir Budz: Stimme, Glöckchen
Ein junges Mädchen traf drei Heuer und sagte: "Ihr, meine lieben Heuer, schneidet mir das Gras und macht mir das Heu. Dafür gebe ich dem ersten Seidengras, dem zweiten den goldenen Ring und dem dritten werde ich Braut sein."

29. Nebo y zemlya - Christliches Lied aus der Zentralukraine (Koladka)
- Valentina Bogdanova, Anatoli Kurilo: (Solo), Volodimir Bilezki, Iwan Volinez, Volodimir Budz: Stimme
Der Himmel und die Erde feiern heute Christus' Geburt.

30. Oje na richtsy na Yordany - Christliches Lied aus der Cherkasy Region (Koladka)
- Valentina Bogdanova, Anatoli Kurilo: (Solo), Volodimir Bilezki, Iwan Volinez, Volodimir Budz: Stimme
Am Fluss Jordan hat die Mutter den Sohn geboren. Der Sohn sagt zu ihr: "Erschrecke nicht, du wirst Mutter der ganzen Welt genannt."

- more information Traditional Music and Instruments from the Ukraine


Die Ukraine

Die heutige Ukraine ist ein Staat von der Grösse Frankreichs mit über 50 Millionen Einwohnern. Weite Teile gehören zum Osteuropäischen Tiefland. Grosse Flüsse wie die Wolga, der Don, der Dnjepr und der Dnjestr durchfliessen das Land und münden u. a. ins Schwarze Meer. Schon früh wurden sie zu wichtigen Handelswegen nach Nord- und Mitteleuropa. Die Ukraine hat keine natürlichen Grenzen, ausser den Karpaten im Westen und den Prypat-Sümpfen im Nordwesten, welche beide häufig Schauplatz sowohl von militärischen Konflikten als auch von kulturellem Austausch waren. Das Wort Ukraine bedeutet Grenzgebiet, und wie die Geschichte zeigt, wurde das Gebiet von verschiedenen Kulturen beeinflusst und beherrscht. Am Rand der Steppen nördlich des Schwarzen Meeres waren die Grenzen zwischen den sesshaften Gesellschaften der Christen und den Nomadenstämmen der Tataren verschwommen. Später wurde die Nordwest- und Zentralukraine von einer im 13. Jahrhundert neu entstandenen Grossmacht, dem Grossfürstentum Litauen, eingenommen, bevor wichtige Teile des ukrainischen Territoriums von Litauen getrennt und vom Königreich Polen annektiert wurden. Danach folgten das russische Reich, die Habsburger Herrschaft und im 20. Jahrhundert wieder Polen und die Sowjetunion.

Die Ukraine war nur eigenständig während des „Kiewer Reichs“ vom 10 bis zum 13. Jahrhundert, als „Fürstentum Galizien-Wolhynien“ im 13. und 14. Jahrhundert, als „Hetmanat“ (hetman oder ataman: Oberbefehlshaber) der Dnjepr-Kosaken im 17. Jahrhundert und schliesslich als „Ukrainische Volksrepublik“ von 1918 bis 1920 eigenständig.

- map sketch Historical map of the Ukraine


Karpaten

Die ukrainischen Karpaten sind ein gewaltiger, dicht bewaldeter Gebirgszug, der sich von Nordwesten nach Südosten erstreckt, wo ein warmes, feuchtes Klima herrscht. Die Karpaten, die Transkarpaten (hinter den Karpaten) und das Karpaten-Vorland gehören heute geographisch zur Westukraine und haben Grenzen zur Slowakai, zu Ungarn und im Süden zu Rumänien. Mit dem Hoverla hat die Region immerhin einen Berg in der Höhe von 2061 m.u.Meer. Eine Mischung von Sprachen, verschiedenen Religionen und Kulturen hat dieser Region eine interessante und wohl einmalige Atmosphäre verliehen: die sog. Rusyn-Volkskunst, so etwa ihre Musik und Tänze, etwa das Ostereierfärben, die naive Malerei, die Ikonen-Malerei und ihre Holzarchitektur (Holz-Kirchen).

Neben den aus vorchristlicher Zeit (während des 6. und 7. Jahrhunderts v. Christus) zugewanderten Slawenstämmen, den sogenannten Weisskroaten aus Ost-Polen, dem Südwesten von Weissrussland und dem Nordwesten der Ukraine, sind später auch die Ungarn, die Deutschen, die Oesterreicher, die Rumänen und auch Jenische aus Rumänien zugestossen. Sie lebten in dieser hügeligen Landschaft friedlich zusammen und betrieben vorab Schafzucht und nebenbei Agrar- und Forstwirtschaft. Im Laufe ihrer Entwicklung hat diese Karpatenregion verschiedenen Grossreichen angehört, so etwa dem Königreich Ungarn ab dem 13. Jahrhundert. In der heutigen Region Bukowina lebten im Norden mehrheitlich Ukraniner und im Süden Rumänen. Zwischen dem 14. bis 16. Jahrhundert fanden grössere Wanderbewegungen in dieser Karpatenbevölkerung statt, über die Karpaten hinweg bis in die Ebene der heutigen Westukraine. Die Bezeichnung dieser in den Karpaten lebenden Stämme als "Ruthenen" stammt von den Oesterreichern (darunter verstand man auch die Slowaken, Polen und die eigentlichen Ukrainer, die einen einheitlichen Dialekt gesprochen hatten, der dem heutigen Ukrainischen naheliegend ist). Sie selbst nannten sich Rusyn. Die Bukowina (Buchenland) gehoerte zum Einflussbereich des Fürstentums Moldau (Moldawien) und kam 1514 unter türkische Oberhoheit. Die Bukowiner Juden entwickelten die Stadt Cernowitz Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem wirtschaftlichen und kulturellem Zentrum. Die Region wurde aber im Jahre 1918 von den Rumänen erobert, die somit eine lange Habsburger Vorherrschaft ablösten. Erst 1944 wurde das Gebiet der Karpaten vollständig an die Ukraine angegliedert.


- Mehr über die Geschichte der Ukraine und der Kosaken im Album „Kreshchaty Yar – Vol. I“, FM 50031


Sprache und Religion

Die ukrainische Sprache gehört wie Russisch und Weissrussisch zur Familie der ostslawischen Sprachen. Schriftliche Dokumente existieren erst seit der Christianisierung, als Kiew 988 n. Chr. zum ersten christlichen Zentrum im ostslawischen Gebiet wurde. Die ältesten Dokumente sind Transkriptionen von Kirchentexten, welche die slawischen Apostel Kyrillos und Methodios im 9. Jahrhundert in den südslawischen Dialekt der Region Thessaloniki übertrugen. Zu diesem Zweck erfanden sie ein dem Griechischen ähnliches Alphabet und nannten es Kyrilliza. Diese Texte, auch bekannt als altbulgarische oder altslawische Texte, bildeten die Grundlage der aktuellen Kirchensprache aller orthodoxen Slawen, Bulgaren, Serben, Russen, Ukrainer usw. Aufgrund der politischen Trennung von Nordrussland und der Zugehörigkeit zum litauischen Grossfürstentum und später zum Königreich von Polen tauchte Ukrainisch im 14. Jahrhundert als eigenständige Sprache auf.


Karpaten

Der in den Karpaten gesprochene Dialekt wird der Familie der ostslawischen Sprachen zugeordnet und ist dem Ukrainischen am nächsten. Die Karpaten wurden sprachlich stark von den benachbarten Polen, Slowaken, Ungarn und Rumänen beeinflusst. Auch hat die Kirchensprache dieses Ost-West-Verhältnis mitgeprägt, und in der Schrift wurde das kyrillische Alphabet eingeführt. Den grössten Einfluss übte die ostslawische Kirche aus, deren Rituale mehrheitlich angenommen wurden. Es sind jedoch durch die lange Zugehörigkeit zum Königreich von Ungarn, zum polnisch-litauischen-Reich und zum Österreichisch-Ungarischen Reich auch Einflüsse der westlichen romanischen Kirche spürbar. Eine wichtige Rolle spielte die ostjüdische Kirchentradition und auch die aus Deutschland zugewanderten Evangelisten übten einen gewissen Einfluss aus.

Ensemble Khreshchaty Yar

Vogelmotiv: - Zeichnung rechts: "Stchedry Wetschir" Weihnachtsabend von Mychajlo Onatsko

Mehr über die traditionellen Lieder der Kosaken in den Alben des Ensembles Pesnokhorki aus Barnaul, Sibirien, Russland, Face Music: FM 50017 and FM 50019.