Face Music - Catalog - Ensemble Khreshchaty Yar
  • Ensemble Khreshchaty Yar - Vol. I - Traditional songs from the Ukraine




- Catalog (in stock)
- Back-Catalog
- Mail Order
- Online Order
- about Artists
- Sounds
- Workshops
- Instruments
- Projects
- History Face
- ten years 87-97
- Review Face

- Photos - Artists
- our friends
- Albis Face
- Albis - Photos
- Albis Work
- Links

- Home

- Contact

- Profil MySpace
- Profil YouTube
- Overton Network

P & C December 1998
- Face Music / Albi

- last update 03-2016


- FM 50031 - P & C 2000
more information songs in German - see: Ensemble Khreshchaty Yar

Das Ensemble Khreshchaty Yar (Chreschtschaty Jar) wurde im Juni 1990 gegründet. Alle seine Mitglieder haben entweder am Konservatorium oder an der Musikakademie in Kiew studiert und sind nun Berufsmusiker.


Für den Namen des Ensembles gibt es zwei verschiedene Erklärungen:
- Yar = "Schlucht, Hohlweg" und Khreschenye = "Taufe". In Kiew gibt es eine Hauptstrasse mit diesem Namen, und man erzählt, dass im Jahr 988 Prinz Wolodymyr seine Leute auf dieser Strasse (damals noch eine Landstrasse) zum Dnjepr zur Taufe geführt hatte.
- Die zweite Erklärung lässt sich von der archaischen Bedeutung der beiden Worte ableiten: Khreschaty = "immer wieder neu geboren werden, Unsterblichkeit erlangen"; Yar oder Yarylo hiess "Sonnengott". Somit stehen die beiden Worte kombiniert für die "ewige, unsterbliche oder unaufhörlich scheinende Sonne".


Lieder

Das auf dieser CD vorgestellte Liedrepertoire kann in verschiedene Kategorien unterteilt werden.
Die Lieder 1, 4, 5, 7, 11, 13, 17 und 18 gehören zu einer Kategorie, die man Feierabendlieder oder auch Winterabendlieder nennen kann. Auf ukrainisch heissen sie Wetschornyzi (abgeleitet von wetschir = Abend). Mit diesem Begriff werden aber nicht nur die Lieder, sondern allgemein das Zusammensein der Jugend auf dem Lande und sogar der Raum, wo man sich trifft, bezeichnet. Wetschornyzi gehören in eine genau begrenzte Periode im Winter, die am 13. Dezember, dem Tag des Heiligen Andrijs, beginnt und bis zum Anfang der Fastenzeit 7 Wochen vor Ostern dauert. Während dieser Zeit finden fast allabendlich Wetschornyzi statt. Dafür wird immer ein Haus gemietet, das meistens einer Witwe oder einem kinderlosen Ehepaar gehört. Zuerst versammeln sich die Mädchen und machen Handarbeiten (ruschnyk = Hemden besticken). Später kommen auch die Burschen dazu und man beginnt zu diesen Liedern auch zu tanzen. Die Miete für das Haus oder den Versammlungsraum bezahlt man nicht mit Geld, sondern man bringt Brot, Korn oder Leinen. Nur beim Schankwirt müssen die Getränke mit Geld bezahlt werden.
Die Lieder 3, 6, 8, 10 und 14 heissen Toloka und werden während oder nach der Arbeit gesungen. Wenn sich die Frauen im Winter zum gemeinsamen Spinnen treffen, singen sie Toloka. Aber auch in den anderen Jahreszeiten werden sie nach der Arbeit (z.B. der Feldarbeit, dem Graben eines Brunnens, dem Hausbau, dem Verbessern von Strassen und Wegen, usw.) gesungen. Wenn ein Bauer sehr viel Arbeit zu verrichten hat, bittet er seine Nachbarn um Hilfe. Nachdem die gemeinsame Arbeit getan ist, lädt er die Helfer zu Tisch und dabei werden Toloka gesungen. Die Texte dieser Liedkategorie enthalten meist allgemeine Lebensweisheiten
Als Tafel- oder Tischlieder können in dieser Sammlung die Lieder 12 und 16 bezeichnet werden, wobei das Lied Nr. 16 ein typisches Tischlied der Kosaken ist
Zwei weitere nennenswerte Gattungen sind hier mit je einem Lied enthalten, nämlich Rekruten- oder Soldatenlieder (Nr. 9) und Balladen (Nr. 15). Das Lied Nr. 9 wird immer dann gesungen, wenn ein junger Bursche zum Militärdienst einberufen wird. Die Ballade Nr. 15 wird auch mit Kobzar- oder Bandura-begleitung auf dem Marktplatz gesungen.
Neben Liedern, die bestimmten Kategorien oder Gattungen zugeschrieben werden können, gibt es auch solche, die ganz allgemein (ohne besonderen Bezug und ohne Funktion) gesungen werden. Dazu gehört hier das Lied 2


1. Oj ti, wischjen'ko - Cherkasy Region
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein Kirschbaum wächst am Ufer des Don. Er verkörpert die Seele eines jungen Mädchens, das traurig ist, weil sie ihren Geliebten nicht gefunden hat.

2. Da sjelen jawor - Polesy Region
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein Kosak der nicht mehr in die Heimat zurückkehrt, weil er gefallen ist.

3. Oj ljetila halka - Poltawa Region
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein junges, weises Mädchen wartet auf die Heimkehr ihres Bruders. Das Mädchen hat zehn Jahre darauf gewartet. Bei einem Gespräch, sagt der Bruder zu ihr, dass er sich nicht wohl fühle. Es sei wie wenn eine Schlange um sein Herz schleichen würde. Die Schwester antwortet ihm: "Wenn es eine Krankheit ist, hilft dir Arznei, wenn es aber die Liebe ist hilft dir nichts und es ist aus mit Dir."

4. Oj na hori na visokij - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein Kosak verlässt sein Mädchen und sagt zu ihr, dass er ein besseres Mädchen suchen will. Später kehrt er zurück und sagt zu dem Mädchen: "Ich habe die Runde gemacht und alle Dörfer und Städte besucht, aber eine Bessere als dich, habe ich nicht gefunden."

5. Oj hilja, hilja - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo, Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky (Vorsänger), Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein junger Mann besucht ein junges Mädchen und bittet sie um das Abendbrot. Das Mädchen antwortet ihm: "Ich habe Abendbrot vorbereitet, aber nicht für dich."

6. Tak wono buwaje - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Bei einem guten Mann wird die Frau immer jünger, denn ein solcher schimpft nicht mit ihr und schlägt sie auch nicht. Er sagt zu ihr immer nur: "Mein liebes Täubchen".

7. Oj chmarka nadchodit' - Cherkasy Region
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein junger Mann fragt sein Mädchen: "Rate mir, ob ich dich jetzt heiraten oder noch auf dich warten soll?" Das Mädchen antwortet: "Ja, heirate mich. Es ist an der Zeit und ich bin noch jung und will meine Freiheit gewinnen."

8. Oj po lanu - Poltawa Region
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Die Kosaken bitten eine Witwe um Übernachtung und Futter für ihre Pferde. Doch die Witwe sagt: "Ich hab noch nicht geheut. Schon 18 Jahre ist es her, als mein Mann in den Militärdienst gegangen ist und ich mit meinem Kinde zurückgeblieben bin."

9. W subotu pisnjenko - Region Kiew
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Eine Mutter begleitet ihren Sohn zum Militärdienst und fragt ihn: "Wer soll auf dein Mädchen aufpassen." Der Sohn antwortet: "Falls mein Freund aus dem Militärdienst zurückkehrt, wird er für meine Geliebte sorgen."

10. A schje sonce ne sahodilo - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Das junge Mädchen, das einen Kosaken liebt, ist unglücklich. Der Kosak geht in die Fremde und das Mädchen bleibt allein zu Hause. Es sagt: "Weder Frau noch Witwe, sondern "Pokrytka" will ich werden". (Pokrytka = ein Mädchen das ein Kind hat, ohne verheiratet zu sein).

11. Marusju - Region Kiew
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
In der Ukraine gab es früher folgenden Brauch. Wenn eine Waisenkind heiraten wollte, durfte das Mädchen die Eltern des Bräutigams um deren Einwilligung zur Heirat bitten und diese durften die Bitte nicht abschlagen, weil das Mädchen ein Waisenkind war.
- Ein Mädchen besucht die Mutter ihres Bräutigams und sagt zu ihr: "Ich will deinen Sohn heiraten." Die Mutter antwortet ihr: "Das will ich nicht zulassen, also lass ab von meinem Sohn. Ich will dir aber Geld geben." Das Mädchen antwortet: "Ich will kein Geld, denn ich liebe deinen Sohn."

12. A ja wtschora w kumi - Region Kiew
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- "Morgen kommt meine Patin zu mir. Um sie zu bewirten, fange ich ein Sperling und bereite Wurst, Sülze und Speck zu. So werden wir gut essen."

13. Kotilasja ta sh jasna zorja - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo, Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets (Vorsänger), Volodymyr Budz
- Liebeslied - Ein junges Mädchen fragt: "Wer bringt mich nach Hause?" Ein Kosak hat das gehört und sagt zu ihr: "Ich begleite dich."

14. Osin' moja dowhaja - Region Kiew
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Eine junge Frau ist traurig, weil ihr Geliebter nicht zu Hause ist. "Mit wem werde ich mein Abendbrot nun essen? Mein Geliebter ist am Don und ich gehe hin, um ihn zu suchen." Sie hat den ganzen Don abgesucht, aber konnte ihn nicht finden. Sie hat nur in einem Tal das Grab ihres Geliebten gefunden.

15. Oj ischli dwa kosaki - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo (hohe Stimme), Valentyna Bogdanova, Volodymyr Biletsky (Vorsänger), Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ballade - Zwei Kosaken während einer Rast. Sie haben ein Feuer gemacht und dabei das Nest einer Nachtigall verbrannt. Darauf fliegt die Nachtigall zum Kuckuck und beklagt sich bei ihm: "Mein Bruder, meine Kinder sind umgekommen." Der Kuckuck antwortet ihr: "Ich habe es dir doch immer gesagt, du sollst dein Nest nicht in der Wiese bauen, sondern in den Felsen oder auf einem hohen Baum."

16. Shtscho sh to wono sa wjerba - Cherkasy Region
- Anatoliy Kurylo (hohe Stimme), Valentyna Bogdanova, Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets (Vorsänger), Volodymyr Budz
- Eine Witwe kokettiert mit einem Kosaken. Aber der Kosake sagt zu ihr: "Wir ziehen in den Krieg und nehmen keine Frauen mit."

17. Oj sijdi, sijdi - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Liebeslied - Ein junges Mädchen geht mit ihrem jungen Mann spazieren, obwohl es ihre Mutter nicht erlaubt hat.

18. Tuman jarom - Zentral Ukraine
- Anatoliy Kurylo (Vorsänger), Valentyna Bogdanova (hohe Stimme), Volodymyr Biletsky, Ivan Volynets, Volodymyr Budz
- Ein junges Mädchen wollte Wasser aus dem Brunnen holen. Doch der Eimer ist ihr in den Brunnen hinunter gefallen. Da sagt das Mädchen: "Wer mir den Eimer aus dem Brunnen holt, der darf mich heiraten."



Traditionelle Musik aus der Ukraine

Die traditionelle Musik der Ukraine ist hauptsächlich heterophon: Die Melodie wird auf verschiedene Stimmen verteilt, mit einer führenden Stimme, meist in der mittleren Stimmlage. Der Vorsänger (zaspiwoowach) bestimmt den Verlauf der Melodie und die anderen Sänger stimmen später ein. Dieser heterophone Gruppengesang erfährt oft weitere Verzierungen durch eine unabhängige Stimme in sehr hoher Lage (wywodtshyk).

Das Prinzip der Heterophonie gibt der Hauptstimme viel Raum für Improvisation, laufendes Variieren und Verzieren. Es wirkt sich aber auch auf die Liedtexte aus, indem einzelne Wörter oder Phrasen gedehnt oder mit zusätzlichen Silben verlängert werden.

Das reiche Repertoire umfasst viele berühmte Kosakenlieder und traditionelle Tänze. Diese Musik hat ihre Wurzeln in einer Jahrhunderte alten, oralen Tradition von Bylinen (Epen, erzählende Gedichte) und Duma, das sind lange, lyrische Balladen, in welchen die Heldentaten der Kosaken gerühmt werden.

- mehr Information zur traditionellen Musik und den Instrumenten aus der Ukraine


Die Ukraine

Die heutige Ukraine ist ein Staat in der Grösse Frankreichs, in dem über 50 Millionen Menschen leben. Weite Teile gehören zur osteuropäischen Tiefebene. Durchzogen wird sie von grossen Flüssen wie der Wolga, dem Don, dem Dnjepr und dem Dnister, wovon einige ins Schwarze Meer münden. Schon sehr früh wurden sie zu sehr wichtigen Handelswegen zum Norden und zu Zentral-Europa. In der Ukraine fehlen natürliche Grenzen mit Ausnahme der Karpaten im Westen und der Pripat-Sümpfe im Nordwesten. Diese Gebiete waren des öfteren die Arena für die Austragung militärischer Konflikte, aber auch für kulturellen Austausch zwischen verschiedenen Volksgruppen. Das Wort Ukraine bedeutet Grenzland, und wie die Geschichte zeigt, kam das Gebiet unter den Einfluss verschiedener Kulturräume und Herrschaften. Am Rande der Steppen nördlich des Schwarzen Meeres bildeten sich zuerst fliessende Grenzen zwischen den sesshaften Gesellschaften der christlichen Slawen und den nomadisierenden, islamischen Tataren-Stämmen. Später kam das Gebiet der Nordwest- und Zentralukraine unter die Herrschaft des Grossfürstentums Litauen, welches im 13. Jahrhundert entstanden war. Danach wurde aber ein Grossteil der litauischen Territorien in der Ukraine dem Königreich Polen zugeteilt. Darauf kam das Gebiet der Ukraine unter die Herrschaft des Russischen Reichs, dann des Habsburger Reichs und im 20. Jahrhundert unter Polen und die Sowjetunion.

Eigenständig war die Ukraine nur während des Kiewer Reichs (Kiewer Rus) vom 10. bis ins 13. Jahrhundert, als Fürstentum Galizien-Wolhynien im 13. und 14 Jahrhundert, unter dem Hetmanat (hetman oder ataman = Oberster Kommandant) der Dnjepr-Kosaken im 17. Jahrhundert und 1918, und schliesslich als Ukrainische Volksrepublik von 1918 bis 1920.

- map sketch Historical map of the Ukraine


Geschichte

Das Schwarze Meer gehörte während Jahrhunderten zum direkten Einflussbereich der jeweiligen Mittelmeermächte. Im 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. wurden an der Küste des Schwarzen Meeres, in der Krim und um das Asowsche Meer zahlreiche griechische Kolonien gegründet. Diese kamen später unter die Herrschaft des römischen Reichs.

Während des ersten Jahrtausends v. Chr. wurde die offene Steppe nacheinander von den Kimmeriern, den Skythen und den Sarmaten, alles nomadische Völker iranischer Herkunft, besetzt. In mehreren aufeinanderfolgenden Wellen benützten dann nomadische Reitervölker aus Zentralasien dieses natürliche Tor (die Hinterland-Steppen), um in Europa einzudringen.

Die gemischte Wald-Steppen-Zone und der Waldgürtel, welche über Wasserwege mit Nord- und Zentraleuropa verbunden sind, wurden zur Heimat eines sesshaften, Landwirtschaft betreibenden Volkes. Unter dem Migrationsdruck germanischer Völker im 5. und 6. Jahrhundert, wanderten slawische Stämme aus ihrer ursprünglichen Heimat nördlich der Karpaten aus. Die Ostslaven nahmen das Wald und die Waldsteppen-Gebiete in der heutigen West-, Nord- und Zentralukraine ein. Danach wanderten sie weiter in den Süden Weissrusslands und bis in Gebiete des späteren, von Moskau aus regierten russischen Staates. Die Ostslawen betrieben Land- und Viehwirtschaft und übten Handwerke in Heimarbeit aus wie z.B. die Herstellung von Stoffen und Töpferwaren. Sie bauten auch befestigte Niederlassungen wie Kiew am rechten Ufer des Flusses Dnjepr.

Mit der Wanderung der Gothen aus dem Baltikum um 200 n. Chr. wurde eine Periode grosser Völkerwanderungen eingeleitet. Die Gothen verdrängten die Sarmaten, doch auch ihre Herrschaft wurde gebrochen, als um 375 die Hunnen aus dem Osten in dieses Gebiet eindrangen. Auf sie folgten im 5. - 6. Jahrhundert die Bulgaren und Awaren. Vom 7. bis 9. Jahrhundert gehörte die ukrainische Steppe zum turk-chasarischen Kaganat, einer Handelsmacht mit Zentrum an der unteren Wolga (Novogorod). Im späten 9. Jahrhundert folgten die Magyaren (Ungarn) und im 10. und 11. Jahrhundert die Petschenegen und Kumanen (nomadische Turkvölker). Die Kumanen blieben bis zur Mongolen-Invasion im Jahr 1237.

Das erste Volk, welches die Region über eine längere Periode (von 882 bis ins späte 10. Jahrhundert) unter seiner Kontrolle hatte, waren die Waräger (Nordmänner), auch als Rus bezeichnet. Sie waren ein Volk von Händlern und Kriegern, welche den Handel entlang der Dnjepr-Route vom Baltikum bis nach Byzanz, mit Kiew als strategischem Zentrum, kontrollierten. Aus ihren Reihen stammen die Vorfahren der Kiewer Fürsten. Die sogenannten Kiewer Rus lebten in einem Gebiet, das sich vom Baltikum bis zur Wolga im Westen und bis zur Donau im Süden ausdehnte. Das Kiewer Reich erreichte seinen Höhepunkt unter der Herrschaft von Wolodymyr dem Grossen, der das Christentum als Religion in seinem Reich einführte. Der Patriarch von Konstantinopel ernannte einen Metropoliten in Kiew, und so kam das Kiewer Rus für eine lange Periode in den Einflussbereich von Byzanz. Nach 1520 wurde dann aber die gesamte Schwarzmeerküste vom osmanischen Reich beherrscht.


Die Kosaken

Das Kosakentum ist eine der sonderbarsten und bedeutungvollsten Erscheinungen in der Geschichte Russlands. Im 16. Jahrhundert entstanden in den südlichen Regionen, im Gebiet von Moskau, in Weissrussland und in der Ukraine die ersten Kosaken-Gemeinschaften. Sie erreichten sehr viel für Russland, indem sie eroberte Territorien kolonisierten und deren Grenzen verteidigten. Sie beeinflussten aber auch die staatsinterne Gesetzgebung und Ordnung sowie die geschichtliche Entwicklung des Landes.

Manchmal werden die Kosaken als direkte Nachkommen nicht-slawischer Völkerschaften (Chasaren, Kossogen, Tscherkessen, u.a.) bezeichnet, welche sich in einigen südlichen Gebieten Russlands während der Zeit des Zerfalls des Reichs, niedergelassen hatten. Diese Ableitung basiert aber nur auf dem Ursprung des Wortes "Kosak" (vom türkischen kazak, was "freier Mann" bedeutet, oder auch die Bezeichung für einen Gesetzlosen, einen Abenteurer oder Freibeuter ist). Die Tataren bezeichneten damit jedoch eine kleine Streitkraft-Abteilung oder auch einzelne bewaffnete Reiter oder irgendwelche vom Khan (Kommandant der Tataren) unabhängigen, bewaffneten Einheiten. Als Ethnie sind die Kosaken aber trotz ihres Namens Ukrainer. Das Kosakentum begann sich im 15. Jahrhundert in den südlichen Grenzgebieten der ukrainischen Steppe zu einer neuen kriegerischen Gesellschaft zu entwickeln. Die Kosaken entwickelten eine militärische Organisation einer besonderen demokratischen Art mit einer Vollversammlung als oberster Amtsgewalt und Offizieren, der oberste Kommandant, Hetman oder Ataman genannt, inbegriffen, die von dieser Versammlung gewählt wurden. Auf diese Weise war es ihnen möglich, die Grenzen gegen die dauernden Attacken der Goldenen Tatarenhorden mit besonderen Kriegsstrategien, deren die Streitmächte der polnisch-litauischen Staaten unfähig waren, zu verteidigen.

Die Kosaken beschützten aber nicht nur die Bewohner der Grenzgebiete der Ukraine vor Tatareneinfällen, sondern organisierten eigene Überfälle im Gebiet der Krim und mit ihrer Flotte leichter Schiffe überfielen sie sogar türkische Küstenstädte in Anatolien. Für die polnische Regierung waren die Kosaken-Streitkräfte nützlich bei der Kriegsführung gegen die Tataren, Türken und Moskowiten, aber in Friedenszeiten sahen sie in ihnen ein gefährliches Element, das ihrer Kontrolle entglitt. Versuche, sie zu institutionalisieren, führte bei den Kosaken zu grosser Unzufriedenheit, da diese sich immer mehr als eine klar umrissene ethnische Einheit mit eigenen Rechten und Ansprüchen betrachteten. So kam es ab 1591 während eines halben Jahrhunderts immer wieder zu Kosakenrevolten, die nur mit grossen Schwierigkeiten niedergerungen werden konnten.

Die Gesellschaftsstrukturen der frühen Kosakengemeinschaften waren alle gleich. Die Don-Kosaken lebten in familienähnlichen, befestigten Siedlungen am Don und seinen Nebenflüssen Medvedica, Hopër, Donets und Scherebets. Das Land war ein gemeinsamer Besitz. Sie beschäftigten sich neben ihren militärischen Kampagnen mit Fischen und Jagen. Im 17. Jahrhundert entschied die oberste Befehlsmacht, jegliche Agrikultur zu verbieten und Zuwiderhandlung zu bestrafen. Getreide wurde teils von der Regierung verteilt, teils im Handel mit den Bewohnern der russischen Nachbargebiete gegen Fisch sowie türkische und tatarische Waren eingetauscht.

Die Verwaltung der Truppen oblag dem Ataman oder Hetman (oberster Kommandant). Er sowie sein Assistant, der Yessaul (Hauptmann) und ein offizieller Militärschreiber, welcher für die Korrespondenz zuständig war, wurden von der Allgemeinen Gesetzgebenden Versammlung der Kosaken, dem sogenannten Krug (wörtlich "Kreis") gewählt und konnten auch jederzeit wieder ihres Amtes enthoben werden. Alle wichtigen Geschäfte wurden von der Versammlung beschlossen, während der Ataman und sein Assistent lediglich die ausführenden Organe für die Beschlüsse der Versammlung waren. Der Ataman und die Versammlung waren gemeinsam verantwortlich für alle Angelegenheiten der Wehrkräfte sowie der Gerichtsbarkeit. Schwere Verbrechen, besonders politische, wurden mit dem Tod durch Ertränken, offiziell als "ins Wasser setzen" bezeichnet, bestraft. In jeder Kosakensiedlung gab es eine eigene oberste Versammlung, in welcher unter den Ältesten einer gewählt wurde, der für die inneren Angelegenheiten der Gemeinschaft verantwortlich war.

Diese demokratischen Institutionen wurden während Feldzügen oder in Kriegszeiten durch die despotische Befehlsgewalt eines gewählten Ataman ersetzt. Er war aber verpflichtet, über seine Aktivitäten während einer Schlacht, nach seiner Rückkehr Bericht zu erstatten.

Mehr Informationen über traditionelle Kosaken-Lieder finden Sie in den Albums mit dem Ensemble Pesnokhorki aus Barnaul, Sibirien / Russland - Face Music: FM 50017 und FM 50019.


Sprache und Religion

Die ukrainische Sprache bildet, zusammen mit dem Russischen und dem Weissrussischen, die Gruppe der Ostslawischen Sprachen. Schriftliche Dokumente entstanden erst nach der Christianisierung im Jahr 998, als Kiew zum ersten christlichen Zentrum in ostslawschem Gebiet wurde. Die ältesten Dokumente sind Abschriften kirchlicher Texte, die im 9. Jahrhundert von den Slawen-Aposteln Kyrill und Method in den südslawischen Dialekt der Gegend von Saloniki übertragen worden waren. Sie schufen dafür ein eigenes, an das Griechische angelehntes Alphabet, das sogenannte Kyrilliza. Diese manchmal als altbulgarisch, manchmal als altslawisch bezeichneten Texte bilden die Grundlage der bis heute gebräuchlichen Kirchensprache aller orthodoxen Slawen (Bulgaren, Serben, Russen, Ukrainer etc.). Als eigene Sprache tritt das Ukrainische, begünstigt durch die politische Trennung vom nordrussischen Gebiet und die Zugehörigkeit zum litauischen Grossfürstentum und später zum Königreich Polen, erst vom 14. Jahrhundert an in Erscheinung.

Valentyna Bogdanova: Sopran

Volodymyr Budz: Bariton, Anatoliy Kurylo: Tenor, Ivan Volynets: Tenor, Volodymyr Biletsky: Bass



Stickereien in der Ukraine

Die Stickereien in der Ukraine, wie auch in ganz Russland, haben einen hohen Stellenwert und sind Volkskunsthandwerk. Sie wiederspiegeln die Welt des Schönen und der Phantasie. Es werden Motive aus der Natur, wie Bäume und Tiere, oder auch andere Formen und Gestalten unserer Welt sowie mythologische Motive dargestellt. Dann gibt es auch Ornamente, die auf ukrainische Sitten und Bräuche hinweisen.

Die Stickereien aus der Poltawa Region am Mittellauf des Dnjepr, sind sehr berühmt für ihre zarten Pastellfarben. Diejenigen aus dem Gebiet von Tschernigiew haben rote und schwarze Farbtupfen. Die Kiewer Stickereien zeichnen sich durch eine kontrastreiche Verbindung in Rot und Schwarz aus, während jene aus dem Gebiet Podoliens sehr aufwenige Muster aufweisen.

Die Verzierungen auf den Handtüchern und den Hemden (ukrainisch = ruschnyky), haben eine bildhafte und symbolische Bedeutung, welche für das ganze Leben des Bauernvolks bezeichnend ist

Stickmuster aus der Poltawa Region der Ukraine

Übersetzungen: Silvia Delorenzi-Schenkel
Den guten Seelen Thomas Häusermann, Zimi und Vitalij Vosnjak vielen Dank für ihre Hilfe